Ur­va­ter der hei­mi­schen Ope­ret­te

200. Ge­burts­tag. Ba­den spielt sei­ne „Fa­t­i­nitza“, ein Buch räumt mit sei­nen Le­bens­my­then auf: Neu­es zu Franz von Sup­pe,´ der die ers­te ös­ter­rei­chi­sche Ope­ret­te schuf.

Die Presse - - FEUILLETON -

Was die wie­ne­ri­sche Un­ter­hal­tungs­mu­sik fürs Thea­ter be­trifft, hat­te Franz von Sup­pe´ die Na­se vorn. Et­li­che Jah­re vor dem Platz­hir­schen Jo­hann Strauß kom­po­nier­te er im Ge­fol­ge der Land­nah­me von Jac­ques Of­fen­bachs Stü­cken die ers­te au­to­chtho­ne Ope­ret­te. Sein Nach­ruhm ba­siert nicht zu­letzt auf den zün­den­den Ou­ver­tü­ren, die nie aus dem (Neu­jahrs-)Kon­zert­ge­brauch ver­schwun­den sind. Aber auch Wer­ke wie „Die schö­ne Gala­thee“´ oder „Boc­cac­cio“kehr­ten im­mer wie­der zu­rück in die Spiel­plä­ne.

Im Stadt­thea­ter Ba­den sieht man nach vie­len Jah­ren nun wie­der ei­ne einst viel ge­spiel­te Sup­pe-´Ope­ret­te, „Fa­t­i­nitza“, in ei­ner stim­mi­gen Pro­duk­ti­on von Leo­nard Pr­ins­loo und als gu­te En­sem­ble-Leis­tung. Das ist in die­sem Fal­le von Be­deu­tung, denn Supp`es Par­ti­tur ist raf­fi­nier­ter als vie­le ein­fa­cher ge­strick­te Ope­ret­ten-Kom­po­si­tio­nen, setzt we­ni­ger auf sim­pel har­mo­ni­sier­te Ohr­wür­mer als auf sub­til ge­bau­te, viel­stim­mi­ge Num­mern, die So­lo­stim­men und Chor klein­tei­lig mit­ein­an­der ver­we­ben. Da klingt es hie und da nach Ros­si­ni, manch­mal so­gar nach ei­ner zün­den­den Ver­di-Stret­ta.

Das Ba­de­ner Orches­ter ist da ganz bei der Sa­che, si­chert un­ter Franz Jo­sef Brez­niks en­ga­gier­ter Lei­tung den Sing­stim­men das nö­ti­ge Fun­da­ment und treibt die dra­ma­ti­sche Be­we­gung auch pul­sie­rend vor­an. Ge­sun­gen wird mehr­heit­lich ta­del­los. Bea Ro­b­ein ge­nießt ih­re Ver­wand­lung vom Leut­nant zur mäd­chen­haf­ten Fa­t­i­nitza sicht­lich, wäh­rend die Re­gie den Ge­schlech­ter­tausch zu­letzt ein we­nig über­zeich­nend zum all­ge­mein gül­ti­gen Volks­ver­gnü­gen er­hebt.

Dass die un­wahr­schein­li­che Sto­ry durch die wie­ne­ri­sche Be­sie­de­lung des tür­ki­schen Ha­rems noch ei­nen Dreh an Skur­ri­li­tät ge­winnt, ga­ran­tie­ren Franz Suhr­a­da und Re­ne´ Rum­pold, die in der Rol­le des Iz­zet Pa­scha al­ter­nie­ren, die La­cher des Pu­bli­kums, das an­ge­sichts des kaum noch be­kann­ten Ti­tels das Haus vi­el­leicht skep­tisch be­tritt, aber si­cher ani­miert-amü­siert ver­lässt.

Wer dann noch Lust hat, mehr über den Kom­po­nis­ten zu er­fah­ren, greift zu dem jüngst er­schie­ne­nen Band von Andre­as Wei­gel: „Franz von Sup­pe.´ Mensch, My­thos, Mu­si­ker, Eh­ren­bür­ger von Gars.“Die Be­zü­ge des vor 200 Jah­ren in Dal­ma­ti­en ge­bo­re­nen Kom­po­nis­ten zum Kamp­tal nä­her auf­zu­spü­ren, war der Au­tor aus­ge­zo­gen, Ar­chi­ve zu durch­fors­ten. Er wur­de in rei­chem Aus­maß fün­dig, so­dass es ihm ge­lang, ein Gut­teil des­sen, was in den bis­he­ri­gen Sup­pe-´Bio­gra­fi­en auf­ge­zeich­net war, als zu­min­dest schlecht re­cher­chiert, wo nicht frei er­fun­den zu er­wei­sen. Meh­re­re Ge­ne­ra­tio­nen sind da, so Wei­gel, den „Münch­hau­se­nia­den“auf­ge­ses­sen, die zum Teil vom Kom­po­nis­ten selbst in die Welt ge­setzt wor­den wa­ren.

Von der Ge­nea­lo­gie über die Be­zie­hun­gen zu sei­nen bei­den Ehe­frau­en bis hin zu De­tails des Schaf­fens­pro­zes­ses, die kur­zen, oft tra­gi­schen Le­bens­läu­fe der Nach­kom­men nicht zu ver­ges­sen, lässt sich nun al­les nach­le­sen, was hieb- und stich­fest nach­zu­wei­sen ist. Das ver­mit­telt ein fri­sches, un­ver­fälsch­tes Bild vom Va­ter der Wie­ner Ope­ret­te. Zu se­hen ist da­von viel auch in der Sup­pe-´Ge­denk­stät­te in Gars, die Mu­sik da­zu lie­fert bis weit in den Jän­ner hin­ein noch das Stadt­thea­ter Ba­den.

[ Stadt­thea­ter/Chris­ti­anHu­sar]

Lang nicht ge­spielt: Sup­pes´ „Fa­t­i­nitza“. Im Bild: Bea Ro­b­ein, Rein­hard Ales­sandri.

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