Der Weih­nachts­mann ar­bei­tet nicht al­lein

Strea­m­ing­tipps. Wer sei­nen Kin­dern die War­te­zeit auf das Christ­kind mit ei­nem weih­nacht­li­chen Film ver­sü­ßen will, kommt an des­sen Kol­le­gen vom Nord­pol kaum vor­bei: Der San­ta-My­thos hat tol­le Ani­ma­ti­ons­fil­me in­spi­riert.

Die Presse - - FEUILLETON -

Wäh­rend das Christ­kind Jahr für Jahr un­hin­ter­fragt sei­nem ge­lob­ten Ge­schäft nach­ge­hen darf, wirft der Pop­my­thos Weih­nachts­mann nicht nur bei neu­gie­ri­gen Kin­dern Fra­gen auf. Wie schafft es die­ser hoch­be­tag­te, al­lem An­schein nach nicht sehr sport­li­che Herr, sein über­bor­den­des Ge­schen­k­ein­ven­tar der­ma­ßen schnell und ef­fi­zi­ent un­ter die jun­gen Leu­te die­ser Welt zu brin­gen – im Lau­fe ei­nes ein­zi­gen Abends? Vie­le Fil­me su­chen hin­ter den Ku­lis­sen sei­nes Nord­polHaupt­quar­tiers nach mehr oder we­ni­ger glaub­haf­ten Ant­wor­ten.

Ein be­son­ders raf­fi­nier­tes Bei­spiel: „Ar­thur Christ­mas“, zwei­tes Com­pu­ter­ani­ma­ti­ons­werk der bri­ti­schen Aard­man-Stu­di­os (be­kannt für „Shaun das Schaf“und „Wal­lace & Gro­mit“). Mit­tel­punkt der straff or­ga­ni­sier­ten Ver­tei­lungs­ma­schi­ne­rie ist ei­ne an den Kon­troll­raum im Hous­ton Space Cen­ter er­in­nern­de Schalt­zen­tra­le vol­ler Eli­te-El­fen, die mit High­tech und Hin­ga­be für ein­wand­freie Weih­nachts­stim­mung rund um den Glo­bus sor­gen. Da hat es der schlur­fig-ein­fühl­sa­me Ni­ko­lo-Sohn Ar­thur schwer, sich durch­zu­set­zen. Als ein Prä­sent ver­se­hent­lich ver­lo­ren geht, sieht er sei­ne Chan­ce zur Be­wäh­rung ge­kom­men – und geht in Pa­pas Flug­schlit­ten auf ge­hei­me Mis­si­on. Ein flot­tes, char­man­tes Ver­gnü­gen! (and)

Das Mäd­chen An­ge­la ent­deckt wäh­rend der Weih­nachts­mes­se Ba­by-Je­sus nur in Win­deln im Stroh – und ist sich si­cher: „Dem Ba­by ist viel zu kalt.“Al­so be­schließt An­ge­la, Ba­by-Je­sus un­ter ih­rem Man­tel mit nach Hau­se zu neh­men und zu wär­men. Nicht nur der Pries­ter be­merkt bald, dass das Je­sus­kind in der Krip­pe fehlt, auch An­ge­las Mut­ter und die drei Ge­schwis­ter ent­de­cken, wen die Schwes­ter da mit­ge­bracht hat. Der Zei­chen­trick­kurz­film (ca. 30 Mi­nu­ten) ist wun­der­schön ge­zeich­net und er­zählt ei­ne wah­re Ge­schich­te: An­ge­la war die Mut­ter des iri­schen Au­tors Frank McCourt („Die Asche mei­ner Mut­ter“) und ih­re nächt­li­che Je­sus-Ret­tungs­ak­ti­on ist ge­nau so pas­siert. (awa)

Die­ser Film ist ein klei­nes Ju­wel. Pro­du­ziert in Spa­ni­en, er­zählt er lie­be­voll die mög­li­che Ent­ste­hung von San­ta Klaus. Der Post­bo­te Je­sper macht sei­nen Va­ter, den Ober­post­ge­ne­ral, sehr un­glück­lich mit sei­nem Des­in­ter­es­se für das Brief­zu­stell­we­sen. Al­so wird er fort­ge­schickt, er soll sich als Post­ler in ei­ner Kle­in­stadt nörd­lich des Po­lar­krei­ses ver­din­gen, die be­kannt für ih­re miss­güns­ti­gen Be­woh­ner ist. Je­sper trifft dort auf den trau­ri­gen und wort­kar­gen Klaus, der Kin­dern un­ge­fragt Ge­schen­ke bringt. Die bei­den freun­den sich an, die Stadt fin­det zu Freund­lich­keit zu­rück, und ir­gend­wann flie­gen sie mit ei­nem Schlit­ten und Ren­tie­ren durch die Luft. Sehr lus­ti­ge Dia­lo­ge, nur ei­ne Pri­se Kitsch ge­gen En­de. Dis­ney könn­te nei­disch wer­den. (awa)

Ein Film muss nicht von Weih­nach­ten han­deln, um das War­ten auf die Be­sche­rung an­ge­mes­sen zu ver­sü­ßen. Im­mer­hin zählt zu den ab­so­lu­ten Fest­tags­klas­si­kern auch die De­fa-Ver­fil­mung des Grim­mMär­chens „Drei Ha­sel­nüs­se für Aschen­brö­del“(wer die all­jähr­li­che TV-Aus­strah­lung ver­passt, kann es auf Net­flix und Ama­zon strea­men). Schön zuck­rig ist auch die Ge­schich­te um Nan­ny Mc­Phee: Ein he­xen­haf­tes Kin­der­mäd­chen (Em­ma Thomp­son, die auch das Dreh­buch ge­schrie­ben hat) mischt den Haus­halt ei­nes über­for­der­ten Wit­wers (Co­lin Firth) und sei­ner sie­ben re­bel­li­schen Kin­der auf. Das er­in­nert an „Ma­ry Pop­pins“(auch auf Net­flix) eben­so wie an den schrul­li­gen und dunk­len Hu­mor von Ro­ald Dahl. (ka­nu)

Wer ist Jack Frost? Sa­gen Sie bloß, Sie wis­sen es nicht? Ge­nau das treibt die Per­so­ni­fi­zie­rung des Win­ters (hier­zu­lan­de eher un­ter sei­nem Zweit­na­men Vä­ter­chen Frost be­kannt) auf die Pal­me. Weil nie­mand wirk­lich an ihn glaubt, fühlt sich der Schnee­zau­be­rer als ewi­ger Au­ßen­sei­ter im Pan­the­on der „Hü­ter des Lichts“, al­so der kind­heits­traum­wan­deln­den Fei­er­tags­mas­kott­chen und Fan­ta­sie­fi­gu­ren. Doch als ein bö­ser Buh­mann die Luft­schlös­ser der Un­schul­di­gen mit gars­ti­gen Alb­träu­men zum Ein­sturz brin­gen will, sind Weih­nachts­mann, Sand­männ­chen, Zahn­fee und Os­ter­ha­se auf den Bei­stand Frosts an­ge­wie­sen. An­fangs wur­de die­se ac­tion­las­ti­ge Ani­ma­ti­ons­per­le von der Pro­duk­ti­ons­fir­ma Dream­works als Flop ver­bucht. Der schwa­che Start des Films ver­dank­te sich wo­mög­lich sei­ner sicht­li­chen Schrul­lig­keit: Fest­tagsi­ko­nen als Su­per­hel­den, ein Weih­nachts­mann mit rus­si­schem Ak­zent, ein aus­tra­li­scher Os­ter­ha­se – da­mit sticht der mit­rei­ßen­de Film aus der Mas­se weih­nachts­be­zo­ge­ner Fa­mi­li­en­un­ter­hal­tung her­aus. Sein Re­gis­seur, Pe­ter Ram­sey, hat sich in­zwi­schen mit dem os­car­prä­mier­ten Über­ra­schungs­hit „Spi­der-Man: In­to the Spi­der-Ver­se“ei­nen grö­ße­ren Na­men ge­macht. (and)

[ Dream­works ]

Schrul­lig: In „Die Hü­ter des Lichts“spricht San­ta mit rus­si­schem Ak­zent.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.