Die ver­steck­ten Su­per­kräf­te von Holz

An der Fach­hoch­schu­le Salz­burg su­chen For­sche­rin­nen nach Mög­lich­kei­ten, die bak­te­ri­en­hem­men­den Ei­gen­schaf­ten von Holz in kon­kre­ten Pro­duk­ten zu nüt­zen – et­wa in der Kos­me­tik­in­dus­trie.

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Vie­le Men­schen schwö­ren auf die po­si­ti­ven Ei­gen­schaf­ten von Holz: Zir­be soll den Schlaf för­dern oder das Ver­schim­meln von Brot ver­hin­dern. Ei­ne Sal­be aus Lär­chen­pech lässt Wun­den schnel­ler hei­len, Tee aus Bir­ken­rin­de wird als Haus­mit­tel ge­gen Ent­zün­dun­gen ein­ge­setzt. Al­les nur Ein­bil­dung, oder gibt es In­halts­stof­fe im Holz, die für die­se Wir­kun­gen ver­ant­wort­lich sein könn­ten?

For­sche­rin­nen der Fach­hoch­schu­le Salz­burg wol­len das ge­nau­er wis­sen und ar­bei­ten an meh­re­ren Pro­jek­ten, um her­aus­zu­fin­den, wel­che kon­kre­ten In­halts­stof­fe die an­ti­bak­te­ri­el­le Wir­kung man­cher Holz­ar­ten ver­ur­sa­chen könn­ten. „Ein Baum hat fast nie ei­ne bak­te­ri­el­le In­fek­ti­on. Als Wis­sen­schaft­ler ha­ben wir die Auf­ga­be, her­aus­zu­fin­den, war­um das so ist“, sagt Ge­ja Oos­tingh, Lei­te­rin des Stu­di­en­gangs Bio­me­di­zi­ni­sche Ana­ly­tik. „Ma­te­ria­li­en aus Holz gel­ten in der Le­bens­mit­tel­pro­duk­ti­on als hy­gie­nisch be­denk­lich. So wur­den bei­spiels­wei­se in den Metz­ge­rei­en die Hack­stö­cke aus Holz durch sol­che aus Kunst­stoff er­setzt. Wir woll­ten wis­sen, ob Holz da wirk­lich schlech­ter ab­schnei­det“, er­zählt sie über die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des ge­mein­sa­men For­schungs­pro­jekts mit dem Stu­di­en­gang Holz­tech­no­lo­gie & Holz­bau.

Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler des Holz-Stu­di­en­gangs be­fas­sen sich un­ter an­de­rem mit Mög­lich­kei­ten, Ne­ben­pro­duk­te der Holz­in­dus­trie wirt­schaft­lich in­ter­es­san­ter zu ver­wer­ten. In ei­nem ers­ten Schritt wur­den ver­schie­de­ne Bak­te­ri­en­stäm­me auf Holz auf­ge­bracht und de­ren Wachs­tum be­ob­ach­tet. „Da­bei zeig­te sich, dass sich auf ei­ni­gen Holz­ar­ten kaum Bak­te­ri­en bil­de­ten“, be­rich­tet Oos­tingh. Be­son­ders gut hat das mit Lär­chen­holz funk­tio­niert.

In der nächs­ten Pha­se wur­den aus dem Sä­ge­mehl ver­schie­de­ner Höl­zer Ex­trak­te her­ge­stellt, um zu se­hen, ob auch Lö­sun­gen die glei­chen Ef­fek­te er­ge­ben. Als Lö­sungs­mit­tel wur­den Was­ser, Di­me­thyl­sul­foxid, Metha­nol und Gly­ze­rin ge­tes­tet. Wie­der zeig­te sich die bak­te­ri­en­hem­men­de Wir­kung. Lär­che und Bir­ke schnit­ten in die­ser Ver­suchs­rei­he sehr gut ab.

Doch wo­her kommt die­se Wir­kung? „Über die In­halts­stof­fe und die da­hin­ter­ste­hen­den Mecha­nis­men weiß man bis­her kaum et­was“, sieht Oos­tingh ein sehr span­nen­des For­schungs­feld. Die Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler kon­zen­trie­ren sich nun auf zwei Be­rei­che: Ei­ner­seits geht es dar­um, die In­halts­stof­fe der ein­zel­nen Höl­zer zu ana­ly­sie­ren und ge­nau­er zu cha­rak­te­ri­sie­ren. An­de­rer­seits wer­den un­ter­schied­li­che Kon­zen­tra­tio­nen der Lö­sun­gen ge­tes­tet, um op­ti­ma­le Er­geb­nis­se zu er­zie­len. Au­ßer­dem wer­den Ver­su­che mit Zell­kul­tu­ren ge­macht. Schließ­lich muss si­cher­ge­stellt sein, dass die Ex­trak­te nicht gif­tig sind und da­mit den Zel­len scha­den. „Im al­ler­bes­ten Fall sind sie nicht nur nicht gif­tig, son­dern ha­ben so­gar po­si­ti­ve Ef­fek­te“, hofft die For­sche­rin.

Sie und ihr Team den­ken näm­lich schon an mög­li­che An­wen­dun­gen für die In­halts­stof­fe, die sich aus Holz­ab­fäl­len ge­win­nen las­sen. So sieht Oos­tingh in der Ver­pa­ckungs­in­dus­trie, im Kos­me­tik- und Phar­ma­be­reich po­ten­zi­el­le Ein­satz­ge­bie­te. Man­che Holz­in­halts­stof­fe könn­ten bei­spiels­wei­se als na­tür­li­che Bak­te­ri­en­hem­mer die Halt­bar­keit von kos­me­ti­schen Cre­men er­hö­hen. Die In­halts­stof­fe könn­ten aber auch zu­sätz­li­che Wir­kun­gen ent­fal­ten – bei­spiels­wei­se die Bil­dung von Ak­ne oder Schup­pen­flech­te hem­men.

Bei der Be­hand­lung von Pa­ti­en­ten mit Epi­der­m­o­ly­sis bul­losa – der so­ge­nann­ten Schmet­ter­lings­krank­heit – wür­de bei­spiels­wei­se schon heu­te ei­ne Cre­me ein­ge­setzt, die stark auf ei­nem Ex­trakt aus Bir­ken­rin­de ba­sie­re, er­zählt Oos­tingh. Noch geht es aber dar­um, die ein­zel­nen Kom­po­nen­ten zu cha­rak­te­ri­sie­ren, die hin­ter die­ser Wir­kung ste­hen könn­ten.

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