Al­tes Ter­rain, neue Ver­fah­ren

Im­mo­bi­li­en­ver­mitt­lung. Die Mak­ler­bran­che be­fin­det sich in ei­nem Um­bruch. Un­kon­ven­tio­nel­le Play­er er­obern den hei­mi­schen Markt, di­gi­ta­le Tools ver­än­dern den Ver­mitt­lungs­pro­zess.

Die Presse - - IMMOBILIEN -

Der heim­li­che Alp­traum ei­nes je­den Im­mo­bi­li­en­mak­lers hat die In­ter­net­adres­se www.kein­mak­ler.at. Die On­line­platt­form ist kom­plett frei von Wer­bung, lis­tet nur Ob­jek­te von Pri­va­ten auf, die ga­ran­tiert oh­ne Pro­vi­si­on ver­mie­tet oder ver­kauft wer­den, und ist obend­rein so­wohl für Nut­zer als auch In­se­ren­ten völ­lig kos­ten­los. Und als wä­re das nicht ge­nug, war­tet die Web­site mit ei­ner wei­te­ren Be­son­der­heit auf: User kön­nen in ei­ner ei­ge­nen Ru­brik über ih­re per­sön­li­chen, meist we­nig schmei­chel­haf­ten Er­fah­run­gen mit Im­mo­bi­li­en­mak­lern be­rich­ten.

Die Idee zu dem Pro­jekt sei aus per­sön­li­cher Frus­tra­ti­on über das man­geln­de Ser­vice im Zu­ge ei­ner ein­fa­chen Woh­nungs­su­che ent­stan­den, er­zählt Ab­dul­lah Uenal, ei­ner der bei­den Initia­to­ren. „Wir hat­ten das Ge­fühl, dass es den Mak­lern in ers­ter Li­nie um ih­re Pro­vi­si­on und nicht um ei­ne Leis­tung geht. Dem woll­ten wir et­was ent­ge­gen­set­zen.“

Dass sich die Idee ei­ner gänz­lich mak­ler­frei­en Im­mo­bi­li­en­welt durch­set­zen wird, ist aber eher un­wahr­schein­lich – zu viel spricht da­ge­gen. Für mehr Un­be­ha­gen in der hei­mi­schen Bran­che sor­gen da schon neue Play­er aus dem Aus­land, die mit di­gi­ta­len In­no­va­tio­nen, schlan­ke­ren Struk­tu­ren, dem Ver­spre­chen von mehr Trans­pa­renz und ge­rin­ge­ren Kos­ten ver­su­chen, den hei­mi­schen Markt auf­zu­mi­schen.

Mit die­sen Ver­spre­chen ist vor rund zwei Jah­ren bei­spiels­wei­se das deut­sche Pr­optech-Un­ter­neh­men McMak­ler an­ge­tre­ten. Die kla­re Ziel­set­zung: „Wir wol­len mit­tel­fris­tig in die Top fünf der lan­des­weit tä­ti­gen Mak­ler auf­stei­gen“, wie es Un­ter­neh­mens­grün­der Han­no Heint­zen­berg for­mu­liert. Das Un­ter­neh­men setzt da­bei auf ein hy­bri­des Ge­schäfts­mo­dell, das aus ei­ner Kom­bi­na­ti­on aus kon­ven­tio­nel­ler Im­mo­bi­li­en­ver­mitt­lung, di­gi­ta­ler Pro­zess­steue­rung und On­line­platt­form be­steht. „Das Be­son­de­re an un­se­rem Mo­dell be­steht dar­in, dass wir ei­ne Art di­gi­ta­les Back­of­fice auf­ge­baut ha­ben, mit dem sich vie­le der stan­dard­mä­ßi­gen Ab­läu­fe in der Im­mo­bi­li­en­ver­mitt­lung au­to­ma­ti­sie­ren las­sen“, er­läu­tert Ja­kob Cer­be, Ge­schäfts­füh­rer von McMak­ler Ös­ter­reich. Mit der haus­ei­ge­nen Pro­zess­soft­ware las­sen sich bei­spiels­wei­se Ex­po­ses´ au­to­ma­tisch er­stel­len, Da­ten aus der un­ter­neh­mens­ei­ge­nen Da­ten­bank für ei­ne ers­te gro­be Ob­jekt­be­wer­tung her­an­zie­hen oder ein um­fas­sen­des Re­porting er­stel­len, das al­le Ar­beitschrit­te rund um den Ver­mark­tungs­pro­zess er­fasst und dar­stellt. „Die­se Tools ma­chen den gan­zen Ab­wick­lungs­pro­zess ef­fi­zi­en­ter, da sie je­dem un­se­rer Mak­ler zur Ver­fü­gung ste­hen und die­se im Ge­gen­zug mehr Zeit für die ei­gent­li­che Kun­den­be­treu­ung ha­ben“, er­läu­tert der Ge­schäfts­füh­rer.

Die Bot­schaft ist of­fen­sicht­lich an­ge­kom­men. Das zeigt sich un­ter an­de­rem dar­an, dass die alt­ein­ge­ses­se­nen Play­er in­zwi­schen ih­rer­seits be­gon­nen ha­ben, ih­re Ser­vices di­gi­tal auf­zu­rüs­ten. Raiff­ei­sen Im­mo­bi­li­en NÖ/Wi­en/Bur­gen­land et­wa hat mit www.al­les­mak­ler.at im heu­ri­gen Früh­jahr ein ei­ge­nes On­lin­e­por­tal ge­star­tet, das ne­ben ei­nem Be­wer­tungs­check für Woh­nung, Haus oder Grund­stück ein Li­ve-Tracking der Ver­mark­tungs­ak­ti­vi­tä­ten per Smart­pho­ne oder Lap­top für die Auf­trag­ge­ber er­mög­licht. „Die klas­si­sche Mak­ler­leis­tung, die von ei­ner prä­zi­sen Markt­ein­schät­zung über die Ab­wick­lung von Be­sich­ti­gungs­ter­mi­nen bis hin zur Kauf­ver­trags­er­stel­lung reicht, wird da­bei na­tür­lich nicht an­ge­tas­tet“, er­läu­tert Michael Mack, Mit­glied der Ge­schäfts­füh­rung. „Der Vor­teil für den Kun­den be­steht dar­in, dass er uns bei un­se­ren Ak­ti­vi­tä­ten gleich­sam über die Schul­ter schau­en kann und sich im Sin­ne der Trans­pa­renz ei­nen bes­se­ren Ein­druck von un­se­ren An­stren­gun­gen ver­schaf­fen kann.“

„Trans­pa­renz“ist auch das Schlag­wort, mit dem das Mak­ler­netz­werk Re/Max sein vor gut ei­nem Jahr ge­launch­tes di­gi­ta­les An­ge­bots­ver­fah­ren be­wirbt. Die An­wen­dung, „Da­ve“ge­nannt, ver­la­gert den tra­di­tio­nel­len Preis­fin­dungs­pro­zess ein­fach ins Netz und er­mög­licht da­durch so­wohl Ver­käu­fern wie In­ter­es­sen­ten, den ge­sam­ten Ver­kaufs­pro­zess in Echt­zeit ver­fol­gen zu kön­nen. „Al­le Be­tei­lig­ten wis­sen zu je­der Zeit, wie vie­le In­ter­es­sen­ten an dem Pro­zess teil­neh­men, wel­ches das höchs­te Ge­bot ist und ob man ge­ra­de der Best­bie­ter ist“, er­läu­tert Pe­ter Rei­kers­dor­fer, Ge­schäfts­füh­rer von Re/Max Aus­tria. Bis­her sei­en et­wa 600 Ver­fah­ren mit „Da­ve“ab­ge­wi­ckelt wor­den, be­rich­tet Rei­kers­dor­fer. „Quer durch al­le Preis­ka­te­go­ri­en. Das güns­tigs­te Ob­jekt wech­sel­te um 45.000 Eu­ro den Be­sit­zer, das teu­ers­te um 1,4 Mio. Eu­ro.“Wie die Mit­be­wer­ber wird auch er nicht mü­de zu be­to­nen, dass die Di­gi­ta­li­sie­rung die­ses Pro­zes­ses mit kei­nen Ab­schlä­gen bei den klas­si­schen Di­enst­leis­tun­gen ver­bun­den sei. „Ser­vices wie die pro­fes­sio­nel­le Auf­be­rei­tung der Im­mo­bi­lie, die Er­he­bung al­ler ver­kaufs­re­le­van­ten Un­ter­la­gen oder die Be­wer­bung auf den ver­schie­de­nen Ka­nä­len wer­den da­von nicht tan­giert“, be­tont er.

Und das wer­de sich in der ge­sam­ten Bran­che auch in Zu­kunft nicht we­sent­lich än­dern, meint An­ton Holz­ap­fel, Ge­schäfts­füh­rer des Ös­ter­rei­chi­schen Ver­ban­des der Im­mo­bi­li­en­wirt­schaft. Zwar wer­de die Di­gi­ta­li­sie­rung durch­aus zu Ve­rän­de­run­gen in den Struk­tu­ren der Im­mo­bi­li­en­ver­mitt­lung füh­ren, „die Be­ra­tungs­leis­tung und Ex­per­ti­se, die ein er­fah­re­ner Mak­ler hat, wird sie aber nicht er­set­zen kön­nen“.

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Di­gi­ta­le Tools spie­len bei der Im­mo­bi­li­en­ver­mitt­lung ei­ne im­mer grö­ße­re Rol­le.

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