Wo es im­mer noch Prin­zen gibt

Adels­ti­tel. Das Adels­auf­he­bungs­ge­setz sei wei­ter an­zu­wen­den, be­ton­ten heu­er die Höchst­rich­ter. Doch nicht im­mer und übe­r­all ver­schließt sich der ös­ter­rei­chi­sche Staat Adels­ti­teln. So fin­det man im Grund­buch im­mer noch Prin­zen.

Die Presse - - VORDERSEIT­E - VON PHIL­IPP AICHINGER

Der ös­ter­rei­chi­sche Staat ver­schließt sich Adels­ti­teln nicht übe­r­all.

„Es amü­siert und er­staunt mich zu­gleich“, schreibt ei­ne Le­se­rin der „Pres­se“. Da wer­de in den ver­gan­ge­nen Wo­chen über das Adels­prä­di­kat von Karl Habs­burg dis­ku­tiert. Und dann fin­de sich so­gar in Grund­buch­ein­trä­gen der Hin­weis dar­auf, dass ein Prinz und ei­ne Prin­zes­sin hier­zu­lan­de Im­mo­bi­li­en­be­sitz ha­ben. Mes­sen die ös­ter­rei­chi­schen Be­hör­den al­so mit zwei­er­lei Maß?

Kon­kret hat die Le­se­rin Grund­buch­ein­trä­ge von „Liech­ten­stein Al­f­red Prinz von und zu“so­wie von „Liech­ten­stein Ali­ce Prin­zes­sin von und zu“ge­fun­den. Auch auf der Home­page sei­ner west­stei­ri­schen Fir­ma (ei­nem Sä­ge- und Ho­bel­werk) fir­miert der Mann als „Prinz DI Al­f­red Liech­ten­stein“. Auf den ers­ten Blick ein ge­fähr­li­ches Ter­rain, wur­de Karl Habs­burg doch (nicht rechts­kräf­tig) ver­ur­teilt, weil er sich auf sei­ner Home­page als „von Habs­burg“ti­tu­liert hat­te.

Doch ist der Fall hier an­ders ge­la­gert, wie ei­ne Nach­fra­ge in dem vom Prin­zen be­trie­be­nen Un­ter­neh­men (dem „Liech­ten­stein Holz­treff“) zeigt. „Die Mit­glie­der der Fa­mi­lie Liech­ten­stein sind kei­ne ös­ter­rei­chi­schen Staats­bür­ger, son­dern Bür­ger des Fürs­ten­tums Liech­ten­stein. So­mit gel­ten die ös­ter­rei­chi­schen Adels­ge­set­ze nicht“, er­klärt ei­ne Mit­ar­bei­te­rin.

Tat­säch­lich ist für ös­ter­rei­chi­sche Grund­buch­ein­trä­ge nur re­le­vant, wie je­mand laut sei­nem (sei es auch aus­län­di­schen) Aus­weis heißt. „Wenn je­mand beim No­tar ei­nen Aus­weis vor­zei­gen kann, in dem ,Prinz‘ steht, dann wird das auch so be­glau­bigt und kommt so ins Grund­buch“, sagt der Wie­ner Rechts­an­walt Cle­mens Grün­zweig. Er kämpft ju­ris­tisch an et­was an­de­rer Front und be­treut Fäl­le von Per­so­nen, die bei neu­en Pas­saus­stel­lun­gen ih­ren bis­he­ri­gen (für die Be­hör­den aber ade­lig klin­gen­den) Na­men be­hal­ten wol­len. Strit­tig ist das ins­be­son­de­re bei Ös­ter­rei­chern mit fremd­spra­chi­gen Na­men. Et­wa, wenn je­mand das fran­zö­si­sche „de“im Na­men trägt. Die Be­hör­den sind dies­be­züg­lich re­strik­ti­ver ge­wor­den.

Wenn ein Ba­ron klagt

Doch nicht im­mer und übe­r­all schaut der Staat bei Na­men ge­nau hin. „Wenn Sie im Zi­vil­ver­fah­ren als ,Ba­ron von . . .‘ et­was ein­kla­gen, prüft das Ge­richt den Na­men auch nicht“, nennt Grün­zweig ein Bei­spiel. So wie im Zi­vil­ver­fah­ren ganz ge­ne­rell Na­men nicht über­prüft wer­den wür­den, so­lan­ge nie­mand ei­nen Ein­wand er­hebt. Am En­de lau­tet das Ur­teil aber dann auch auf den Na­men, un­ter dem man ge­klagt hat.

Da das Füh­ren von Adels­ti­teln für Ös­ter­rei­cher nur ei­ne ver­wal­tungs­recht­lich, aber nicht ei­ne ge­richt­lich zu ahn­den­de Straf­tat ist, in­ter­es­sie­ren sich die Ge­rich­te auch nicht von sich aus da­für. Habs­burg aber wur­de ver­wal­tungs­straf­recht­lich be­langt, wor­auf er den Rechts­weg ein­schlug. Der Ver­such des Kai­ser­en­kels, das Adels­auf­he­bungs­ge­setz beim Ver­fas­sungs­ge­richts­hof (VfGH) zu kip­pen, schei­ter­te al­ler­dings heu­er. Was auch we­nig ver­wun­der­lich war, denn das Ge­setz steht selbst im Ver­fas­sungs­rang und kann da­mit nur schwer­lich ge­gen die Ver­fas­sung ver­sto­ßen. Nun will Habs­burg aber noch den Ver­wal­tungs­ge­richts­hof an­ru­fen. Die­ser kann je­doch nur noch über­prü­fen, ob das Ge­setz kor­rekt an­ge­wandt wur­de, aber nicht mehr die Be­stim­mung an sich hin­ter­fra­gen.

Po­li­tisch ist das The­ma der Adels­auf­he­bung auch in­ter­es­sant, soll­te es zu ei­ner tür­kis-grü­nen Ko­ali­ti­on kom­men. Denn gera­de grü­ne Po­li­ti­ker (zu­letzt Si­grid Mau­rer) hat­ten in der Ver­gan­gen­heit ei­ne An­pas­sung der Stra­fen des noch aus dem Jahr 1919 stam­men­den Ge­set­zes ge­for­dert. Die ÖVP hin­ge­gen woll­te das hei­ße Ei­sen Adel bis­her nicht an­fas­sen. Neue Nah­rung er­hielt das The­ma auch durch das von Habs­burg in­iti­ier­te VfGH-Er­kennt­nis. Denn die Höchst­rich­ter er­klär­ten, dass die im Ge­setz vor­ge­se­he­ne Geld­stra­fe (bis zu 20.000 Kro­nen) in Zei­ten des Eu­ro längst nicht mehr an­wend­bar sei.

Nicht aus­schlie­ßen woll­te der VfGH aber, dass die in die­sem Ge­setz eben­falls noch an­ge­droh­te Ar­rest­stra­fe als Sank­ti­ons­mög­lich­keit gilt. Die­se Fra­ge woll­ten die Rich­ter nicht be­ur­tei­len, weil Habs­burg auch nicht zu ei­ner Ge­fäng­nis­stra­fe ver­ur­teilt wor­den war. Dem Kai­ser­en­kel war vom Ma­gis­tra­ti­schen Be­zirks­amt für Wi­en Land­stra­ße nur ei­ne Geld­stra­fe von 70 Eu­ro auf­ge­brummt wor­den. Auch die­se muss er aber nun nicht zah­len, weil nach An­sicht der Rich­ter Kro­nen eben nicht in Eu­ro um­ge­rech­net wer­den kön­nen.

Müll­hal­de oder An­pas­sung?

Doch Habs­burg stört auch die for­ma­le Ver­ur­tei­lung an sich. Das Adels­auf­he­bungs­ge­setz, so meint er, ge­hö­re auf die „Müll­hal­de der Ge­schich­te“. Be­für­wor­ter sei­ner An­sicht ar­gu­men­tie­ren da­mit, dass et­wa in Deutsch­land die Adels­be­zeich­nun­gen als Teil des bür­ger­li­chen Na­mens ge­führt wer­den dür­fen. An­de­re be­to­nen wie­der­um, dass in ei­ner Re­pu­blik nie­mand Vor­rech­te ha­ben sol­le, auch nicht beim Na­men. Nur brau­che es auch aus rechts­staat­li­chen Grün­den ei­ne sinn­vol­le Sank­ti­ons­mög­lich­keit in Eu­ro­be­trä­gen.

Die krea­tivs­te Idee, um in Ös­ter­reich als Prinz gel­ten zu dür­fen, hat­te üb­ri­gens der ge­bür­ti­ge Ös­ter­rei­cher Max Schaum­bur­gLip­pe. Er woll­te sich nach ei­ner Ad­op­ti­on durch ei­ne ech­te Prin­zes­sin auch hier­zu­lan­de als „Prin­zes­sin“ein­tra­gen las­sen, weil das ja der Na­me sei­ner Mut­ter sei. Gleich dar­auf soll­te ei­ne Rich­tig­stel­lung des Na­mens auf „Prinz“er­fol­gen. Mit die­ser Idee kam der Mann aber vor den ös­ter­rei­chi­schen Be­hör­den nicht durch. In­zwi­schen ist Schaum­burg-Lip­pe je­doch oh­ne­dies Deut­scher – und kann da­mit sei­ne Prin­zen­rol­le ganz aus­fül­len.

[ Star­pix / pic­tu­re­desk.com ]

Karl Habs­burg darf wei­ter­hin kein „von“sein, ent­schied der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof.

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