Wer war Ge­ne­ral So­lei­ma­ni? Ein Por­trät

Por­trät. Der durch ei­nen ame­ri­ka­ni­schen Droh­nen­an­griff ge­tö­te­te Qas­em So­lei­ma­ni war Te­he­rans Mann für das Gro­be in der Nach­bar­schaft. Der Krieg zwi­schen Iran und Irak in den 1980ern hat­te ihn po­li­tisch ge­prägt.

Die Presse - - VORDERSEIT­E - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten THO­MAS SEI­BERT

Man nann­te ihn den „Schat­ten“. Qas­em So­lei­ma­ni, 62, war ei­ner der mäch­tigs­ten Män­ner im Na­hen Os­ten und gleich­zei­tig ein gro­ßer Un­be­kann­ter. Bis zu sei­ner Er­mor­dung durch ei­nen US-Droh­nen­an­griff in Bagdad in der Nacht zum Frei­tag ar­bei­te­te der Ge­ne­ral­ma­jor der ira­ni­schen Re­vo­lu­ti­ons­gar­den und Kom­man­deur der alQuds-Eli­te­ein­heit dar­an, den Ein­fluss Irans in der Region zu stär­ken – oft rück­sichts­los.

So­lei­ma­ni war ein bru­ta­ler Ex­tre­mist und treu­er Ge­folgs­mann des ira­ni­schen Re­gimes. Er half in Sy­ri­en bei der Nie­der­schla­gung des Auf­stands ge­gen Prä­si­dent Bas­har al-As­sad und lenk­te mi­li­tan­te Grup­pen, die vie­le Men­schen im gan­zen Na­hen Os­ten tö­te­ten. Doch So­lei­ma­ni war für vie­le auch ein ira­ni­scher Na­tio­nal­held, der beim Sieg über den Is­la­mi­schen Staat ei­ne wich­ti­ge Rol­le spiel­te. Im Vor­jahr kür­te ihn das US-Ma­ga­zin „For­eign Po­li­cy“zum welt­weit füh­ren­den

Mi­li­tär­den­ker. Der Mann, der un­mit­tel­bar dem ira­ni­schen Re­vo­lu­ti­ons­füh­rer Aja­tol­lah Ali Kha­men­ei un­ter­stand, war ei­ne Schlüs­sel­fi­gur der ag­gres­si­ven ira­ni­schen Nah­os­tS­tra­te­gie. Er ver­such­te, den Ein­fluss Irans in Irak und Sy­ri­en aus­zu­wei­ten, den li­ba­ne­si­schen Ver­bün­de­ten His­bol­lah am Mit­tel­meer zu stär­ken und die an­tis­au­di­schen Huthi-Re­bel­len im

Je­men auf­zu­rüs­ten.

Na­tio­na­les Trau­ma

So­lei­ma­nis Welt­sicht wur­de durch den – vom Wes­ten un­ter­stütz­ten – An­griffs­krieg Iraks auf den Iran in den 1980er-Jah­ren ge­prägt. Die­ser Kon­flikt ist bis heu­te ein na­tio­na­les Trau­ma für die Ira­ner. Sie muss­ten er­le­ben, dass der ira­ki­sche Dik­ta­tor Sad­dam Hus­sein bei sei­nem An­griff auf ihr Land mil­li­ar­den­schwe­re Hil­fe aus den USA er­hielt. So­lei­ma­ni, der in sei­ner Ju­gend be­geis­ter­ter Bo­dy­buil­der ge­we­sen sein soll, hat­te sich kurz nach der ira­ni­schen Re­vo­lu­ti­on von 1979 den Re­vo­lu­ti­ons­gar­den an­ge­schlos­sen und kämpf­te von 1980 bis 1988 im Krieg ge­gen den Irak. Die Er­in­ne­rung an den Krieg, bei dem rund ei­ne hal­be Mil­li­on Ira­ner starb, ist ei­ner der Grün­de für die Ein­mi­schung beim Nach­barn: Der Iran will si­cher­stel­len, dass er nie wie­der vom Irak aus an­ge­grif­fen wird. Die iran­feind­li­che Nah­os­tpo­li­tik der USA ze­men­tier­te die Geg­ner­schaft zu Washington.

So­lei­ma­nis Tod ist ein schwe­rer Rück­schlag für das Te­he­ra­ner Re­gime. Doch die ira­ni­schen Re­vo­lu­ti­ons­gar­den wer­den durch den Ver­lust an­ge­spornt, wei­ter ge­gen den Wes­ten zu kämp­fen. Im Som­mer 2018 hat­te So­lei­ma­ni ei­ne War­nung an die ame­ri­ka­ni­sche Re­gie­rung ge­schickt, die heu­te wie ein Auf­trag an sei­ne Nach­fol­ger wirkt: Ame­ri­ka wer­de den Krieg viel­leicht be­gin­nen, aber der Iran wer­de ihn ge­win­nen, sag­te So­lei­ma­ni da­mals an die USA ge­rich­tet. „Wir sind be­reit.“

[ AFP ]

Mas­ter­mind So­lein­ma­ni. Qas­em

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