An­griffs­be­fehl po­la­ri­siert USA er­neut

USA. Prä­si­dent Trump wag­te, wo­vor Bush und Oba­ma zu­rück­schreck­ten. Sein An­griffs­be­fehl po­la­ri­siert die Na­ti­on von Neu­em.

Die Presse - - VORDERSEIT­E - VON THO­MAS VIEREGGE

Wien/Washington. Un­ver­mit­telt und oh­ne Kommentar pos­te­te Do­nald Trump in der Nacht auf Frei­tag im „Win­ter Whi­te Hou­se“in Palm Beach in Flo­ri­da ein Ster­nen­ban­ner auf Twit­ter. Was steck­te hin­ter die­ser Ma­ni­fes­ta­ti­on des Pa­trio­tis­mus? So ähn­lich hat­te der US-Prä­si­dent auf die Kom­man­do­ak­ti­on vor mehr als zwei Mo­na­ten ge­gen den IS-Ter­ror­pa­ten Abu Ba­kr al-Bagh­da­di im Nor­den Sy­ri­ens re­agiert. Kryp­tisch ver­lau­te­te er da­mals: „Et­was Groß­ar­ti­ges hat sich er­eig­net.“

Was kurz nach Mit­ter­nacht Orts­zeit im Irak vor­ge­fal­len war, er­hell­te sich we­nig spä­ter, als die Nach­richt von den töd­li­chen Ra­ke­ten­schlä­gen auf dem Flug­ha­fen in Bagdad ge­gen Qas­em So­lei­ma­ni zir­ku­lier­te. Die Ge­heim­diens­te der USA und Is­ra­els ha­ben es sich zur Auf­ga­be ge­macht, stets über den Auf­ent­halts­ort des Mas­ter­minds der ira­ni­schen Re­vo­lu­ti­ons­gar­den Be­scheid zu wis­sen. So­lei­ma­ni hat­te im Vor­jahr ei­ne Dro­hung di­rekt an Trump ge­rich­tet: „Wir sind nah an dir dran, wo du es dir nicht ein­mal vor­zu­stel­len ver­magst. Wir sind be­reit.“

Nach ei­ner Gol­f­run­de ließ Trump vor der Sil­ves­ter­par­ty in sei­nem Do­mi­zil Mar-a-La­go ei­ne mar­tia­li­sche Twit­ter-Ti­ra­de ge­gen Te­he­ran los: „Ihr wer­det ei­nen sehr ho­hen Preis zah­len.“Und er stell­te klar: „Das ist kei­ne War­nung, das ist ei­ne Dro­hung. Hap­py New Ye­ar!“Nach dem gleich­sam in letz­ter Mi­nu­te ab­ge­bla­se­nen Ra­ke­ten­an­griff auf ei­ne Ein­rich­tung der Re­vo­lu­ti­ons­gar­den in der letz­ten Es­ka­la­ti­on der Kri­se am Per­si­schen Golf im Ju­ni woll­te Trump nicht als Schwäch­ling und als Mann der lee­ren Wor­te da­ste­hen. „Ma­xi­ma­ler Druck“und Ab­schre­ckung ver­heißt die Stra­te­gie in Washington.

Zu­gleich war er um Be­schwich­ti­gung be­müht: „Ich will Frie­den.“Ei­nen lang­wie­ri­gen mi­li­tä­ri­schen Kon­flikt kann der Prä­si­dent zu Be­ginn des Wahl­jahrs und in­mit­ten der Tur­bu­len­zen um das Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren wohl kaum ge­brau­chen – au­ßer ein kur­zes Ablen­kungs­ma­nö­ver in der Ukrai­ne-Af­fä­re. Als jüngs­tes In­diz tauch­te am Frei­tag ein wei­te­res be­las­ten­des Mail auf. Ein ums an­de­re Mal pos­tu­liert er im Wahl­kampf, dass es ein En­de ha­ben müs­se mit den „end­lo­sen Krie­gen“in Nah­ost. Al­lein im Irak sind noch 5200 US-Sol­da­ten sta­tio­niert.

Das Te­he­ran-Trau­ma

Der Sturm von An­hän­gern der pro­ira­ni­schen His­bol­lah-Bri­ga­den auf die Hoch­si­cher­heits­zo­ne um die US-Bot­schaft in Bagdad hat­te in der Trump-Re­gie­rung Er­in­ne­run­gen an den An­griff von Is­la­mis­ten auf das US-Kon­su­lat im li­by­schen Ben­gasi 2012 und die trau­ma­ti­sche Be­set­zung der US-Bot­schaft in Te­he­ran 1979 ge­weckt. Der Tod des US-Bot­schaf­ters und drei­er Di­plo­ma­ten hat­te Ba­rack Oba­ma und sei­ne Au­ßen­mi­nis­te­rin Hil­la­ry Cl­in­ton in die Bre­douil­le ge­bracht. Die Gei­sel­nah­me in Te­he­ran und ei­ne fehl­ge­schla­ge­ne Be­frei­ungs­ak­ti­on hat­ten letzt­lich 1980 die Wie­der­wahl des glück­lo­sen Prä­si­den­ten Jim­my Car­ter ver­ei­telt.

Dass sich in Washington und Flo­ri­da et­was zu­sam­men­brau­te, hat­te sich zu­letzt ab­ge­zeich­net. Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Mark Esper ent­sand­te 750 Sol­da­ten in die Region, er raun­te et­was von vor­beu­gen­den Mi­li­tär­schlä­gen. Au­ßen­mi­nis­ter Mi­ke Pom­peo sag­te ei­ne Rei­se in die Ukrai­ne und nach Zen­tral­asi­en ab. In den An­griffs­plan ge­gen So­lei­ma­ni weih­te er Chi­na so­wie Do­mi­nic Ra­ab und Hei­ko Maas, sei­ne Amts­kol­le­gen in Groß­bri­tan­ni­en und Deutsch­land, ein.

Ge­teil­tes Echo in Washington

Nach der Mi­li­tär­ak­ti­on ge­gen den Kopf der ira­ni­schen Ex­pan­si­ons­stra­te­gie lau­te­te die Sprach­re­ge­lung der Trump-Re­gie­rung: So­lei­ma­ni ha­be die Atta­cken ge­gen US-Ein­rich­tun­gen or­ches­triert, man sei wei­te­ren An­grif­fen zu­vor­ge­kom­men – ein Akt der Ver­tei­di­gung. Pom­peo rück­te zu In­ter­views aus.

In Washington, das sich die­ser Ta­ge zum Im­peach­ment-Pro­zess im Se­nat rüs­tet, rie­fen die Ra­ke­ten­schlä­ge in Bagdad ein ge­teil­tes Echo her­vor. Wäh­rend re­pu­bli­ka­ni­sche Se­na­to­ren wie Mar­co Ru­bio und Lind­sey Gra­ham die Ent­schluss­kraft des Prä­si­den­ten wür­dig­ten, über­häuf­ten ihn die De­mo­kra­ten mit Kri­tik – ob­wohl sie an­er­kann­ten, dass So­lei­ma­ni „Blut an den Hän­den“ge­habt ha­be.

Ei­ni­ge sa­hen ei­ne Es­ka­la­ti­ons­stu­fe für ei­nen Krieg er­reicht. Trump ha­be „ei­ne Stan­ge Dy­na­mit in ein Pul­ver­fass“ge­wor­fen, sag­te Ex-Vi­ze­prä­si­dent Joe Bi­den. Aus ira­ni­scher Sicht kom­me der Mi­li­tär­schlag ei­ner Kriegs­er­klä­rung gleich, kom­men­tier­te Nah­ost-Ex­per­te Ro­bert Mal­ley. Ge­or­ge W. Bush und Ba­rack Oba­ma wa­ren vor ei­ner Ver­gel­tungs­ak­ti­on ge­gen So­lei­ma­ni noch zu­rück­ge­schreckt. Auf Twit­ter hat­te Trump das vor­erst letz­te Wort: „Er hät­te vor Jah­ren ge­tö­tet wer­den sol­len.“

Schon am Sil­ves­ter­abend rich­te­te Do­nald Trump ei­ne düs­te­re Dro­hung an Te­he­ran: „Ihr wer­det ei­nen sehr ho­hen Preis zah­len. Hap­py New Ye­ar!“

[ And­rew Harnik/pic­tu­re­desk.com]

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