Kommentar: Die Grü­nen wer­den er­wach­sen

Es ist ein klei­ner Schritt für die Re­pu­blik. Und ein gro­ßer für die Grü­nen. Um aus der Ei­n­en­gung her­aus­zu­fin­den.

Die Presse - - VORDERSEIT­E - VON OLI­VER PINK E-Mails an: oli­[email protected]­pres­se.com

Ein „Wan­ted“-Pla­kat, mit dem nach dem ideo­lo­gisch ab­trün­ni­gen Par­tei­vor­sit­zen­den ge­sucht wur­de, gab es dies­mal nicht. Der lin­ke Flü­gel der Par­tei, ins­be­son­de­re der Wie­ner Par­tei, hat­te wäh­rend der schwarz-grü­nen Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen 2002/2003 sol­cher­art ge­gen Alex­an­der Van der Bel­len Stim­mung ge­macht. Heu­te saß die Wie­ner Grü­nen-Che­fin mit am Ver­hand­lungs­tisch. Und die­se ka­men auch re­la­tiv pro­blem­los zu ei­nem Ab­schluss. Da­mals wur­den sie ab­ge­bro­chen. No­to­ri­sche Nörg­ler hiel­ten sich in der Öf­fent­lich­keit nun weit­ge­hend zu­rück. Auch sonst war al­les sehr pro­fes­sio­nell, was da auf grü­ner Sei­te ab­lief. Und die Kri­tik, die es nach Prä­sen­ta­ti­on des tür­kis-grü­nen Pak­tes gab, steck­te die Grü­nen-Füh­rung staats­tra­gend weg. Wer­ner Kog­ler hob den Wert des Kom­pro­mis­ses her­vor. Und es wi­der­spra­chen nur we­ni­ge.

Die Grü­nen sind – nicht zu­letzt durch die Re­gie­rungs­ver­hand­lun­gen – er­wach­se­ner ge­wor­den. Rea­lis­ti­scher und ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ter. Und sie schei­nen es auch aus­zu­hal­ten, von SPÖ und Ne­os nun des Ver­rats an ih­ren Wer­ten be­zich­tigt zu wer­den.

Ei­nes macht den Grü­nen aber nach wie vor das Le­ben schwer: die selbst ge­wähl­te Ei­n­en­gung. Die ÖVP hat im de­mo­kra­ti­schen Pro­zess den größ­ten Spiel­raum: Sie kann mit al­len, mit der FPÖ, mit der SPÖ, mit den Grü­nen. Das eng­te dann wie­der­um den Spiel­raum der Grü­nen bei den Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen ein. Die ÖVP hat Al­ter­na­ti­ven. Die Grü­nen ha­ben nur die ÖVP, wenn sie re­gie­ren und ihr Pro­gramm um­set­zen wol­len.

Die Selbst­fes­se­lung mach­te den Grü­nen auch bei der Be­set­zung der Re­gie­rungs­pos­ten zu schaf­fen. Ih­ren Fi­nanz­ex­per­ten Jo­sef Mei­che­ni­tsch konn­ten sie nicht als Staats­se­kre­tär ins Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um set­zen, weil er kei­ne Frau ist. Auf Mi­nis­ter­ebe­ne herrsch­te zwar die in­tern vor­ge­schrie­be­ne Ge­schlech­ter­pa­ri­tät – 2:2 –, aber ein Mann als Staats­se­kre­tär hät­te die­se ge­mäß grü­ner Lo­gik dann wie­der ge­kippt.

Heu­te steht dann die grü­ne Ba­sis­de­mo­kra­tie auf dem Prüf­stand. Die­se hat schon et­li­che (grü­ne) Op­fer ge­for­dert. Es ist zu hof­fen, dass nun nicht auch ei­ne Bun­des­re­gie­rung dar­un­ter ist. Aber ge­hen wir ein­mal vom „best ca­se“aus: Dass die Grü­nen reif ge­nug sind, Ver­ant­wor­tung für die­sen Staat zu über­neh­men.

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