Vor­rang für Volks­kun­de­mu­se­um

Volks­kun­de­mu­se­um. Tür­kis-Grün nimmt sich des Hau­ses an, nennt es auch im Re­gie­rungs­pro­gramm. Das Mu­se­um kämpft seit Jah­ren mit Geld­not. Und der Zeit – denn das Ge­bäu­de ver­fällt.

Die Presse - - VORDERSEIT­E - VON EVA WALISCH

Die Fas­sa­de des Volks­kun­de­mu­se­ums war wohl ein­mal im­po­sant. Mitt­ler­wei­le ist sie vor al­lem ei­nes: schmut­zig. „Das Ge­bäu­de wird im­mer ka­put­ter“, sagt Mu­se­ums­di­rek­tor Mat­thi­as Beitl. „Und das Bud­get im­mer en­ger.“

Im Haus in der Laudon­gas­se 15–19 wer­den vor al­lem All­tags­ob­jek­te aus­ge­stellt. Aus his­to­ri­schen Zei­ten, aber auch aus ge­gen­wär­ti­gen Kul­tu­ren in Eu­ro­pa. In den klei­nen Räu­men ste­hen ver­zier­te Bau­ern­schrän­ke ne­ben Vi­tri­nen mit ge­schnitz­ten Fi­gu­ren ei­nes Schach­spiels des 19. Jahr­hun­derts und Flip-Flops, die an den Küs­ten Eu­ro­pas ge­sam­melt wur­den.

„In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ha­ben wir uns stark mit der Mi­gra­ti­ons­the­ma­tik be­schäf­tigt“, er­zählt Beitl. Im ers­ten Stock kann man sich et­wa auch ei­ne Vi­deo­in­stal­la­ti­on an­se­hen, für die jun­ge Mus­li­me in Ös­ter­reich in­ter­viewt wur­den. „Wir ha­ben uns im­mer stark mit ak­tu­el­len ge­sell­schaft­li­chen The­men aus­ein­an­der­ge­setzt. Und wir sind sehr di­vers und ma­chen vie­le ku­ra­to­ri­sche Ex­pe­ri­men­te.“

In sei­ner Blü­te­zeit hat­te das Mu­se­um vier Au­ßen­stel­len in Bur­gen­land und Nie­der­ös­ter­reich. Die letz­te da­von muss­te man 2007 aus Kos­ten­grün­den ver­las­sen. Zu we­ni­ge fi­nan­zi­el­le Mit­tel er­schwe­ren nun auch zu­neh­mend den Be­trieb in Wien. Zwi­schen 1987 und 1994 wur­de das Haus zu­letzt re­no­viert, mit Mit­teln von Bund, Stadt und Ei­gen­ka­pi­tal. „Jetzt sind aber doch wie­der 25 Jah­re ins Land ge­zo­gen.“Ei­ne Ge­bäu­de­sa­nie­rung und die Neu­struk­tu­rie­rung der Or­ga­ni­sa­ti­ons­form sei­en drin­gend not­wen­dig. Zu­letzt im Sep­tem­ber ap­pel­lier­te das Mu­se­um öf­fent­lich an die kom­men­de Re­gie­rung.

„Kom­pli­zier­te Aus­gangs­la­ge“

Im tür­kis-grü­nen Re­gie­rungs­pro­gramm wird das Volks­kun­de­mu­se­um nun na­ment­lich ge­nannt – an­ders als et­wa das Haus der Ge­schich­te – und hat da­mit ei­ne Art Aus­nah­me­stel­lung. An­ge­strebt wer­de ei­ne „zu­kunfts­wei­sen­de Lö­sung zwi­schen Bund, Stadt Wien und Trä­ger­ver­ein, um die­ses Mu­se­um ab­zu­si­chern und in die Zu­kunft zu füh­ren“, heißt es im Pa­pier der neu­en Bun­des­re­gie­rung.

„Im Som­mer ha­be ich ei­ni­ge Po­li­ti­ker ins Mu­se­um ein­ge­la­den“, er­zählt Beitl. Auch die Grü­ne Eva Blim­lin­ger, die in der neu­en Re­gie­rung Vor­sit­zen­de des Kul­tur­aus­schus­ses wird. „Sie be­ob­ach­tet un­se­re Ar­beit schon über Jah­re.“Blim­lin­ger soll für Tür­kis-Grün die Kunst und Kultur ent­schei­dend mit­ver­han­delt ha­ben. „Dass wir es be­son­ders her­vor­ge­ho­ben ha­ben, liegt an der wirk­lich pre­kä­ren – vor al­lem was das Ge­bäu­de be­trifft – Si­tua­ti­on die­ses für Ös­ter­reich so wich­ti­gen Mu­se­ums“, sagt Blim­lin­ger der „Pres­se“da­zu.

Das Mu­se­um ha­be auch ei­ne „höchst kom­pli­zier­te Aus­gangs­la­ge“. Das Ge­bäu­de steht im Ei­gen­tum der Stadt Wien, ein Groß­teil des Per­so­nals wird vom Bund fi­nan­ziert, und Trä­ger ist der Ver­ein für Volks­kun­de. Ziel sei laut Blim­lin­ger nun, dass es ei­ne Ei­ni­gung zwi­schen den drei Ak­teu­ren ge­be, „wer was in wel­cher Hö­he zahlt und wie die Fi­nan­zie­rung in Zu­kunft ge­si­chert ist“. Im Vor­der­grund ste­he aber die Sa­nie­rung des un­ter Denk­mal­schutz ste­hen­den Gar­ten­pa­lais Schön­born, in dem das Mu­se­um an­ge­sie­delt ist.

Die kom­ple­xe Fi­nan­zie­rung stam­me noch aus der Grün­dungs­zeit nach 1895, er­zählt Beitl. Lang sei man in ei­nem Ver­bund der Bun­des­mu­se­en ge­we­sen, oh­ne of­fi­zi­ell ein sol­ches zu sein. „Dem Volks­kun­de­mu­se­um blieb auch da­nach ei­ne Art Son­der­sta­tus.“Aus in­halt­li­cher Per­spek­ti­ve sieht Beitl die The­ma­tik des Mu­se­ums als kla­re Bun­des­sa­che. Wie man die Fi­nan­zie­rung zu­künf­tig auf­tei­le, sei nun „Ver­hand­lungs­sa­che“.

Ei­ne gro­be Kos­ten­schät­zung nennt Beitl be­reits. Für ei­ne Sa­nie­rung brauch­te man zwi­schen 13 und 16 Mil­lio­nen Eu­ro. Beitl wünscht sich auch ei­ne Er­hö­hung des jähr­li­chen Bud­gets von 1,3 auf 2,3 Mil­lio­nen Eu­ro. „Es muss nicht un­end­li­cher Reich­tum aus­bre­chen. Aber es wä­re schön, wie­der ver­nünf­tig ar­bei­ten zu kön­nen.“

[ Akos´ Burg ]

Zu­letzt wur­de das Mu­se­um in der Jo­sef­stadt vor 25 Jah­ren re­no­viert.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.