Mil­li­ar­den für grü­ne Ener­gie

Kli­ma. Die neue Ko­ali­ti­on sorgt für Eu­pho­rie in der Er­neu­er­ba­ren-Bran­che. Mit ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro pro Jahr wird der Ökostrom­aus­bau for­ciert. Öl- und neue Gas­hei­zun­gen wer­den ver­bo­ten.

Die Presse - - VORDERSEIT­E - VON MAT­THI­AS AU­ER

Was taugt der 326 Sei­ten star­ke Ko­ali­ti­ons­pakt von ÖVP und Grü­nen für den Kampf ge­gen den Kli­ma­wan­del? Gut, Die­sel­tan­ken und Flug­ti­ckets dürf­ten teu­rer wer­den. Ökostrom und Bahn­fah­ren da­für ein we­nig bil­li­ger. Den gro­ßen He­bel, näm­lich ei­nen CO2P­reis für al­le, nutzt die neue Re­gie­rung zu­min­dest vor­erst nicht. Erst 2022 soll ei­ne Task­force fi­nal ge­klärt ha­ben, ob der Ein­satz von fos­si­len Brenn­stof­fen bei Pri­va­ten nun über ei­ne Er­hö­hung be­ste­hen­der Steu­ern oder die Aus­wei­tung des Emis­si­ons­han­dels zu­sätz­lich ver­teu­ert wer­den soll. Statt­des­sen set­zen die bei­den Par­tei­en auf ei­nen Mix aus För­dern und Ver­bie­ten, um Ös­ter­reich bis 2040 kli­ma­neu­tral zu ma­chen.

Op­ti­mis­ti­sche An­nah­men

Am kon­kre­tes­ten wird das Re­gie­rungs­pro­gramm im Ka­pi­tel Ener­gie. Hier ver­spricht die Ko­ali­ti­on den schnellst­mög­li­chen Aus­bau der Er­neu­er­ba­ren, da­mit sich das Land 2030 zu hun­dert Pro­zent (bi­lan­zi­ell) selbst mit Ökostrom ver­sor­gen kann. Erst­mals wird das ge­plan­te Er­neu­er­ba­ren-Aus­bau-Ge­setz mit kon­kre­ten Ziel­grö­ßen ver­se­hen. 27 Te­ra­watt­stun­den (TWh) an Ökostrom müss­ten zu­ge­baut wer­den – das deckt sich mit der Un­ter­kan­te der meis­ten un­ab­hän­gi­gen Schät­zun­gen vor der Wahl. So­lar­an­la­gen sol­len da­von elf TWh lie­fern, Wind­rä­der zehn, Was­ser­kraft fünf und Bio­mas­se ei­ne TWh.

Ein­fach wird das nicht. Al­lein im So­lar­be­reich müss­te der der­zei­ti­ge Be­stand et­wa ver­zehn­facht wer­den, um die Zie­le zu er­rei­chen.

Das kos­tet. Ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro im Jahr ver­an­schla­gen die Par­tei­en als jähr­li­che Ober­gren­ze (ge­rech­net über drei Jah­re) für die Ökostrom­för­de­rung durch die Strom­kun­den. Das ist in ab­so­lu­ten Zah­len gar nicht so viel mehr als bis­her. Zu­letzt sank die Ökostrom­för­de­rung zwar auf 570 Mio. Eu­ro im Jahr, die Sum­me lag aber auch schon über 800 Mio. Eu­ro. Den­noch könn­te die Mil­li­ar­de rei­chen, um das Aus­bau­tem­po wie ge­for­dert zu ver­drei­fa­chen, meint die Bran­che op­ti­mis­tisch. Denn vie­le äl­te­re So­lar- und Wind­kraft­an­la­gen fal­len aus dem al­ten, teu­re­ren För­der­re­gime. So könn­te mit et­was mehr Mit­teln viel mehr be­wegt wer­den.

Ei­ne Mil­li­on So­lar­dä­cher

Zu­dem will der Bund künf­tig zu hun­dert Pro­zent Ökostrom be­zie­hen, und qua­si auf je­des ver­füg­ba­re Dach bei öf­fent­li­chen Ge­bäu­den ei­ne So­lar­an­la­ge stel­len. Vor­ha­ben wie das „1-Mil­li­on-Fo­to­vol­ta­ik-Dä­cher-Pro­gramm“klin­gen gut (Tür­kis-Blau plan­te 100.000 Dä­cher), es ist aber un­klar, ob da­für zu­sätz­li­che Mit­tel flie­ßen sol­len oder nicht.

In die­se Rich­tung hät­te sich das Ökostrom-Ka­pi­tel wohl bei je­der Re­gie­rung be­wegt. Das Tem­po ist viel­leicht hö­her, die Zie­le ver­bind­li­cher, Re­vo­lu­ti­on ist es kei­ne.

Lang­sa­mes Aus für Gas­hei­zung

Dras­ti­scher ist da schon der Ein­schnitt, den Tür­kis-Grün bei der Raum­wär­me pla­nen. Das Aus für Öl- und Koh­le­hei­zun­gen kommt deut­lich schnel­ler und ra­di­ka­ler als bis­her er­war­tet. Und auch neue Gas­hei­zun­gen be­kom­men ein Ablauf­da­tum. So dür­fen ab 2020 kei­ne neu­en Öl- und Koh­le­hei­zun­gen in Neu­bau­ten mehr ein­ge­baut wer­den. Ab 2021 dür­fen auch kei­ne Kes­sel mehr ge­tauscht wer­den. Ab 2025 müs­sen al­le Öl­kes­sel, die äl­ter als 25 Jah­re sind, aus­ge­baut und ein al­ter­na­ti­ves Hei­zungs­sys­tem in­stal­liert wer­den. Mit 2035 müs­sen auch die letz­ten Öl­hei­zun­gen ver­schwin­den. Bis­her hat­te Ös­ter­reich nur das va­ge Ziel, die Zahl der Öl­hei­zun­gen ab 2030 zu hal­bie­ren. Eben­so span­nend ist das The­ma Gas: Hier plant die Re­gie­rung ei­nen so­for­ti­gen Aus­bau­stopp für das Gas­netz. Das ist ge­ra­de in Bun­des­län­dern wie Ti­rol oder Ober­ös­ter­reich re­le­vant, wo der­zeit vie­le neue Gas­lei­tun­gen ver­legt wer­den, um den Um­stieg von Öl auf Gas vor­an­zu­trei­ben. Ab 2025 darf dann auch kein Gas­kes­sel in Neu­bau­ten mehr ein­ge­baut wer­den. Ei­ne zeit­lich ge­staf­fel­te För­de­rung soll hel­fen, den zeit­na­hen Um­stieg auch fi­nan­zi­ell zu stem­men.

Vie­le an­de­re Maß­nah­men, wie et­wa der Ab­bau von För­de­run­gen und Steu­er­be­güns­ti­gun­gen für fos­si­le Ener­gie, wer­den seit Lan­gem von al­len Um­welt­mi­nis­tern ge­for­dert, schei­tern aber an der Un­tä­tig­keit der zu­stän­di­gen Mi­nis­te­ri­en. Da­mit soll künf­tig Schluss sein. Im neu­en Kli­ma­ge­setz sol­len ver­pflich­ten­de Re­duk­ti­ons­zie­le für al­le Res­sorts ent­hal­ten sein, die auch die Ver­ant­wor­tung für die (Nicht-)Er­fül­lung tra­gen müs­sen. Ob das ge­nügt, um die re­gie­rungs­in­ter­ne Blo­cka­de­po­li­tik zu be­en­den, wird sich erst wei­sen.

[ EPA ]

Bis 2030 soll sich die Zahl der So­lar­an­la­gen in Ös­ter­reich ver­zehn­fa­chen.

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