Wei­te­re Si­cher­heits­män­gel bei Bo­eings 737 Max

Flug­zeug­in­dus­trie. Bis­he­ri­ge Un­ter­su­chun­gen der brand­neu­en Un­glücks­ma­schi­nen wie­sen vor al­lem auf Soft­ware­pro­ble­me hin. Doch jetzt wur­den wei­te­re Ris­ken bei der Ver­ka­be­lung ent­deckt.

Die Presse - - ECONOMIST -

Die Ab­stür­ze der 737 Max in In­do­ne­si­en und Äthio­pi­en En­de 2018 und An­fang 2019 ha­ben den Flug­zeug­her­stel­ler Bo­eing in ei­ne tie­fe Kri­se ge­stürzt. Im Lauf der be­hörd­lich ver­ord­ne­ten Un­ter­su­chung hat der Kon­zern im­mer wie­der Feh­ler zu­ge­ge­ben. Der Ver­dacht, dass Bo­eing die Flie­ger aus wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen über­stürzt auf den Markt ge­bracht und Si­cher­heits­as­pek­te ver­nach­läs­sigt ha­be, wur­de frei­lich stets zu­rück­ge­wie­sen.

Der Flug­zeug­typ ist je­den­falls nach wie vor mit Start­ver­bo­ten be­legt – schon seit Mo­na­ten. Und dar­an dürf­te sich auch so rasch nichts än­dern. Denn ei­nem Be­richt der „New York Ti­mes“zu­fol­ge sind bei der um­fas­sen­den Über­prü­fung der Bo­eing 737 Max wei­te­re tech­ni­sche Pro­ble­me fest­ge­stellt wor­den, die bis­her noch nicht be­kannt ge­macht wor­den sind. Es soll, so die Aus­kunft ei­nes Bo­eing-Mit­ar­bei­ters, Pro­ble­me bei der Ver­ka­be­lung ge­ben, mit de­ren Hil­fe das Heck der Flie­ger ge­steu­ert wird.

Kon­kret sol­len zwei zum Heck der 737 Max füh­ren­de Ka­bel­strän­ge zu nah bei­ein­an­der­lie­gen, wo­mit die Ge­fahr ei­nes Kurz­schlus­ses ge­ge­ben ist. Dies könn­te un­ter Um­stän­den zu ei­nem Ab­sturz der Ma­schi­ne füh­ren, so der Bo­eing-Mit­ar­bei­ter. Sei­ne Aus­sa­ge wird von drei wei­te­ren In­for­man­ten ge­stützt.

Im Lauf der Un­ter­su­chun­gen wur­den schon meh­re­re Schwach­stel­len der 737 Max ent­deckt. Als be­son­ders pro­ble­ma­tisch gilt das Flug­steue­rungs­sys­tem, das in Tests auch re­agier­te, wenn es da­zu kei­nen An­lass gab. Ent­deckt wur­de auch ei­ne Fehl­funk­ti­on ei­nes Mi­kro­pro­zes­sors.

Im Fall der eng ne­ben­ein­an­der­lie­gen­den Ka­bel­strän­ge ist aber noch nicht ge­klärt, ob sie im Flug tat­säch­lich Pro­ble­me ver­ur­sa­chen könn­ten be­zie­hungs­wei­se ob sie ge­trennt wer­den müs­sen. Ei­ne Kor­rek­tur sei je­den­falls re­la­tiv ein­fach zu be­werk­stel­li­gen, heißt es. Über­prüft wer­den müs­se al­ler­dings, ob die Kurz­schluss­ge­fahr auch bei der Max-Vor­läu­fe­rin ge­ge­ben ist.

Der­weil er­wägt der an­ge­schla­ge­ne US-Flug­zeug­bau­er ei­ne hö­he­re Ver­schul­dung, um sei­ne Fi­nan­zen nach dem Flug­ver­bot für den Un­glücks­flie­ger 737 Max zu stär­ken. Bo­eing den­ke auch dar­über nach, ei­ni­ge In­ves­ti­tio­nen zu ver­schie­ben, Ak­qui­si­tio­nen ein­zu­frie­ren und die Aus­ga­ben für For­schung und Ent­wick­lung zu kür­zen, be­rich­te­te das „Wall Street Jour­nal“un­ter Be­ru­fung auf Per­so­nen, die mit der Ma­te­rie ver­traut sind.

Bo­eing war zu kei­ner Stel­lung­nah­me be­reit. Die Ak­ti­en des Flug­zeug­her­stel­lers fie­len am Mon­tag im vor­börs­li­chen Han­del um 1,2 Pro­zent. Erst kurz vor Weih­nach­ten muss­te Kon­zern­boss Den­nis Mui­len­burg ge­hen. Der neue Bo­eing-Chef, Da­vid Cal­houn, wird am 13. Jän­ner das Steu­er über­neh­men. (ag/kor.)

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