Kein Putsch in Hüt­tel­dorf

Diet­mar Ho­scher bleibt Vor­stand des SCR-Ku­ra­to­ri­ums. 20 Stim­men für, 18 Stim­men ge­gen Ho­scher – was macht Mar­tin Bruck­ner jetzt?

Die Presse - - SPORT -

An­ge­sag­te Re­vo­lu­tio­nen oder Putsch­ver­su­che fin­den auch im Fuß­ball zu­meist nicht statt. Doch die Art und Wei­se, wie man Ex-Ca­si­no­sMa­na­ger Diet­mar bei Ra­pid, nein: aus dem Klub­ku­ra­to­ri­um be­för­dern woll­te, ver­dient ei­ne nä­he­re Be­trach­tung. Im­mer­hin hat­ten Mar­tin

seit An­fang No­vem­ber neu­er Prä­si­dent des Re­kord­meis­ters, und sein Stell­ver­tre­ter, Ni­ko­laus die Mit­glie­der mit ei­nem Brief so­gar auf Ho­schers Ab­wahl re­gel­recht „ein­ge­stimmt“und ein Lob­lied auf sei­ne lang­jäh­ri­ge Ära an­ge­stimmt: „Nun­mehr scheint aber die Zeit ge­kom­men, zu der ein Wech­sel im Vor­sitz des Ku­ra­to­ri­ums, im Gleich­schritt zum Wech­sel in der Po­si­ti­on des Prä­si­den­ten des SK Ra­pid, sinn­voll er­scheint.“

Vor­weg, zur Er­klä­rung: Das Ku­ra­to­ri­um dient als Bei­rat des Ver­eins und zählt 60 Per­so­nen, die durch­wegs aus der Wie­ner Po­li­tik (SPÖ) und Wirt­schaft kom­men. Ho­scher ist de­ren Vor­stand und soll­te, auf Bruck­ners Wunsch, durch (den neu­tra­len) Wer­be­fach­mann Max er­setzt wer­den.

War­um woll­te er ei­nen um Ra­pid lang­jäh­rig ver­dien­ten, man­chem aber un­an­ge­nehm wir­ken­den Weg­be­glei­ter am Don­ners­tag los­wer­den? Hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand sind zwei Ant­wor­ten zu hö­ren. Ho­scher zog sich den Zorn vie­ler zu, weil er im Prä­si­dent­schafts­wahl­kampf da­für sorg­te, dass Wer­ner und Su­san­ne (Brand­steidl) ins Wahl­ko­mi­tee be­ru­fen wur­den. Sie wa­ren maß­geb­lich da­ran be­tei­ligt, dass sich Bruck­ners Wahl­kampf ge­gen den Im­mo­bi­li­en­ex­per­ten Ro­land zu ei­nem „Du­ell um Hüt­tel­dorf“aus­wuchs an­statt zu ei­ner Ver­schmel­zung der Ide­en bei­der La­ger zu füh­ren. Es ist al­so ein Po­li­ti­kum in ei­nem Fuß­ball­klub – gar­niert mit der Op­ti­on, dass ihn sei­ne Geg­ner am liebs­ten so­fort los wä­ren, noch ehe der U-Aus­schuss zu den Ca­si­nos star­tet, da­mit Grün-Weiß da­mit tun­lichst nicht in Be­rüh­rung kom­men kann.

Ho­scher er­hielt 20 Stim­men, 18 wa­ren ge­gen ihn, die Wahl lief ge­heim ab und da­mit bleibt un­klar, wer ge­gen, wer für ihn ist. Da­mit bleibt er, so er denn will, drei wei­te­re Jah­re Vor­stand des Ku­ra­to­ri­ums. Wis­send, wo­her das Be­gehr nach sei­ner Ab­wahl rührt, sind im wei­te­ren Sai­son­ver­lauf (Auf­takt der Rück­run­de am 16. Fe­bru­ar ge­gen WSG Ti­rol) wei­te­re Un­ru­hen in Hüt­tel­dorf ge­wiss. Au­ßer, es fin­det sich ei­ner, der zwi­schen ihm und Bruck­ner ver­mit­telt. Na­he­lie­gend wä­re Phi­lip der Ho­scher in der Ar­beits­welt (Tipp3) viel zu ver­dan­ken hat und auch in Bruck­ners Prä­si­di­um sitzt – er war je­doch am Frei­tag für die „Pres­se“nicht er­reich­bar.

Ob die­ser „Putsch­ver­such“sinn­voll war, bleibt ab­zu­war­ten. Von Ru­he ist in Hüt­tel­dorf auch in der Win­ter­pau­se kei­ne Spur.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.