Ös­ter­reich soll „Brü­cken­bau­er“sein

EU. Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin Ur­su­la von der Ley­en emp­fing Kanz­ler Se­bas­ti­an Kurz und wünsch­te sich, dass Ös­ter­reich bei Kli­ma­schutz und Mi­gra­ti­on ei­ne Ver­mitt­ler­rol­le zum Os­ten ein­neh­me.

Die Presse - - AUSLAND -

Be­son­ders ge­nau schien man hier, in Brüs­sel, auf die Kli­ma­schutz­plä­ne von Tür­kis-Grün zu bli­cken. Im­mer­hin hat von der Ley­en ih­ren „Gre­en De­al für Eu­ro­pa“selbst erst Mit­te De­zem­ber prä­sen­tiert. Bis 2050 will die Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin Eu­ro­pa zum ers­ten kli­ma­neu­tra­len Kon­ti­nent ma­chen. Es sei, sag­te sie da­mals, so et­was wie „Eu­ro­pas ,Mann-auf-dem-Mon­dPro­jekt’“. Ös­ter­reichs ers­te tür­kis­grü­ne Re­gie­rung will da­bei ei­ner der ent­schei­den­den Kon­struk­teu­re sein. Kli­ma­neu­tra­li­tät soll hier­zu­lan­de schon 2040 er­reicht wer­den.

Da­für gab es von der Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin Vor­schuss­lor­bee­ren. Das Vor­ha­ben sei „be­ein­dru­ckend“. Sie hof­fe, „dass das ös­ter­rei­chi­sche Mo­dell mit die­sen am­bi­tio­nier­ten Zie­len Schu­le macht bei uns“, sag­te von der Ley­en.

Ne­ben dem Kli­ma­schutz at­tes­tier­te die eins­ti­ge Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ös­ter­reich aber auch beim The­ma Mi­gra­ti­on „ei­ne gro­ße

Glaub­wür­dig­keit“. Wor­te, die bei Ex-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­anClau­de Juncker wohl nicht ganz so wohl­wol­lend aus­ge­fal­len wä­ren. Die Kom­mis­si­on wird bis En­de des ers­ten Quar­tals ein nach­hal­ti­ges Kon­zept für Mi­gra­ti­on vor­le­gen. Es ge­he um die Ent­wick­lung der Her­kunfts­län­der, um den Kampf ge­gen den „men­schen­ver­ach­ten­den Men­schen­schmug­gel“, um Schutz der Au­ßen­gren­zen, um ei­ne Re­form des Dublin-Sys­tems und um die Fra­ge, wie man ge­mein­sa­me Asyl­ver­fah­ren auf den Weg brin­gen kön­ne. „Da wer­den wir eu­re Un­ter­stüt­zung brau­chen“, sag­te von der Ley­en zu Kurz.

Das ist nicht nur schmei­chel­haf­tes Ge­re­de. Son­dern hat auch ei­nen po­li­ti­schen Hin­ter­grund. Denn Ös­ter­reich ist, wie auch Kurz bei dem ge­mein­sa­men Auf­tritt vor der Pres­se in Brüs­sel sag­te, zwar „fest ver­an­kert in We­st­eu­ro­pa“, man ha­be aber „gu­te Kon­tak­te nach Ost­eu­ro­pa“. Und ge­nau von die­sen wür­de die Kom­mis­si­on ger­ne pro­fi­tie­ren. „Ich hof­fe, dass Ös­ter­reich dort (im Kli­ma­schutz und in der Mi­gra­ti­on, Anm.) auch Brü­cken­bau­er zu den öst­li­chen Mit­glieds­staa­ten sein wird“, sag­te von der Ley­en.

Die­se Rol­le wird Kurz si­cher­lich ger­ne ein­neh­men. In Ab­stim­mung mit von der Ley­en wird er be­reits am kom­men­den Don­ners­tag nach Prag rei­sen. Die Vi­se­gra­dStaa­ten – Po­len, Tsche­chi­en, Slo­wa­kei und Un­garn – ha­ben Kurz als Gast ge­la­den. Man lob­prei­se an Fei­er­ta­gen, sag­te Kurz ge­gen­über Jour­na­lis­ten, zwar im­mer wie­der das En­de der Tei­lung Eu­ro­pas und be­schwö­re die Ei­nig­keit. In der Ta­ges­po­li­tik wür­den die Grä­ben in Eu­ro­pa zwi­schen Ost und West aber „tie­fer und tie­fer“. Ös­ter­reich wol­le sei­nen Bei­trag leis­ten, um die­se „zu­zu­schüt­ten“.

Kurz, der nach dem Vier­au­gen­ge­spräch mit von der Ley­en auch noch den Br­ex­it-Chef­ver­hand­ler

Mi­chel Bar­nier traf, dank­te „der Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin“und „lie­ben Ur­su­la“. An­ders als so manch Vor­gän­ger kämp­fe sie pro­ak­tiv ge­gen das ver­gif­te­te Kli­ma zwi­schen Ost und West.

Bei all der dar­ge­bo­te­nen Har­mo­nie bleibt ei­ne Dif­fe­renz zwi­schen Kurz und von der Ley­en – ei­ne fi­nan­zi­el­le. Der­zeit lau­fen die Ver­hand­lun­gen über den Bud­get­rah­men von 2021 bis 2027. Ein­fach ge­stal­ten sich die­se nicht. Ös­ter­reich lehnt hö­he­re Bei­trä­ge nach dem Br­ex­it ab. Ge­nau­so wie Deutsch­land, die Nie­der­lan­de, Dä­ne­mark und Schwe­den wol­le man als Net­to­zah­ler nicht mehr Geld lo­cker ma­chen. Doch ge­nau das hät­te die Kom­mis­si­on ger­ne.

Zu­min­dest beim of­fi­zi­el­len Auf­tritt vor den Me­di­en, den Kurz und von der Ley­en ab­sol­vier­ten, war das kein The­ma. Ös­ter­reichs Kanz­ler hat­te al­ler­dings schon beim Hin­flug nach Brüs­sel am Sonn­tag­mor­gen Ge­le­gen­heit für Bud­get­dis­kus­sio­nen. Denn in der ers­ten Rei­he des Flie­gers hat­te zu­fäl­li­ger­wei­se Jo­han­nes Hahn (ÖVP) Platz ge­nom­men. Der ös­ter­rei­chi­sche Bud­get­kom­mis­sar hat erst am Tag da­vor ei­nen un­miss­ver­ständ­li­chen Ap­pell an die hei­mi­sche Re­gie­rung ge­rich­tet. Es brau­che hö­he­re Bud­get­bei­trä­ge aus Ös­ter­reich, hat­te Hahn ge­meint.

Und wenn Ös­ter­reich ei­nen wirk­sa­men Au­ßen­grenz­schutz wol­le und im Agrar­be­reich kei­ne Kür­zun­gen der För­der­mit­tel ak­zep­tie­re, „dann muss man nicht in Ma­the­ma­tik ma­tu­riert ha­ben, um zu se­hen, dass sich das (mit den der­zei­ti­gen Mit­teln, Anm.) nicht aus­geht“. Es brau­che mehr Geld aus den Mit­glieds­staa­ten. Die­se Dis­kus­si­on dürf­te nach dem ein­ein­halb stün­di­gen Flug nach Brüs­sel wohl noch nicht be­en­det sein.

[ Reu­ters ]

Gra­tu­la­ti­on zur Re­gie­rung: Kurz und Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin von der Ley­en.

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