War­um App­le und Tes­la nicht auf­hö­ren zu stei­gen

Die Er­leich­te­rung über aus­ge­blie­be­ne Ka­ta­stro­phen ist über­bor­den­dem Op­ti­mis­mus ge­wi­chen. Das wird nicht ewig so wei­ter­ge­hen. Ha­ben die An­le­ger En­de 2018 mit dem Ärgs­ten ge­rech­net, so set­zen sie jetzt dar­auf, dass al­les wie ge­wünscht aus­geht oder bes­ser.

Die Presse - - MEIN GELD -

Die ers­te Re­ak­ti­on der Bör­sen auf die dro­hen­de Es­ka­la­ti­on zwi­schen den USA und dem Iran wirk­te noch sehr ver­nünf­tig: Die Ak­ti­en­märk­te ga­ben nach, aber nicht all­zu hef­tig. Denn po­li­ti­sche Bör­sen ha­ben meist kur­ze Bei­ne, und bei USPrä­si­dent Do­nald Trump wird sel­ten so heiß ge­ges­sen wie ge­kocht. Kurz dar­auf stell­te sich her­aus, dass die­se Ein­schät­zung rich­tig war. Die Es­ka­la­ti­on scheint vor­erst aus­zu­blei­ben. Doch war­um re­agie­ren die Bör­sen auf die­se Doch-nicht-Es­ka­la­ti­on gleich mit neu­en Re­kord­stän­den (USA) oder Fast-Re­kord­stän­den (Deutsch­land)?

Seit über ei­nem Jahr sind die Bör­sen so er­leich­tert über nicht ein­ge­tre­te­ne Ka­ta­stro­phen, dass sie nicht mehr auf­hö­ren zu stei­gen. Die USNo­ten­bank Fed hat die Zin­sen doch nicht er­höht, son­dern ge­senkt. Die von vie­len ge­fürch­te­te Re­zes­si­on dürf­te aus­blei­ben. Im Han­dels­krieg zeich­net sich ei­ne Ent­span­nung ab. All das er­klärt zwar, war­um sich die Bör­sen von dem star­ken Ein­bruch im Schluss­quar­tal 2018 er­holt ha­ben. Doch in­zwi­schen ha­ben sie die da­ma­li­gen Ver­lus­te längst auf­ge­holt und stei­gen den­noch mun­ter wei­ter.

Die US-In­di­zes wer­den nicht zu­letzt von Tech­no­lo­gie­wer­ten in die Hö­he ge­zo­gen. Da wä­re ein­mal App­le, das sich seit dem Tief im De­zem­ber 2018 mehr als ver­dop­pelt hat und heu­er mit ei­nem Plus von bis da­to mehr als fünf Pro­zent schon wie­der der zweit­bes­te Dow-Jo­nes-Wert (nach Gold­man Sachs) ist. Der jüngs­te Schub er­folg­te we­gen un­er­war­tet star­ker iPho­ne-Ab­sät­ze in Chi­na. In den Mo­na­ten da­vor hat­ten sich die An­le­ger er­leich­tert ge­zeigt, dass App­le neue Ge­schäfts­fel­der er­schließt und zu­neh­mend un­ab­hän­gi­ger vom iPho­ne wird. Auch der be­vor­ste­hen­de Um­stieg auf 5G-Smart­pho­nes dürf­te App­le nut­zen. Al­les in al­lem hat sich die En­de 2018 vor­herr­schen­de Sor­ge, dem Un­ter­neh­men könn­te sein Ge­schäft weg­bre­chen, nicht be­wahr­hei­tet. Doch sind die Kur­se den Ge­win­nen in­zwi­schen da­von­ge­lau­fen.

Tech-In­ves­tor Paul Meeks warn­te kürz­lich in ei­nem CNBC-In­ter­view, dass App­le „min­des­tens“um 100 Dol­lar pro Ak­tie über­be­wer­tet sei. (Zu­letzt wur­de das Pa­pier um 310 Dol­lar ge­han­delt.) Der Smart­pho­ne-Markt sei ge­sät­tigt, und die Be­geis­te­rung der An­le­ger dar­über, dass App­le sich schritt­wei­se von ei­nem Hard­wareHer­stel­ler zu ei­nem Soft­ware- und Di­enst­leis­tungs­un­ter­neh­men wand­le, zu hoch. Doch hat Meeks App­le schon im April des Vor­jahrs für zu teu­er ge­hal­ten, und seit da­mals ist das Pa­pier um fast 50 Pro­zent ge­stie­gen.

Noch ex­tre­mer war der An­stieg beim Elek­tro­au­to­bau­er Tes­la, des­sen Ak­tie seit Ju­ni des Vor­jahrs um 170 Pro­zent ge­stie­gen ist. Hält der seit sie­ben Mo­na­ten be­ste­hen­de Trend ein gan­zes Jahr lang an, ent­sprä­che das ei­ner Ver­fünf­fa­chung. Da­bei hat Tes­la mit ei­ner Jah­res­pro­duk­ti­on von 367.000 Au­tos le­dig­lich sein selbst ge­setz­tes Ziel (360.000–400.000 Fahr­zeu­ge) er­reicht, und das auch nur knapp. Das wür­de die Kurs­er­ho­lung bis No­vem­ber er­klä­ren, dass der Chart in den Wo­chen da­nach fast senk­recht nach oben sprang und ei­nen Re­kord nach dem an­de­ren pur­zeln ließ, lässt je­doch dar­auf schlie­ßen, dass die An­le­ger noch mit vie­len gu­ten Nach­rich­ten rech­nen.

Ha­ben die In­ves­to­ren En­de 2018 mit dem Schlimms­ten ge­rech­net, so set­zen sie jetzt dar­auf, dass al­les wie ge­wünscht aus­geht oder noch bes­ser. Das schreit förm­lich nach ei­ner Kor­rek­tur. Al­les so­fort ver­kau­fen soll­te man des­we­gen aber nicht. Es ist durch­aus denk­bar, dass es mit den Kur­sen noch ei­ne Wei­le steil nach oben geht, be­vor dann ei­ne mög­li­cher­wei­se gar nicht so hef­ti­ge Kor­rek­tur kommt. So­gar App­le-Skep­ti­ker Paul Meeks dürf­te das so se­hen. Er ist noch im­mer in App­le in­ves­tiert. Le­dig­lich zu­kau­fen will er erst wie­der, wenn ei­ne Kor­rek­tur er­folgt ist.

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