Die mil­li­ar­den­schwe­re Schlacht um die Zu­kunft

5G. Für die neue Mo­bil­funk­tech­no­lo­gie müs­sen Kon­zer­ne vor­erst viel Geld in die Hand neh­men, wol­len sie künf­tig in der ver­netz­ten Welt mit­spie­len. An­le­gern bie­ten sich Chan­cen – ein Blick über Ös­ter­reich hin­aus lohnt.

Die Presse - - MEIN GELD -

Ul­tra­schnel­les In­ter­net, Vi­de­os, Fil­me und TV in Echt­zeit, selbst­fah­ren­de Au­tos und Zü­ge, den­ken­de und mit­ein­an­der ver­netz­te Ge­rä­te und Ro­bo­ter (Stich­wort In­ter­net der Din­ge, Smart Ho­me, In­dus­trie 4.0): In Zu­kunft wer­den nicht nur au­to­no­me Fahr­zeu­ge draht­los mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren, son­dern auch All­tags­ge­gen­stän­de wie Kühl­schrän­ke. Von Sen­so­ren und Ro­bo­tern in Fer­ti­gungs­an­la­gen über We­ara­bles bis hin zu Smart Ci­ties – sie al­le brau­chen ein Netz­werk, das rie­si­ge Da­ten­men­gen in Mil­li­se­kun­den ver­ar­bei­ten kann. Der Schlüs­sel da­zu ist 5G. Die neue Han­dy­tech­no­lo­gie er­mög­licht erst­mals je­ne Kon­nek­ti­vi­tät, die not­wen­dig ist, um die Zu­kunft Rea­li­tät wer­den zu las­sen.

Ro­si­ge Zei­ten al­so für IT- und Te­le­kom­kon­zer­ne wie auch Han­dy­pro­du­zen­ten? Ja und nein, lau­tet die Ant­wort der Ex­per­ten. Denn um die fünf­te Mo­bil­funk­ge­ne­ra­ti­on 5G auch tat­säch­lich zum Lau­fen zu brin­gen, be­darf es mil­li­ar­den­schwe­rer In­ves­ti­tio­nen: Glas­fa­ser­net­ze müs­sen ge­baut bzw. er­wei­tert wer­den, Tau­sen­de Funk­zel­len in­stal­liert – und die ent­spre­chen­den Ge­rä­te pro­du­ziert wer­den.

Un­ab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung, um 5G über­haupt zum Lau­fen zu brin­gen, sind je­doch Funk­fre­quen­zen, die Staa­ten welt­weit mehr oder we­ni­ger teu­er ver­stei­gern. In Deutsch­land muss­ten die vier Bie­ter Deut­sche Te­le­kom, Vo­da­fo­ne, Te­le­fo­ni­ca und Dril­lisch 6,6 Mil­li­ar­den Eu­ro auf den Tisch blät­tern. Das ist ei­ne span­nen­de Vor­ga­be für die Auk­ti­on in Ös­ter­reich, die nach Os­tern be­ginnt. Hier­zu­lan­de muss die Deut­sche Te­le­kom er­neut an­tre­ten, und zwar über ih­re Toch­ter Ma­gen­ta. Sie matcht sich mit A1 Te­le­kom Aus­tria und Hut­chi­son.

Fak­tum ist: An 5G führt kein Weg vor­bei. Bis zum Jahr 2025 wer­den 65 Pro­zent der Welt­be­völ­ke­rung 5G-Netz­wer­ke ver­wen­den, pro­gnos­ti­ziert der Netz­werk­aus­rüs­ter Erics­son. Aber auch schon jetzt ist 5G kei­ne Uto­pie mehr: En­de 2019 wa­ren laut Erics­son schon 13 Mil­lio­nen Men­schen in 5G-Netz­wer­ken an­ge­mel­det. Die meis­ten üb­ri­gens wo? In Chi­na na­tür­lich. Denn Asi­en hat bei die­ser Tech­no­lo­gie die Na­se vorn und Eu­ro­pa, wo einst der 5G-Vor­vor­gän­ger GSM und UMTS er­fun­den wor­den sind, den Rang ab­ge­lau­fen. Als welt­weit ers­tes Land nahm Süd­ko­rea am 3. April 2019 ein flä­chen­de­cken­des 5G-Netz in Be­trieb und über­hol­te den US-An­bie­ter Ve­ri­zon ganz knapp, der in Chi­ca­go und Min­nea­po­lis star­te­te.

Zu den Ge­win­nern wer­den da­her je­ne Spie­ler – auch auf dem Bör­sen­par­kett – zäh­len, die ge­nü­gend fi­nanz­stark sind, um die not­wen­di­gen In­ves­ti­tio­nen tä­ti­gen zu kön­nen – und dies auch wirk­lich tun. Für An­le­ger könn­ten sich da­durch Chan­cen er­ge­ben. Wo­bei der Blick ins Aus­land lohnt, eben­so auf Un­ter­neh­men ab­seits der Bran­chen­rie­sen App­le und Samsung.

Ex­per­ten sind ge­teil­ter Mei­nung: Die teu­ren Fre­quen­zen und ho­he Schul­den wür­den die Er­trä­ge eu­ro­päi­scher Te­le­kom­kon­zer­ne auch heu­er drü­cken, mei­nen JPMor­gan-Ana­lys­ten. An sich sei­en die Ak­ti­en un­ter­be­wer­tet, heißt es bei Be­ren­berg. An­ders sieht das die Bank of Ame­ri­ca, die den Sek­tor von un­ter- auf markt­ge­wich­ten hoch­ge­stuft hat. Dar­auf zog der Sto­xx-Tele­com-In­dex gleich um 1,5 Pro­zent an.

Nach der al­ten Bör­sen­re­gel, dass Klein­an­le­ger bei Ein­zel­wer­ten vor­sich­tig sein soll­ten, bie­tet ein Zer­ti­fi­kat von Von­to­bel ei­ne Al­ter­na­ti­ve: Das Open-End-Par­ti­zi­pa­ti­ons­zer­ti­fi­kat auf den So­lac­tive-5G-Tech­no­lo­gy-Per­for­man­ceIn­dex setzt auf füh­ren­de Fir­men aus die­sem Be­reich. Die Wer­te – un­ter an­de­rem Samsung, Hit­a­chi, App­le, AT&T, Xiao­mi, Qual­comm und Cis­co – re­prä­sen­tie­ren die Band­brei­te von Han­dy­pro­du­zen­ten über Netz­werk­aus­rüs­ter bis zu Halb­lei­ter­her­stel­lern. Der In­dex hat in ei­nem Jahr gut ein Vier­tel an Wert ge­won­nen.

Ei­ne an­de­re Mög­lich­keit bie­ten Zer­ti­fi­ka­te oder ETFs auf den TecDAX. Der In­dex ent­hält die

Wer­te der 30 größ­ten deut­schen Tech-Kon­zer­ne, dar­un­ter auch je­ne, die im 5G-Ge­schäft in­vol­viert sind: Deut­sche Te­le­kom, Te­le­fo­ni­ca Deutsch­land und den Neu­ling un­ter den Mo­bil­fun­kern, 1&1 Dril­lisch. Da­zu In­fi­ne­on, den Pro­du­zen­ten von Chips für 5G-Smart­pho­nes. Die Kurs­ent­wick­lung des TecDAX spricht für sich: Er hat seit Ein­füh­rung 800 Pro­zent zu­ge­legt.

Bör­sen­ge­han­del­te In­dex­fonds (ETFs) gibt es auch auf eu­ro­päi­sche und US-Tech-Ak­ti­en. Die bie­ten den Vor­teil, dass auch Netz­werk­aus­rüs­ter wie No­kia und Erics­son, die vom 5G-Trend pro­fi­tie­ren, ent­hal­ten sind. No­kia hat in Aus­tra­li­en den Zu­schlag be­kom­men: Das Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men von Vo­da­fo­ne und Hut­chi­son Tele­com­mu­ni­ca­ti­ons baut dort das 5G-Netz­werk mit Aus­rüs­tung der Fin­nen. Zu die­sen In­di­zes zäh­len der Sto­xx Eu­ro­pe 600 Tech­no­lo­gy, der MSCI Eu­ro­pe In­for­ma­ti­on Tech­no­lo­gy oder der Nas­daq Fi­nan­ci­al Tech­no­lo­gy NNR 70.

Nicht au­ßer Acht las­sen soll­te man, dass die bei­den chi­ne­si­schen

Kon­kur­ren­ten, die nicht ge­lis­te­te Hua­wei und die in Shang­hai no­tier­te ZTE, durch die Äch­tung der USA we­gen Spio­na­ge­ver­dachts in der Kri­tik ste­hen. Bei­de Kon­zer­ne sind im Heim­markt groß: Die ZTEAk­tie hat in ei­nem Jahr rund 70 Pro­zent ge­won­nen.

Zu den asia­ti­schen Aus­rüs­tern, die vom 5G-Trend pro­fi­tie­ren, zählt üb­ri­gens auch der ja­pa­ni­sche IT-Kon­zern Fu­jit­su. Die Ak­ti­en klet­ter­ten dank flo­rie­ren­der 5G-Ge­schäf­te erst vor we­ni­gen Ta­gen auf den höchs­ten Wert seit 2006. Im Jah­res­ab­stand hat die Fu­jit­su-Ak­tie 57 Pro­zent zu­ge­legt.

Bei Ein­zel­wer­ten ist für Bloom­berg die hier­zu­lan­de eher un­be­kann­te In­see­go oh­ne­dies der Top Pick im 5G-Sek­tor: Die US-Tech­no­lo­gie­fir­ma ist Vor­rei­ter bei 5G und bie­tet Lö­sun­gen zur Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Ge­rä­ten (In­ter­net der Din­ge) an. In­see­go hat Kun­den auf der gan­zen Welt und un­ter­hält vie­le Part­ner­schaf­ten, un­ter an­de­rem mit Ve­ri­zon, Qual­comm und Erics­son. Fünf von sechs Ana­lys­ten emp­feh­len die Ak­tie zum „Kauf“.

Wo­mit wir doch ei­nen Blick auf App­le wer­fen soll­ten. Zu teu­er? Jein. Im Vor­jahr ist der Kurs der Smart­pho­ne-Iko­ne mit ei­nem Rück­set­zer An­fang Ju­ni steil nach oben ge­klet­tert und hat 101 Pro­zent ge­won­nen. Laut Wed­bush Se­cu­ri­ties wer­den mehr als ein Drit­tel der 900 Mil­lio­nen iPho­nes, die auf dem Markt sind, von 5G-Ge­rä­ten er­setzt wer­den. 200 Mil­lio­nen die­ser Up­grades wür­den heu­er statt­fin­den, wenn die 5G-iPho­nes auf den Markt kom­men. Das be­deu­tet laut Wed­bush ein zwei­stel­li­ges Wachs­tum der iPho­ne-Ab­sät­ze. App­le hat 2019 rund 185 Mil­lio­nen Ge­rä­te aus­ge­lie­fert und dürf­te, so die An­nah­me von Wed­bush, im Be­reich 5G füh­rend wer­den. Das iPho­ne wer­de auch 2020 Num­mer eins bei Smart­pho­nes sein. Denn die Kun­den dürf­ten für die neue Tech­no­lo­gie tief ins Geld­bör­sel grei­fen.

Das soll­te man auch bei der Ak­tie über­le­gen: 26 der 47 Ana­lys­ten, die App­le be­ob­ach­ten, emp­feh­len ei­nen Kauf. 14 ra­ten zum Hal­ten und sie­ben zum Ver­kauf.

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Die neue di­gi­ta­le Welt kos­tet viel Geld – in ers­ter Li­nie die Kon­zer­ne, die mit­spie­len wol­len, aber auch die Kon­su­men­ten.

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