Ver­brau­cher ge­gen VW: Stei­gen die Er­folgs­aus­sich­ten?

Die­selskan­dal. In Deutsch­land wie auch in Ös­ter­reich kam zu­letzt et­was Be­we­gung in die ver­här­te­ten Fron­ten.

Die Presse - - MEIN GELD -

Vom Die­selskan­dal be­trof­fe­ne VW-Be­sit­zer in Eu­ro­pa, die von dem Au­to­bau­er ei­ne Ent­schä­di­gung wol­len, ha­ben gu­ten Grund, neid­voll in die USA zu bli­cken. „Dort hat VW über 25 Mil­li­ar­den Eu­ro an Scha­den­er­satz und Straf­scha­den­er­satz be­zahlt. In Eu­ro­pa be­haup­tet VW bis heu­te vor Ge­richt, dass den Kun­den kein Scha­den ent­stan­den sei“, sagt Ver­brau­cher­schüt­zer Pe­ter Kol­ba zur „Pres­se“.

Der un­ter­schied­li­che Zu­gang hängt wohl auch mit dem Druck zu­sam­men, der in den USA durch Sam­mel­kla­gen auf­ge­baut wur­de. Die Re­ge­lun­gen da­für sind in Eu­ro­pa we­ni­ger ver­brau­cher­freund­lich. Trotz­dem scheint sich auch hier das Blatt zu wen­den: Ers­te Mus­ter­pro­zes­se von in Deutsch­land lau­fen­den Sam­mel­kla­gen schaff­ten es in­zwi­schen vor den deut­schen Bun­des­ge­richts­hof (BGH), wo sie ab Mai ver­han­delt wer­den sol­len. Und mit dem deut­schen Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len (vz­bv), der ei­ne Mus­ter­fest­stel­lungs­kla­ge auf den Weg ge­bracht hat, stieg VW in­zwi­schen in Ver­gleichs­ge­sprä­che ein.

Aber auch in Ös­ter­reich kam Be­we­gung in die ver­här­te­ten Fron­ten. Ein Ver­gleich des Au­to­bau­ers mit der Re­pu­blik – hin­sicht­lich der von VW ge­lie­fer­ten Po­li­zei­au­tos – er­reg­te kürz­lich Auf­se­hen, al­ler­dings auch hef­ti­ge Kri­tik. Vor al­lem, weil der Ver­gleich tat­säch­lich nur den Staat be­trifft und Ver­brau­cher nichts da­von ha­ben, denn die Ei­ni­gung er­folg­te aus­drück­lich „un­prä­ju­di­zi­ell und oh­ne jeg­li­ches An­er­kennt­nis“. Das Un­ter­neh­men sei noch da­zu bil­lig weg­ge­kom­men, sagt Kol­ba. Er schätzt den Be­trag pro be­trof­fe­nem Fahr­zeug auf rund 1000 Eu­ro.

Den­noch könn­te das ein Zei­chen da­für sein, dass auch hier­zu­lan­de die Ge­sprächs­be­reit­schaft des Au­to­bau­ers steigt. Wo­bei der Ver­gleich mit der Re­pu­blik be­stimmt nicht der ers­te ist, der in Ös­ter­reich er­zielt wur­de. Viel­mehr ist da­von aus­zu­ge­hen, dass VW sich auch im­mer wie­der mit Ein­zel­klä­gern un­ter dem Sie­gel der Ver­schwie­gen­heit auf Aus­gleichs­zah­lun­gen ge­ei­nigt und Streit­fäl­le auf die­se Wei­se oh­ne rechts­kräf­ti­ges Ge­richts­ur­teil bei­ge­legt hat.

An­hän­gi­ge Sam­mel­kla­gen gibt es zu­dem auch hier­zu­lan­de. Un­ter an­de­rem hat der VKI für rund 10.000 Per­so­nen Kla­gen bei 16 Lan­des­ge­rich­ten ein­ge­bracht. Die­se Ver­fah­ren lie­gen al­ler­dings der­zeit auf Eis: VW be­strei­tet die Zu­läs­sig­keit der Pro­zess­füh­rung in Ös­ter­reich. Die Ent­schei­dung dar­über liegt nun beim Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof (EuGH).

Auch ei­ne an­de­re Streit­fra­ge wird der­zeit vom EuGH ge­prüft: Ob ein Fahr­zeug die Grenz­wer­te nur am Prüf­stand strikt ein­hal­ten muss oder auch in der all­täg­li­chen Fahr­pra­xis. Die­se Fra­ge wur­de aus Deutsch­land an die Lu­xem­bur­ger Rich­ter her­an­ge­tra­gen, die Stel­lung­nah­me der Ge­ne­ral­an­wäl­tin wird für den 23. Jän­ner er­war­tet. Kol­ba hofft, dass das „et­was ab­sur­de Ar­gu­ment von VW, dass rei­ne Luft nur in den Prüf­la­bors ge­schaf­fen wer­den soll­te“, dann vom Tisch sein wird.

Stich­wort Deutsch­land: Hei­mi­sche Ver­brau­cher kön­nen auch im Nach­bar­land An­sprü­che gel­tend ma­chen, und sie tun das zum Teil auch. Die Ver­gleichs­ver­hand­lun­gen zwi­schen VW und dem vz­bv be­tref­fen auch rund 1100 ös­ter­rei­chi­sche Kon­su­men­ten. Und so­gar

Ein­zel­kla­gen in Deutsch­land ha­ben – je nach Ge­richts­stand – laut Ju­ris­ten gu­te Chan­cen.

So­gar so gu­te, dass „Pro­zess­fi­nan­zie­rer in­zwi­schen auch für Ein­zel­kla­gen das Kos­ten­ri­si­ko über­neh­men“, wie Kol­ba sagt. Man kön­ne so­mit „kos­ten- und ri­si­ko­los vor den ver­brau­cher­freund­li­chen Ge­rich­ten in Stutt­gart und In­gol­stadt in­di­vi­du­ell kla­gen und hat gu­te Aus­sich­ten auf ei­nen Ver­gleich oder ein po­si­ti­ves Ur­teil.“Der von Kol­ba ge­grün­de­te Ver­brau­cher­schutz­ver­ein (VSV) bie­tet da­für Hil­fe­stel­lung an (www.kla­ge­n­oh­ne-ri­si­ko.at). Und zwar nicht nur für In­ha­ber von VW-Die­sel­fahr­zeu­gen mit dem Mo­tor EA 189 – dem ers­ten, bei dem ei­ne il­le­ga­le Ab­schalt­ein­rich­tung fest­ge­stellt wur­de –, son­dern (in un­ter­schied­li­cher Form) auch für an­de­re be­trof­fe­ne Mar­ken (Au­di, Mer­ce­des).

Dass vor be­stimm­ten deut­schen Ge­rich­ten die Klags­aus­sich­ten gut sind, be­stä­ti­gen auch deut­sche An­walts­kanz­lei­en. So kün­dig­te die Kanz­lei Gol­den­stein & Part­ner via Aus­sen­dung an, „die Rech­te ös­ter­rei­chi­scher Man­dan­ten ab so­fort in Stutt­gart durch­set­zen“zu wol­len, wo die Ro­bert Bosch GmbH ih­ren Sitz hat. „Da­für ha­ben uns be­reits die ers­ten ös­ter­rei­chi­schen Rechts­schutz­ver­si­che­run­gen ei­ne De­ckungs­zu­sa­ge er­teilt.“

[ Reu­ters ]

Ge­gen VW sind ei­ni­ge Sam­mel­kla­gen, aber auch Ein­zel­pro­zes­se an­hän­gig.

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