Das Fi­nanz­amt schickt Geld, aber kei­ner will es

Sald­o­ber­ei­ni­gung. Ne­ga­tiv­zin­sen für Gut­ha­ben zei­ti­gen ku­rio­se Fol­gen.

Die Presse - - RECHTSPANO­RAMA -

Die­se Sor­gen möch­te man ha­ben: Et­li­che Un­ter­neh­men ha­ben zum Jah­res­wech­sel Geld vom Fi­nanz­amt be­kom­men, aber sie wol­len es gar nicht.

Der un­er­wünsch­te Geld­re­gen geht auf die Ne­ga­tiv­zin­sen von 0,2 bis 0,5 % zu­rück, die Un­ter­neh­men bei Ban­ken und die­se bei der EZB für Gut­ha­ben zah­len müs­sen. Das macht ein Kon­to bei ei­nem Schuld­ner bes­ter Bo­ni­tät, der nichts für die Ein­la­ge ver­langt, sehr at­trak­tiv. Nach An­ga­ben des ab­ge­lös­ten Ex­per­ten-Fi­nanz­mi­nis­ters Edu­ard Mül­ler vom De­zem­ber ver­füg­ten 41 Un­ter­neh­men über Gut­ha­ben beim Fi­nanz­amt von je­weils mehr als 100.000 Eu­ro, ins­ge­samt stol­ze 900 Mio. Ein­zel­ne Un­ter­neh­men dürf­ten so­gar be­wusst über­höh­te Vor­aus­zah­lun­gen ge­leis­tet ha­ben, um Geld güns­tig zu par­ken.

Wie­wohl sonst an Zah­lun­gen von Bür­gern und Un­ter­neh­men in­ter­es­siert, will das der Fis­kus nicht ta­ten­los hin­neh­men. Schließ­lich kann er mit Gut­ha­ben, die je­der­zeit ab­ge­ru­fen wer­den kön­nen, nicht viel an­fan­gen. En­de De­zem­ber ha­ben des­halb et­li­che Un­ter­neh­men Mil­lio­nen­be­trä­ge vom Fi­nanz­amt über­wie­sen be­kom­men, oh­ne dass sie es be­an­tragt hät­ten. Chris­toph Plott, Part­ner bei KPMG, be­stä­tigt der „Pres­se“, dass der­ar­ti­ge Über­wei­sun­gen er­folgt sei­en.

Mitt­ler­wei­le tref­fen die zu­ge­hö­ri­gen Be­schei­de ein: Das Amt stützt sich auf ei­ne Be­stim­mung der Bun­des­ab­ga­ben­ord­nung, wo­nach Rück­zah­lun­gen von Gut­ha­ben nicht nur auf An­trag, son­dern auch von Amts we­gen er­fol­gen kön­nen (§ 239 BAO). Im Nor­mal­fall wer­den sich die Un­ter­neh­men nicht da­ge­gen weh­ren kön­nen. Nicht im­mer dürf­te das Amt vor­ab ge­fragt ha­ben, ob die Bank­ver­bin­dung noch die rich­ti­ge ist. Das kann zum Pro­blem wer­den, wenn Kon­ten et­wa bei Um­grün­dun­gen in Kon­zer­nen zwi­schen­zeit­lich auf ei­nen an­de­ren Rechts­trä­ger über­tra­gen wur­den und die­ser ver­kauft wur­de. In die­sem Fall könn­te der Be­scheid wohl an­ge­foch­ten wer­den, das Fi­nanz­amt müss­te das Geld vom Nicht-Be­rech­tig­ten zu­rück­ho­len.

VON BE­NE­DIKT KOMMENDA

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