Zu­kunfts­ge­stal­tung durch Blick in den Rück­spie­gel

Was tau­gen die im neu­en Re­gie­rungs­pro­gramm vor­ge­se­he­nen Ak­ti­vi­tä­ten zur Er­rei­chung der Kli­ma­zie­le wirk­lich?

Die Presse - - DEBATTE -

Kli­ma­neu­tra­li­tät bis 2040 lau­tet das von in­ter­na­tio­na­len Me­di­en auf­merk­sam wahr­ge­nom­me­ne Ziel im Pro­gramm der neu­en ös­ter­rei­chi­schen Bun­des­re­gie­rung. Die­se Ansage ist gleich­sam ein Echo auf ei­ne im De­zem­ber von der neu­en EU-Kom­mis­si­on vor­ge­schla­ge­ne ähn­li­che Ziel­set­zung für die Uni­on, je­doch für 2050. Von den Mit­glieds­staa­ten ha­ben bis­her nur Finn­land und Schwe­den sich ein frü­he­res Er­rei­chen die­ser Zi­el­li­nie ver­ord­net.

Der zu­sätz­lich for­mu­lier­te An­spruch, in Eu­ro­pa zu ei­nem Vor­rei­ter im Kli­ma­schutz zu wer­den, stößt auf Skep­sis, weil sich Ös­ter­reich in ei­nem Ran­king der Mit­glieds­staa­ten un­ter je­nen fünf Nach­züg­lern be­fin­det, die ge­gen­über 1990 hö­he­re Emis­sio­nen von Treib­haus­ga­sen aus­wei­sen.

Nicht im­mer scheint ver­stan­den zu wer­den, was mit Kli­ma­neu­tra­li­tät bis 2040 wirk­lich ge­meint ist, des­halb ei­ne Er­in­ne­rung: In­ner­halb von nur zwei Jahr­zehn­ten soll ein Gleich­ge­wicht zwi­schen den Emis­sio­nen von Treib­haus­ga­sen aus Qu­el­len (wie der Nut­zung von fos­si­ler Ener­gie) und dem Ab­bau sol­cher Ga­se durch Sen­ken (wie Bö­den, Wäl­der und Ozea­ne) her­ge­stellt wer­den.

Nicht al­len Ver­hand­lungs­part­nern war viel­leicht be­wusst, was die­ses Kli­ma­ziel wirk­lich be­deu­tet: Ab so­fort müss­ten Jahr für Jahr die Emis­sio­nen um gut fünf Pro­zent des jet­zi­gen Vo­lu­mens ver­rin­gert wer­den. Bis 2040 soll­te es nicht nur kei­ne Koh­le oder Erd­öl­pro­duk­te in den Haus­hal­ten ge­ben, auch Erd­gas wä­re nur noch in Rest­men­gen sicht­bar. Zapf­säu­len für Ben­zin und Die­sel wä­ren längst ab­ge­baut.

Wie die ener­gie- und emis­si­ons­in­ten­si­ve In­dus­trie bei Stahl, Ze­ment und Che­mieg­rund­stof­fen, die für rund ein Drit­tel der jet­zi­gen Emis­sio­nen ver­ant­wort­lich sind, zu­recht­kommt, kann nur sehr va­ge ar­gu­men­tiert wer­den.

Ei­ne ers­te Zwi­schen­bi­lanz über ein sol­ches Kli­ma­ziel ist des­halb er­nüch­ternd. Nach jet­zi­gem Wis­sens­stand und aus der Be­ob­ach­tung po­li­ti­scher Ent­schei­dungs­ab­läu­fe ist die Er­rei­chung ei­nes sol­chen Ziels schwer vor­stell­bar. Ver­gleicht man dann noch die im Re­gie­rungs­pro­gramm für ei­ne sol­che Ziel­er­rei­chung vor­ge­se­he­nen Ak­ti­vi­tä­ten, wird Kli­ma­neu­tra­li­tät bis 2040 zu ei­ner Mis­si­on Im­pos­si­ble.

Die­se ent­täu­schen­de Dia­gno­se muss je­doch nicht be­deu­ten, dass die­se zen­tra­le Ziel­set­zung im Re­gie­rungs­pro­gramm als Ma­ku­la­tur zu ent­sor­gen ist. Ge­ra­de die­ses of­fen­sicht­lich il­lu­sio­nä­re Ziel ist ein gu­ter Start für ein Nach­den­ken, wie Ori­en­tie­run­gen für die Pra­xis mit po­li­ti­schen Zie­len ver­träg­lich ge­macht wer­den kön­nen. Da­zu ei­ni­ge An­stö­ße für wei­te­re Dis­kus­sio­nen zum Re­gie­rungs­pro­gramm.

ADie Geo­phy­sik sagt uns, dass sol­che am­bi­tio­nier­ten Zie­le für ei­ne Ver­mei­dung von ir­re­ver­si­blen Kli­ma­än­de­run­gen

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