Zah­len­zau­be­rei für den Gre­en De­al

Kli­ma­po­li­tik. Die EU-Kom­mis­si­on legt erst­mals De­tails vor, wie sie das En­de der CO2-Emis­sio­nen bis 2050 fi­nan­zie­ren will. Sie be­ru­hen auf krea­ti­ver Bud­ge­tie­rung und op­ti­mis­ti­schen An­nah­men.

Die Presse - - EUROPÄISCH­E UNION -

Ei­ne Bil­li­on Eu­ro, um den Pla­ne­ten vor dem Kli­ma­kol­laps zu ret­ten: Das klingt bom­bas­tisch, doch wenn man die An­kün­di­gun­gen der neu­en Füh­rungs­rie­ge der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on be­tref­fend ih­ren „EU Gre­en De­al“ver­folgt, be­schrei­ben die­se Wor­te die Stim­mungs­la­ge der Brüs­se­ler Chef­eta­ge. Am Di­ens­tag wird das Kol­le­gi­um der Kom­mis­sa­re un­ter Prä­si­den­tin Ur­su­la von der Ley­en die Fi­nan­zie­rung ih­res Vor­ha­bens be­schlie­ßen, wo­nach die EU im Jahr 2050 nicht mehr zum Treib­haus­ef­fekt bei­tra­gen soll.

Die­ses Do­ku­ment liegt der „Pres­se“vor­ab vor. Wie stellt man sich in der Kom­mis­si­on die­se Dekar­bo­ni­sie­rung sämt­li­cher Le­bens­be­rei­che der Eu­ro­pä­er bin­nen nur drei Jahr­zehn­ten vor? Und wo­her soll die Bil­li­on Eu­ro kom­men?

Fünf Säu­len hat die­ser „Nach­hal­ti­ge In­ves­ti­ti­ons­plan für Eu­ro­pa“für die Jah­re 2021 bis 2030. Die dicks­te Säu­le fußt im EUHaus­halt. 485 Mil­li­ar­den Eu­ro sol­len in die­sen zehn Jah­ren di­rekt aus Brüs­sel kom­men. Das ist je­doch kein fri­sches Geld. Viel­mehr gilt für al­le Bud­get­li­ni­en die De­vi­se, dass min­des­tens 25 Pro­zent für Kli­ma- und Um­welt­pro­jek­te zu wid­men sind. Die zwei­te Säu­le des grü­nen De­als für Eu­ro­pa ist mit die­ser ers­ten ver­bun­den. Denn die Mit­glied­staa­ten müs­sen, um in den Ge­nuss der För­de­run­gen aus Brüs­sel zu kom­men, selbst Be­trä­ge bei­schie­ßen. 115 Mil­li­ar­den Eu­ro sol­len auf die­se Wei­se ko­fi­nan­ziert wer­den. Das be­ste­hen­de Sys­tem für den Han­del mit Emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­ten soll zwölf Mil­li­ar­den Eu­ro für die drit­te Säu­le bei­steu­ern.

Die­se drei Fi­nan­zie­rungs­quel­len für den Gre­en De­al sind ein­fach ver­ständ­lich. Nach­dem sich die na­tio­na­len Re­gie­run­gen mehr oder we­ni­ger zum Ziel der Dekar­bo­ni­sie­rung be­kannt ha­ben, dürf­ten die Geld­mit­tel die ver­fah­re­nen Ver­hand­lun­gen über den nächs­ten Fi­nanz­rah­men wohl auch un­ge­fähr in die­ser Hö­he über­le­ben.

Bei der vier­ten Säu­le be­ginnt die po­li­ti­sche Spe­ku­la­ti­on. 280 Mil­li­ar­den Eu­ro näm­lich sol­len von staat­li­cher und pri­va­ter Sei­te ak­ti­viert wer­den, in­dem der so­ge­nann­te In­ves­tEU-Fonds, der al­ler­lei För­der­pro­gram­me bün­delt, als He­bel ein­ge­setzt wird. Das setzt vor­aus, dass Ban­ken, Fonds und an­de­re In­ves­to­ren tat­säch­lich auf die­se er­hoff­te Wei­se mit­zie­hen.

Der fi­nanz­tech­ni­sche Op­ti­mis­mus der Kom­mis­si­on er­reicht bei der fünf­ten Säu­le, dem „Mecha­nis­mus für ei­nen ge­rech­ten Wan­del“, sei­nen Hö­he­punkt. 143 Mil­li­ar­den Eu­ro im kom­men­den Jahr­zehnt (das ent­spricht 100 Mil­li­ar­den Eu­ro von 2021 bis 2027) sol­len Re­gio­nen, in de­nen Koh­le, Tor­fabbau und sons­ti­ge fos­si­le Ener­gie­trä­ger ei­ne gro­ße Rol­le spie­len, beim

Um­stieg hel­fen. Doch nur 7,5 Mil­li­ar­den Eu­ro da­von (ge­rech­net über sie­ben Jah­re) sind fri­sches Geld. Den Rest will die Kom­mis­si­on aus dem So­zi­al- und Re­gio­nal­fonds ab­zwa­cken be­zie­hungs­wei­se von öf­fent­li­chen und pri­va­ten In­ves­to­ren he­beln.

„Da steht schon ei­ni­ges Gu­tes drin“, sagt der grü­ne Eu­ro­pa­ab­ge­ord­ne­te Ni­k­las Ni­en­aß zur „Pres­se“. „Aber man darf das Ziel nicht aus den Au­gen ver­lie­ren. Wenn man 2050 emis­si­ons­frei sein will, be­deu­tet das wohl, dass das letz­te Koh­le­kraft­werk um 2040 ab­ge­schal­tet wird. Wir brau­chen ein kon­kre­tes Aus­stiegs­da­tum, um den Koh­le­re­gio­nen ei­ne Zu­kunfts­per­spek­ti­ve ge­ben zu kön­nen.“

[ Reu­ters ]

Im pol­ni­schen Beł­cha­tow´ steht das der­zeit welt­größ­te Braun­koh­le­kraft­werk. Es ab­zu­schal­ten, wird teu­er – zu­mal die EU der­zeit noch kein fi­xes En­de für das Ver­bren­nen von Koh­le zur Strom- und Wär­me­ge­win­nung fest­setzt.

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