Das „Me­cker-Ver­bot“des Te­am­chefs

Hand­ball-EM. Te­am­chef Aleˇs Pa­jo­viˇc, der erst im März 2019 be­stellt wur­de, hat Ös­ter­reich mit stren­ge­ren Re­geln ei­nen neu­en Te­am­geist ein­ge­haucht. Heu­te war­tet in Wi­en Nord­ma­ze­do­ni­en.

Die Presse - - SPORT -

Ös­ter­reichs Hand­ball-Na­tio­nal­mann­schaft der Män­ner möch­te sich heu­te Abend (18.15 Uhr, live ORF Sport+) im ab­schlie­ßen­den EM-Spiel der Grup­pe B ge­gen Nord­ma­ze­do­ni­en in der Wie­ner Stadt­hal­le auf kei­ne Re­chen­spie­le ein­las­sen. Ein Sieg oder ein Un­ent­schie­den wür­de das ÖHB-Team de­fi­ni­tiv in die Haupt­run­de der zwölf bes­ten Mann­schaf­ten hie­ven, selbst ei­ne Nie­der­la­ge mit bis zu drei To­ren Dif­fe­renz wä­re nach den Er­fol­gen ge­gen Tsche­chi­en und die Ukrai­ne gleich­be­deu­tend mit dem Auf­stieg.

Ver­liert Ös­ter­reich aber mit vier To­ren Dif­fe­renz, müss­ten min­des­tens 25 To­re er­zielt wer­den. Bei ei­ner Nie­der­la­ge mit fünf oder mehr To­ren Dif­fe­renz, schei­det man aus – vor­aus­ge­setzt, Tsche­chi­en ge­winnt das Abend­spiel ge­gen die Ukrai­ne (20.30 Uhr). Ös­ter­reichs Hand­bal­ler hof­fen, sich erst gar nicht mit all die­sen Even­tua­li­tä­ten be­schäf­ti­gen zu müs­sen. Flü­gel­spie­ler Se­bas­ti­an Frim­mel: „Wir wol­len die Grup­pe mit dem drit­ten Sieg ab­schlie­ßen.“

Mon­tag­mit­tag wur­de in der Stadt­hal­le lo­cker trai­niert, wäh­rend der Ein­hei­ten zwi­schen den Spiel­ta­gen geht es nicht son­der­lich zur Sa­che, ei­ne Eu­ro­pa­meis­ter­schaft (drei Vor­run­den­spie­le in fünf Ta­gen) ist oh­ne­hin lang und in­ten­siv. Von über­trie­be­ner An­span­nung oder gar Ner­vo­si­tät war bei Ös­ter­reichs Team­spie­lern je­den­falls nichts zu be­mer­ken, statt­des­sen re­gier­te Zu­ver­sicht, die auch der Mann an vor­ders­ter Front, Te­am­chef Alesˇ Pa­jo­vic,ˇ vor­lebt.

Der Slo­we­ne wur­de erst zehn Mo­na­te vor Be­ginn der Heim-EM als Nach­fol­ger von Pat­re­kur Jo­han-´ nes­son prä­sen­tiert. Der Is­län­der hat­te das Na­tio­nal­team über sie­ben Jah­re – wei­test­ge­hend er­folg­reich – be­treut, das „Ex­pe­ri­ment Pa­jo­vic“ˇ darf je­doch be­reits vor dem letz­ten Grup­pen­spiel ge­gen

Nord­ma­ze­do­ni­en als ge­glückt be­zeich­net wer­den. Un­ter dem neu­en Te­am­chef sei „ein Ruck durch die Mann­schaft ge­gan­gen“, er­klärt Rou­ti­nier Ro­bert We­ber.

Of­fen­sicht­lich hat es ge­nau die­sen ge­braucht. Trai­ner-Spie­lerVer­hält­nis­se nut­zen sich mit der Zeit ab, man kennt das aus al­len er­denk­li­chen Sport­ar­ten, so war es auch in der End­pha­se un­ter Jo­han-´ nes­son. Ro­bert We­ber weiß, wo­von er spricht, nach­dem er sei­nen Lang­zeit­klub SC Mag­de­burg 2019 nach zehn Jah­ren gen HSG Nord­horn-Lin­gen ver­las­sen hat­te. „Nach dem ach­ten Jahr hat­te ich das Ge­fühl be­kom­men, dass es Zeit für ei­ne Ve­rän­de­rung wird.“

Pa­jo­vicˇ ist es in­ner­halb we­ni­ger Mo­na­te ge­lun­gen, der Mann­schaft ein neu­es Ge­fühl der Har­mo­nie zu in­ji­zie­ren. „Der Zu­sam­men­halt ist enorm, au­ßer­ge­wöhn­lich“, be­stä­tigt der 34-jäh­ri­ge We­ber den Ein­druck von au­ßen. „Wir sind 16 Freun­de auf dem Feld. Das muss auch so sein, wenn du nicht wie ab­so­lu­te Top­na­tio­nen die ganz ho­he in­di­vi­du­el­le Klas­se be­sitzt.“Nach­satz: „Bei uns wür­de je­der für je­den in die Bre­sche sprin­gen.“

Als der Slo­we­ne im Früh­jahr 2019 sei­nen Job als Te­am­chef an­trat, be­leg­te er sei­ne Spie­ler bei der An­tritts­re­de mit ei­nem „Me­cker

Ver­bot“. Nach miss­lun­ge­nen Ak­tio­nen darf sich dem­nach kein Spie­ler be­schwe­ren oder ne­ga­ti­ve Emo­tio­nen zei­gen. Pa­jo­vic:ˇ „Am En­de ei­ner Par­tie hast du als Mann­schaft 20 Feh­ler ge­macht. Wenn du dich nach je­dem Feh­ler är­gerst oder dich beim Mit­spie­ler auf­regst, wird es nicht funk­tio­nie­ren.“

Wäh­rend Pa­jo­vicˇ spricht, wirft We­ber im Vor­bei­ge­hen ein: „Ja, ja, glaub ihm kein Wort!“Ein Schmun­zeln. Und ein In­diz da­für, dass es in­ner­halb der Mann­schaft auch zwi­schen­mensch­lich passt. Der 41-Jäh­ri­ge fin­det laut We­ber „die rich­ti­ge Mi­schung aus Spaß und Ernst­haf­tig­keit. Und je­der von uns Spie­lern fin­det ihn auch als Mensch sehr, sehr cool.“In den ers­ten bei­den Spie­len hat Pa­jo­vicˇ meist die rich­ti­gen Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen, sei es bei der Um­stel­lung der Ab­wehr oder beim Tor­wart-Wech­sel. We­ber: „Er kennt den rich­ti­gen Zeit­punkt.“

[ APA ]

Ro­bert We­ber war mit acht Tref­fern ge­gen die Ukrai­ne ein we­sent­li­cher Er­folgs­fak­tor im Spiel der Ös­ter­rei­cher.

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