Fin­det Thys­sen doch ei­nen Part­ner?

Stahl. Thys­sen Krupp soll mit Salz­git­ter über ei­ne mög­li­che Fu­si­on spre­chen.

Die Presse - - FINANZEN -

Die Ak­tie des an­ge­schla­ge­nen In­dus­trie­kon­zerns Thys­sen Krupp lag am Mon­tag­nach­mit­tag deut­lich im Plus. Grund sind Spe­ku­la­tio­nen, wo­nach das Un­ter­neh­men mit sei­nem Kon­kur­ren­ten Salz­git­ter über ei­ne mög­li­che Stahl­fu­si­on spre­chen soll. Bei­de Un­ter­neh­men re­agier­ten je­doch zu­rück­hal­tend auf ei­nen ent­spre­chen­den Be­richt des „Spie­gel“.

„Die Um­set­zung der im De­zem­ber an­ge­kün­dig­ten Stahl­stra­te­gie steht für uns im Vor­der­grund“, er­klär­te ein Thys­sen-Spre­cher. Das Un­ter­neh­men will sei­ne schwä­cheln­de Stahl­spar­te um­bau­en, Stel­len strei­chen und ein­zel­ne An­la­gen schlie­ßen. Bei Salz­git­ter hieß es, ein Tref­fen der Vor­stands­chefs im ver­gan­ge­nen Jahr sei vor al­lem auf ei­ne per­sön­li­che Be­kannt­schaft zwi­schen ih­nen zu­rück­zu­füh­ren. „Rich­tig ist, dass wir ei­ne Kon­so­li­die­rung der eu­ro­päi­schen Stahl­in­dus­trie nach wie vor für vor­teil­haft hal­ten“, hieß es bei Thys­sen. Die EU hat­te 2019 die lan­ge vor­be­rei­te­te Fu­si­on der Thys­sen-Krupp-Stahl­spar­te mit dem eu­ro­päi­schen Zweig des in­di­schen Kon­kur­ren­ten Ta­ta zum Schutz des Wett­be­werbs un­ter­sagt.

Ein mög­li­ches Zu­sam­men­ge­hen von Thys­sen Krupp und Salz­git­ter war in der Ver­gan­gen­heit mehr­fach im Ge­spräch. Salz­git­terChef Heinz Jörg Fuhr­mann hat­te in ei­nem In­ter­view ge­sagt, für ei­ne Fu­si­on mit ei­nem Wett­be­wer­ber ha­be er bis­her kein Kon­zept ge­se­hen, das Vor­tei­le für bei­de Sei­ten bie­te. „Aber ich kann und will nicht aus­schlie­ßen, dass es das ei­nes Ta­ges doch ge­ben könn­te.“

Die seit Jah­ren schwä­cheln­de Thys­sen-Krupp-Ak­tie war im Vor­jahr aus dem Frank­fur­ter Leit­in­dex DAX ge­flo­gen und no­tiert seit­her nur noch im Mit­tel­wer­te-In­dex MDAX. Das Stahl­ge­schäft lei­det un­ter welt­wei­ten Über­ka­pa­zi­tä­ten, Bil­lig­im­por­ten aus Chi­na und im­mer schär­fe­ren Um­welt­auf­la­gen. Da­zu ka­men mil­li­ar­den­schwe­re Fehl­in­ves­ti­tio­nen in Stahl­wer­ke in den USA und in Bra­si­li­en.

Hin­zu kommt, dass der Kon­zern im Lauf der Zeit ein un­über­sicht­li­ches Sam­mel­su­ri­um aus vie­len Ge­schäfts­fel­dern ge­wor­den ist: Thys­sen fer­tigt Stahl, Werk­stof­fe, Kom­po­nen­ten für die Au­to­in­dus­trie, Che­mie-, Raf­fi­ne­rie- und In­dus­trie­an­la­gen so­wie Auf­zü­ge – und will sich um­struk­tu­rie­ren.

Das nö­ti­ge Geld da­für soll der Ver­kauf der ein­zig wirk­lich pro­fi­ta­blen Spar­te ein­spie­len: der Auf­zugs­spar­te. Für sie sucht das Un­ter­neh­men Käu­fer, an­geb­lich soll es be­reits meh­re­re In­ter­es­sen­ten ge­ben, dar­un­ter den fin­ni­schen Kon­kur­ren­ten Ko­ne. Auch ein Bör­sen­gang der Auf­zugs­spar­te ist mög­lich. (DPA-AFP/b. l.)

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