Meinls Lie­be zur Far­ce

Cha­ri­ty. Kaf­fee­ein­käu­fe­rin Jean­net­te Meinl lädt zu­guns­ten von Su­perar zum eng­li­schen Thea­ter­abend – und über­nimmt da­bei selbst ei­ne Rol­le.

Die Presse - - MENSCHEN/VERANSTALT­UNGEN -

So be­kannt ihr Na­me sein mag, so zu­rück­hal­tend ist sie: Sel­ten tritt Jean­net­te Meinl an die Öf­fent­lich­keit; wenn, dann in ih­rer Rol­le als Kaf­fee­ein­käu­fe­rin des gleich­na­mi­gen Fa­mi­li­en­un­ter­neh­mens. Hie und da be­tritt sie aber tat­säch­lich die Büh­ne: im Thea­ter näm­lich.

„Art for Cha­ri­ty“heißt ihr Pro­jekt; die Idee: ein klei­nes Thea­ter zu er­öff­nen – für nur drei Ta­ge, für den gu­ten Zweck, im­mer mit ei­nem lus­ti­gen Stück. „Weil ich der Mei­nung bin, dass man im Thea­ter auch ein biss­chen la­chen darf.“Meinl hat in En­g­land selbst ei­ne Thea­ter­aus­bil­dung ab­sol­viert und da­bei ih­re „Lie­be zum eng­li­schen Thea­ter und zur Far­ce ent­deckt, die hier ja nicht so viel ge­spielt wird“.

Zum In­ter­view ist Meinl, die teil­wei­se in En­g­land lebt, in den Co­wor­king Space Vi­en­na Bold ge­kom­men, in das Bü­ro ih­rer PR-Be­ra­te­rin, die das Thea­ter­pro­jekt un­ter­stützt. Fra­gen zu ih­rem Bru­der, Ju­li­us Meinl V., möch­te sie kei­ne be­ant­wor­ten, dar­auf hat man sich schon im Vor­feld ver­stän­digt.

Das ers­te Mal „Art for Cha­ri­ty“, er­zählt sie, gab es schon vor 17 Jah­ren, mit No­el¨ Co­wards „Pri­va­te Li­ves“. Über die Jah­re hat sie (un­re­gel­mä­ßig) schon im Schön­brun­ner Schloss­thea­ter, im Vi­en­na Eng­lish Thea­t­re und in der Kam­mer­oper gas­tiert, dies­mal ist man im Muth, dem Kon­zert­saal der Sän­ger­kna­ben zu Gast.

Ge­spielt wird „A Bed­full of For­eig­ners“, ei­ne Far­ce des bri­ti­schen Au­tors Da­ve Free­man, der viel für das Fern­se­hen ar­bei­te­te und der als ein Meis­ter des Wort­spiels und der Dop­pel­deu­tig­kei­ten gilt. Das Stück dreht sich um zwei Ehe­paa­re, de­nen in Frank­reich ver­se­hent­lich das­sel­be Ho­tel­zim­mer zu­ge­wie­sen wird, und dürf­te ziem­lich tur­bu­lent sein, je­den­falls lacht Meinl schon beim Ge­dan­ken an die Pro­ben. Sie selbst hat die Rol­le ei­ner der Ehe­frau­en über­nom­men. Als jun­ges Mäd­chen, er­zählt sie, hat sie in Lon­don ei­ne Schau­spiel­aus­bil­dung ge­macht. Und ja, „ich woll­te es dann auch be­ruf­lich ma­chen, ha­be mich dann aber da­ge­gen ent­schie­den“.

Für ihr Stück gibt es, wie bei Bäl­len, ein Ko­mi­tee, heu­er un­ter dem Eh­ren­schutz von Cat­ha­ri­ne D’ho­op, der Frau des bel­gi­schen Bot­schaf­ters, und dem bri­ti­schen Bot­schaf­ter Leigh Tur­ner, die, wie auch Do­ro­the­um-Chef Mar­tin Böhm, je­weils an ei­nem Abend noch zum Emp­fang la­den. In je­nem Ko­mi­tee sitzt auch Im­ma Maut­ner-Mark­hof, die als As­sis­ten­tin von Sän­ger­kna­ben

Lei­ter Ge­rald Wirth den Kon­takt zum Su­perar-Pro­jekt her­ge­stellt hat, das von Meinl heu­er un­ter­stützt wird. Bei Su­perar or­ga­ni­sie­ren Sän­ger­kna­ben, Ca­ri­tas und Kon­zert­haus ge­mein­sam mu­si­ka­li­sche För­de­rung für Kin­der, die sonst kei­nen Zu­gang da­zu hät­ten. Es sei ihr wich­tig, sagt Meinl, dass ihr Bei­trag kon­kret sei.

Eben­so wich­tig, be­tont sie, sei ihr ein pro­fes­sio­nel­ler Zu­gang: „Es soll kein Lai­en­thea­ter sein.“Es ge­be in Wi­en „ei­ne Viel­zahl an wirk­lich gu­ten eng­li­schen und ame­ri­ka­ni­schen Schau­spie­lern“, aus de­nen sie ih­re Trup­pe re­kru­tiert. Ins­be­son­de­re Re­gis­seur Den­nis Ko­zeluh, in Mon­ta­na ge­bo­ren, seit 1983 in Wi­en und u. a. Mit­glied der „Eng­lish Lo­vers“, ha­be ei­ne „gro­ße Thea­ter­ver­gan­gen­heit“. Das

Team wird da­bei stets neu zu­sam­men­ge­stellt, fix an Meinls Sei­te ist nur Jo­an­na God­win Seidl vom Vi­en­na Thea­t­re Pro­ject (sie bringt ih­rer­seits im Fe­bru­ar mit der US-Bot­schaft zum Black His­to­ry Month das Mar­tin-Lu­ther-King-Stück „The Moun­tain­top“in der Dra­chen­gas­se auf die Büh­ne).

Ih­ren al­ler­ers­ten Auf­tritt hat­te Meinl da­bei einst in ei­nem Chor, „mit Ru­dolph the Red-no­sed Rein­de­er“an der Ame­ri­can In­ter­na­tio­nal School, „da war ich, glau­be ich, sie­ben“. Die Lie­be zum Thea­ter ha­be ihr schon ih­re Mut­ter ver­mit­telt, auch sie hat­te ei­ne Schau­spiel­aus­bil­dung, hat für das eng­li­sche Ra­dio und den Rund­funk ge­ar­bei­tet. In der Schu­le spiel­te sie Ne­s­troy; spä­ter wäh­rend ih­res Stu­di­ums an der WU („Es muss­te erst ein­mal ein Brot­be­ruf ge­lernt wer­den“) in ei­ner Lai­en­grup­pe Os­car Wil­de. Gleich­zei­tig hat­te ihr Va­ter sie schon mit 20 zum ers­ten Mal in den so­ge­nann­ten Ur­sprung des Kaf­fees mit­ge­nom­men.

Heu­te ist sie zu­stän­dig für den Roh­kaf­fee­ein­kauf, „das macht mir auch sehr viel Freu­de“. Meinl reist viel, trifft die Bau­ern, die sie auch mit dem neu­en „Co­lom­bi­an He­ri­ta­ge Pro­ject“un­ter­stützt. Meinl zah­le ih­nen die UTZ-Zer­ti­fi­zie­rung und Trock­ner für den Kaf­fee, auf dass sie hö­he­re Prei­se er­zie­len kön­nen. Da wie dort hand­le es sich um Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men, „das ver­bin­det uns“.

[ Mich`ele Pau­ty ]

Jean­net­te Meinl: „Thea­ter war für mich im­mer das Schöns­te.“

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