Die Ent­zau­be­rung der Grü­nen ist schon im Gan­ge

Die Grü­nen sind ei­ne Par­tei wie al­le an­de­ren – oder müs­sen es wer­den. Ent­täu­schung in in­tel­lek­tu­el­ler An­hän­ger­schaft.

Die Presse - - DEBATTE -

ster­reich wird Ös­ter­reich blei­ben – auch un­ter der zwei­ten Re­gie­rung von Bun­des­kanz­ler Se­bas­ti­an Kurz“, schrieb die „Neue Zürcher Zei­tung“. Ob­wohl es die Kol­le­gen in der Schweiz nicht so ge­meint ha­ben moch­ten, klingt das in den Oh­ren von Ös­ter­rei­chern wie ei­ne ge­fähr­li­che Dro­hung. Zwar hat je­der der bei­den Ko­ali­ti­ons­part­ner das „Bes­te aus sei­ner Welt be­kom­men“, dar­aus wird aber kein wirk­li­ches Re­form­pro­gramm für die Re­pu­blik: nicht bei den Pen­sio­nen, die für Kurz oh­ne­hin ei­ne Ta­bu sind, nicht im teu­ren Fö­de­ra­lis­mus, der Kurz in sei­nem ei­ser­nen Griff hat; nicht ein­mal auf ei­ne Ab­schaf­fung der kal­ten Pro­gres­si­on darf man sich gro­ße Hoff­nun­gen ma­chen. „Die schwarz-grü­ne Re­vo­lu­ti­on bleibt aus“, kon­sta­tiert das Blatt nüch­tern.

Seit sich die­se Ko­ali­ti­on ab­zu­zeich­nen be­gann, wird sie be­glei­tet von ei­ner schwär­me­ri­schen Vor­schuss­be­geis­te­rung gera­de der so­ge­nann­ten bür­ger­li­chen Me­di­en. Kaum ein Kom­men­ta­tor, der in sei­ner Hym­ne auf ei­ne tür­kis­grü­ne Re­gie­rung nicht das Wort „Charme“ver­wen­det hät­te. Was an ei­ner Sa­che char­mant sein soll, weiß man nicht, nor­ma­ler­wei­se wer­den nur Men­schen so be­zeich­net. Auf die bei­den Prot­ago­nis­ten, Se­bas­ti­an Kurz und Wer­ner Kog­ler, trifft das je­den­falls nicht zu: Der ei­ne ist zu kühl und kon­trol­liert, der an­de­re zu derb, als dass man ihn als char­mant be­zeich­nen wür­de. Auch das Kür­zel K & K ist ver­rä­te­risch. Es klingt eher nach Nost­al­gie als nach gro­ßem Auf­bruch.

Ös­ter­reich soll nun die „Ver­suchs­sta­ti­on für das Neue“sein. Von „avant­gar­dis­tisch“ist gar die Re­de oder ei­nem „küh­nen Po­li­tik­pro­jekt“, das Öko­no­mie und Öko­lo­gie ver­söh­ne, und was der­glei­chen Schlag­wor­te noch sind. Von der „Ent­schlos­sen­heit“, die für die Er­fül­lung sol­cher Vi­sio­nen not­wen­dig wä­re, ist im Pakt al­ler­dings we­nig zu mer­ken. Das Ko­ali­ti­ons­ab­kom­men ver­mei­det es, „den gro­ßen Pro­ble­men des Staats­we­sens auf den Grund zu bli­cken“, um den be­deu­ten­den ös­ter­rei­chi­schen Staats­recht­ler Ge­org Jel­li­nek zu zi­tie­ren.

Die gro­ßen Pro­ble­me des (ös­ter­rei­chi­schen) Staats­we­sen sind vie­le ver­krus­te­te Struk­tu­ren und nicht die Kli­ma­ret­tung für die an­de­ren. Wir müs­sen kein Mo­dell für Eu­ro­pa sein, wie uns Ur­su­la von der Ley­en freund­li­cher­wei­se er­klärt.

Wenn man als ei­ne Gro­ße Ko­ali­ti­on ei­ne be­zeich­net, die die bei­den po­li­ti­schen La­ger zu­sam­men­bin­det, dann ha­ben wir jetzt wie­der ei­ne. Kurz selbst ließ kürz­lich die Be­mer­kung fal­len, die Grü­nen sei­en eben die neu­en So

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