Il­le­ga­le Ver­ei­ne är­gern Wir­te

Rauch­ver­bot. Um das Ge­setz zu um­ge­hen, soll mitt­ler­wei­le auch in be­stimm­ten Ver­ei­nen Al­ko­hol aus­ge­schenkt wer­den. Fäl­le in Wien, Nie­der­ös­ter­reich und Vor­arl­berg wer­den ge­prüft.

Die Presse - - ÖSTERREICH - VON EVA WALISCH

Seit mehr als zwei Mo­na­ten ist das Rauch­ver­bot in der Gas­tro­no­mie in Kraft. Ver­ei­ne, Klubs, aber auch Pri­va­te in Wien, Nie­der­ös­ter­reich und Vor­arl­berg sol­len je­doch ver­su­chen, die neue Re­ge­lung zu um­ge­hen. Auch von il­le­ga­len Wirts­häu­sern ist die Re­de.

Wal­ter Schmal­wie­ser von der Wirt­schafts­kam­mer Nie­der­ös­ter­reich hört im­mer wie­der von Wir­ten, dass sich ih­re Gäs­te we­gen des Rauch­ver­bots in den „halb­pri­va­ten Be­reich“zu­rück­zie­hen, sagt er der „Pres­se“. Et­wa in Ver­eins­lo­ka­le oder Feu­er­wehr­häu­ser mit Auf­ent­halts­raum. „In wel­cher Di­men­si­on sich das ab­spielt, ist schwer ab­schätz­bar“, so Schmal­wie­ser. „Dass dort Ge­trän­ke kon­su­miert wer­den, ist aber der Re­gel­fall.“

„Hand­voll“Fäl­le in Wien

Be­fürch­tun­gen, dass es Ver­su­che ge­be, das Ver­bot zu um­ge­hen, ha­be es von­sei­ten der Wirt­schafts­kam­mer im Vor­feld ge­ge­ben. Die Er­he­bung von il­le­ga­len Wirts­häu­sern sei aber schwie­rig. „So ein Ver­eins­lo­kal hat ja kei­ne Web­sei­te mit ei­ner Ge­trän­ke­kar­te“, sagt Schmal­wie­ser. Die Wirts­häu­ser wür­den durch die il­le­ga­le Kon­kur­renz an Kund­schaft ver­lie­ren. „Wenn je­mand im sel­ben Teich fischt, dann ha­ben aber auch die glei­chen Spiel­re­geln zu gel­ten.“

In Wien kon­trol­lier­te das zu­stän­di­ge Markt­amt im No­vem­ber und De­zem­ber 5205 Lo­ka­le – 83 Gas­tro­no­men wur­den an­ge­zeigt, weil ge­raucht wur­de. In ein paar Fäl­len, die man je­doch an ei­ner Hand ab­zäh­len kön­ne, ha­be es auch An­zei­gen ge­gen an­geb­li­che Ver­ei­ne ge­be­ben. „Grup­pen, die sich als Ver­ein dar­ge­stellt ha­ben, aber de­nen es in Wahr­heit um die Gas­tro­no­mie ging“, so ein Spre­cher des Markt­amts.

Der Wie­ner Wirt­schafts­kam­mer ist das Phä­no­men hin­ge­gen nicht be­kannt. Das il­le­ga­le Aus­schen­ken und Rau­chen in Ver­eins­häu­sern sei eher am Land ver­tre­ten, das Ver­eins­we­sen in Wien kaum aus­ge­prägt, heißt es dort.

Auch in den Ga­ra­gen im Bre­gen­zer­wald qualmt es. An­fang No­vem­ber ging ei­ne an­ony­me An­zei­ge ein, be­stä­tigt die Bre­gen­zer Be­zirks­haupt­mann­schaft der „Pres­se“. Im de­tail­lier­ten Schrei­ben sind sechs Adres­sen von an­geb­li­chen Schwarz­wirt­schaf­ten oh­ne Ge­wer­be­be­rech­ti­gung ge­lis­tet: von Pri­vat­per­so­nen, Ver­ei­nen und auch ei­nem Un­ter­neh­men. „Es gibt die Be­fürch­tung, dass we­gen des Nicht­rau­cher­schutz­ge­set­zes in den pri­va­ten Be­reich oder zu Ver­ei­nen aus­ge­wi­chen wird“, heißt es von der Be­hör­de. Der­zeit über­prü­fe man die Vor­wür­fe noch.

Dort, wo sonst Au­tos ste­hen, wird an­geb­lich ge­raucht und ge­trun­ken. Und um die tau­send Fla­schen Bier in der Wo­che sol­len et­wa in ei­ner Werk­stät­te aus­ge­schenkt wer­den. Prak­ti­scher­wei­se lie­fe­re ei­ne Braue­rei das Bier di­rekt in das il­le­ga­le Ga­ra­gen­lo­kal. Auch in ei­ner Schlos­se­rei, bei ei­nem Fuß­ball­ver­ein, in ei­nem Feu­er­wehr­haus und ei­nem Mo­tor­rad­club soll Al­ko­hol ver­kauft und das Rauch­ver­bot in der Gas­tro­no­mie um­gan­gen wer­den, wie die „Vor­arl­ber­ger Nach­rich­ten“be­rich­te­ten.

Das ös­ter­rei­chi­sche Nicht­rau­cher­schutz­ge­setz scheint für Ver­ei­ne aber kein le­ga­les Schlupf­loch zu bie­ten. Be­reits seit Mai 2018 gal­ten stren­ge­re Re­ge­lun­gen für den Nicht­rau­cher­schutz in Ver­ei­nen, die mit 1. No­vem­ber noch ein­mal ver­schärft wur­den. Nur in rein pri­va­ten Rä­um­lich­kei­ten von Ver­ei­nen, die kei­ne Ge­trän­ke mit

Ge­winn­ab­sicht ver­kau­fen und nicht der Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich sind, darf dem­nach ge­raucht wer­den. Aber nur, wenn der Ver­ein kei­ne min­der­jäh­ri­gen Mit­glie­der hat. Das Ver­bot gilt auch, wenn Ver­ei­ne Ver­an­stal­tun­gen oh­ne Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht ab­hal­ten.

In der Schweiz ver­such­te man schon vor knapp zehn Jah­ren, das Ver­bot zu um­ge­hen. In Ba­sel schlos­sen sich et­wa Lo­ka­le zum Ver­ein Fü­mo­ar zu­sam­men, bei dem 40.000 Mit­glie­der­aus­wei­se be­an­tragt wur­den. Denn wei­ter­hin er­laubt war das Rau­chen in Ver­eins­wirt­schaf­ten für Mit­glie­der. Doch die Rau­cher­re­bel­li­on schei­ter­te vor dem Bun­des­ge­richt.

Wo noch ge­raucht wer­den darf

Son­der­re­geln gibt es aber nun auch beim ös­ter­rei­chi­schen Ge­setz. In Ho­tels sind et­wa Rau­cher­loun­ges er­laubt, Spei­sen und Ge­trän­ke dür­fen aber nicht kon­su­miert wer­den. Rau­cher­be­rei­che darf es auch in „Räu­men öf­fent­li­cher Or­te“ge­ben, al­so et­wa in Ein­kaufs­zen­tren oder Bü­ro­ge­bäu­den. In Al­ten­hei­men, wo die Be­woh­ner als Mie­ter gel­ten, wird in der Haus­ord­nung ge­re­gelt, ob et­wa im ei­ge­nen Zim­mer oder in Rau­cher­zim­mern ge­raucht wer­den darf, heißt es vom Bun­des­ver­band der Al­ten­hei­me. Und ei­ne letz­te öf­fent­li­che In­sel für Rau­cher, die von der Neu­re­ge­lung un­be­rührt blieb, gibt es üb­ri­gens auch: die Ta­bakt­ra­fik.

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