Prä­ven­ti­on für die Mit­tel­schu­len

Kon­flik­te an Schu­len. Ein mil­lio­nen­schwe­res rot-grü­nes Pro­gramm will Schu­len un­ter­stüt­zen. Un­ter an­de­rem mit Mäd­chen­work­shops, Leh­r­er­fort­bil­dung und mehr An­ge­bo­ten für El­tern.

Die Presse - - ÖSTERREICH -

Dass sich in vie­len Schu­len in der Haupt­stadt kul­tu­rel­le und sons­ti­ge Kon­flik­te bal­len, ist nichts Neu­es. Nach­dem lan­ge Zeit dar­über lie­ber nicht ge­spro­chen wur­de, ist das The­ma zu­letzt stär­ker in den Fo­kus ge­rückt – an­ge­sto­ßen von Lehr­er­be­rich­ten über Ge­walt und Kul­tur­kon­flik­te. Ver­gan­ge­nes Schul­jahr gab es in Wi­en 176 An­zei­gen und 334 Su­s­pen­die­run­gen, die meis­ten Fäl­le in den Mit­tel­schu­len. In­zwi­schen wur­den ei­ne Kon­flikt­hot­line und neue So­zi­al­ar­bei­ter­teams ein­ge­rich­tet, die von man­chen frei­lich im­mer noch als Trop­fen auf den hei­ßen St­ein be­zeich­net wer­den.

Ge­star­tet wird ab Fe­bru­ar mit fünf Schu­len – in der Leo­pold­stadt, in Mar­ga­re­ten, Meid­ling, Ot­ta­kring und eben Sim­me­ring. Im Herbst fol­gen fünf wei­te­re Stand­or­te, al­les

Mit­tel­schu­len. An die­sen Schu­len be­ste­he Hand­lungs­be­darf – es sei­en aber nicht un­be­dingt die mit den al­ler­größ­ten Her­aus­for­de­run­gen in der Stadt, son­dern Wie­ner Durch­schnitt. Was an Mit­tel­schu­len frei­lich oh­ne­hin be­deu­tet, dass oft ei­ni­ges an Her­aus­for­de­run­gen zu­sam­men­kommt – von Mi­gra­ti­on bis Ar­mut, da­zu kom­men Ju­gend­kul­tur­the­men wie der Um­gang mit so­zia­len Me­di­en. Ins­ge­samt sol­len un­ter­schied­lichs­te Punk­te an­ge­gan­gen wer­den – von so­zia­len und kul­tu­rel­len Span­nun­gen über Rol­len­bil­der und Dis­kri­mi­nie­rung bis hin zu Mob­bing.

Zu­sätz­li­ches Per­so­nal im en­ge­ren Sinn be­kom­men die Schu­len hier nicht, es gibt viel­mehr ei­ne Be­glei­tung von au­ßen, de­ren Maß­nah­men je­weils über ein Jahr ge­hen. Kon­kret er­hal­ten die Schul­stand­or­te mit dem Pro­gramm – das vom Ver­ein Wie­ner Ju­gend­zen­tren um­ge­setzt wird – Un­ter­stüt­zung von ex­ter­nen Ko­ope­ra­ti­ons­part­nern. Ins­ge­samt sind 17 Ver­ei­ne aus Be­rei­chen wie Mäd­chen- und Bur­schen­ar­beit, El­tern­ar­beit, Kon­flikt­prä­ven­ti­on oder Kul­tur ein­ge­bun­den, dar­un­ter et­wa der An­ti­ras­sis­mus­ver­ein Za­ra, die De­mo­kra­tie­werk­statt oder das Team Prä­sent für Ge­walt­prä­ven­ti­on.

Die Maß­nah­men sind für je­de Schu­le un­ter­schied­lich: Die Stand­or­te wur­den vor­ab be­fragt, wo der größ­te Be­darf ist. In der Mit­tel­schu­le 1 am Enk­platz zum Bei­spiel ist das zen­tra­le The­ma Bur­schen und Mäd­chen, es soll auf Wunsch der Schü­ler ei­nen ei­ge­nen Bu­ben­und Mäd­chen­raum ge­ben, in dem die Ju­gend­li­chen Zeit ver­brin­gen kön­nen, un­ter an­de­rem wer­den auch Work­shops zur Selbst­be­stim­mung von Mäd­chen, zur Rol­le von Bu­ben und zu Hass im Netz durch­ge­führt. Nach­hal­tig wir­ken sol­len Fort­bil­dun­gen für Leh­rer, die von Kon­flikt­be­wäl­ti­gung bis zu ge­walt­frei­er Kom­mu­ni­ka­ti­on rei­chen. Auch für El­tern, für die der Gang in die Schu­le we­gen Sprach­bar­rie­ren und ge­rin­ger Bil­dung schwie­rig ist, soll es dann wei­te­re An­ge­bo­te und Be­ra­tungs­mög­lich­kei­ten ge­ben. „Die El­tern­ar­beit ist noch ei­ne Bau­stel­le“, sag­te Gün­gör.

Ziel der Sa­che ist ei­ne ver­bes­ser­te Schul­kul­tur. Am En­de des Jah­res soll an je­der Schu­le un­ter an­de­rem ein ei­ge­nes Schul­leit­bild ste­hen. Bis Mit­te 2021 wer­den die Maß­nah­men eva­lu­iert. Wenn sich das Pro­gramm be­währt hat, soll es in­ner­halb der Haupt­stadt wei­ter aus­ge­rollt wer­den.

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Ju­gend­ar­beit und Ver­ei­ne sol­len Schu­len hel­fen, Kon­flik­ten vor­zu­beu­gen. Das Pro­gramm könn­te grö­ßer aus­ge­rollt wer­den.

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