Meinl am Gr­a­ben will sich neu auf­stel­len

De­li­ka­tes­sen. Das Tra­di­ti­ons­haus Meinl am Gr­a­ben schließt im Som­mer 2021 für drei Mo­na­te, um vor al­lem die Tech­nik zu er­neu­ern. Gleich­zei­tig soll das Sor­ti­ment ad­ap­tiert wer­den. Das Ge­rücht ei­ner Schlie­ßung de­men­tiert der Ge­schäfts­füh­rer.

Die Presse - - WIEN -

Fast könn­te man mei­nen, da ste­cke Kal­kül da­hin­ter. Al­le hei­li­gen Zei­ten taucht das Ge­rücht auf, dass der Meinl am Gr­a­ben schlie­ßen soll und an­stel­le die­ser ku­li­na­ri­schen Wie­ner In­sti­tu­ti­on ei­ne Al­ler­welt­sket­te er­öff­nen wird. Al­lein die­se An­kün­di­gung zieht ei­ne Wel­le an So­li­da­ri­täts­be­kun­dun­gen – nicht nur in so­zia­len Netz­wer­ken – nach sich. Der­zeit streut der „Ku­ri­er“die­ses Ge­rücht und nennt die drei­mo­na­ti­ge Um­bau­pha­se als Hin­weis da­für.

„Wis­sen Sie, wie oft ich die­ses Ge­rücht schon ge­hört ha­be? Das be­glei­tet mich seit gut 16 Jah­ren“, sagt Udo Kau­bek, Ge­schäfts­füh­rer des Meinls am Gr­a­ben. Was aber sehr wohl stim­me, ist, dass „der Meinl“, wie er von den Wie­nern lie­be­voll ge­nannt wird, um­bau­en wird. Nächs­tes Jahr im Som­mer will man da­für drei Mo­na­te lang schlie­ßen, um vor al­lem die Tech­nik in­klu­si­ve al­ler Lei­tun­gen zu er­neu­ern. Im­mer­hin liegt der letz­te Um­bau rund 20 Jah­re zu­rück, 1999 wur­de zu­letzt re­no­viert. „Nach über 20 Jah­ren ist die Tech­nik ein­fach ka­putt, vor al­lem die gan­ze Küh­lung. Wir ha­ben da­durch ex­trem ho­he In­stand­hal­tungs­kos­ten“, sagt Kau­bek.

Au­ßer­dem wur­de erst un­längst ein Rechts­streit mit ei­nem der Ei­gen­tü­mer der Im­mo­bi­lie, in der der Meinl ein­ge­mie­tet ist, be­en­det. Der Meinl ist näm­lich Mie­ter von zwei Lie­gen­schaf­ten. Gr­a­ben 19 (wenn man da­vor­steht, die lin­ke Sei­te) ge­hört seit rund zehn Jah­ren der Si­gna. Bei der Haus­num­mer 20 ist man Mie­ter der Wüs­ten­rot-Ver­si­che­rung. Mit Ers­te­rer, al­so Re­ne´ Ben­kos Si­gna, gab es ei­nen län­ge­ren Rechts­streit, weil die­se die recht güns­ti­ge Mie­te er­hö­hen woll­te. „Aber ers­tens stammt die nicht aus den 1960er-Jah­ren, son­dern aus den 1990ern. Und es hat auch ei­nen Grund, war­um wir ei­ne güns­ti­ge Mie­te ha­ben. Wir ha­ben da­mals den Um­bau fi­nan­ziert, auch die sta­ti­schen Maß­nah­men, wes­halb der Ei­gen­tü­mer über­haupt auf­sto­cken konn­te“, sagt Kau­bek. Jetzt aber, da es Rechts­si­cher­heit durch ein OGH-Ur­teil gä­be, wol­le man end­lich re­no­vie­ren.

Und die Tech­nik (so wol­le man et­wa auf Fern­käl­te ne­ben Fern­wär­me set­zen) soll nicht das Ein­zi­ge sein, was er­neu­ert wird. Es wer­de ein paar Ad­ap­tie­run­gen im Sor­ti­ment ge­ben, um auch „Sor­ti­ment­trends“, wie Kau­bek sagt, ge­recht zu wer­den. So gä­be es star­ke Zu­wäch­se beim Tro­cken­sor­ti­ment und ei­ne Ver­schie­bung im Fri­sche­be­reich in Rich­tung Con­ve­ni­ence, al­so vor­be­rei­te­te, ge­brauchs­fer­ti­ge Pro­duk­te. Zum Bei­spiel kau­fe nie­mand mehr ei­nen gan­zen Sa­lat­kopf, vor­ge­schnit­te­ne und ge­wa­sche­ne Sa­lat­blät­ter in­klu­si­ve fer­ti­gen Dres­sings hin­ge­gen schon. „Und oft gibt es Men­gen, die man ein­fach nicht mehr braucht. Bei Chi­li­scho­ten zum Bei­spiel braucht nie­mand ein Sa­ckerl mit 20 Stück. Da wol­len wir klei­ne­re Por­tio­nen an­bie­ten, vi­el­leicht kom­bi­niert mit ge­schäl­tem Knob­lauch und Ing­wer.“Die Flei­sch­ab­tei­lung dürf­te al­ler­dings grö­ßer wer­den. „Die ist viel zu klein, und da­mit ha­be ich auch ge­sagt, wo es mehr Flä­chen ge­ben wird.“Und auch dem The­ma Craft Cof­fee wol­le man mit ei­ge­nen Pro­duk­ten mehr Platz ge­ben.

Kom­plett an­ders soll der Meinl nicht wer­den. „Der Cha­rak­ter des Ge­schäfts soll schon be­ste­hen blei­ben. Ein wei­te­res ge­sichts­lo­ses Ge­schäft braucht nie­mand“, so Kau­bek. Mo­bi­li­ar und Holz­stie­ge sol­len al­so er­hal­ten blei­ben, eben­so das Ser­vice. „Wir ha­ben ein­fach ei­nen Ser­vice­grad, das Know­how und auch die Nach­fra­ge da­nach.“

Of­fen ist al­ler­dings noch, wie sich das Re­stau­rant ver­än­dern wird. Kau­bek bleibt da lie­ber va­ge. Die nächs­ten Mo­na­te wol­le man sich in­ter­na­tio­nal um­schau­en und über­le­gen, was gut pas­sen wür­de. „Die Gas­tro­no­mie soll ein Face­lif­ting er­hal­ten, aber wir sind noch in Pla­nung, mehr kann ich da­zu noch nicht sa­gen.“Auf die Fra­ge, ob dar­aus aber auch ein Bur­ger­lo­kal wird, wie so oft, meint er nur: „Gott be­wah­re.“Die Yohm Su­shi Bar soll al­ler­dings blei­ben.

Der­zeit sei man aber noch in der Pla­nung, dann fol­gen der kon­kre­te Zeit­plan, die Aus­schrei­bung und die Fein­pla­nung. Fix scheint aber schon, dass im Som­mer 2021 für drei Mo­na­te zu­ge­sperrt wird. Das sei al­lein aus hy­gie­ni­schen Grün­den not­wen­dig, weil man un­ter an­de­rem auch die Bö­den auf­rei­ßen muss, um die Lei­tun­gen zu er­neu­ern. Kau­bek hofft aber, dass für die Bau­pha­se ein Aus­weich­quar­tier ge­fun­den wird. Er ha­be so­gar schon zwei mög­li­che Lo­ka­le da­für im Au­ge. Wel­che das sind, möch­te er aber noch nicht ver­ra­ten.

[ Cle­mens Fa­b­ry ]

Der Meinl am Gr­a­ben wird im Som­mer 2021 für drei Mo­na­te schlie­ßen, um sich zu er­neu­ern.

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