Pri­vat ko­chen im Haus mit fünf Hau­ben

Ru­di Obau­er zeigt, wie im Fünf-Hau­ben-Haus pri­vat ge­kocht wird – und hofft, dass die Kri­se ein neu­es Ver­ständ­nis für Zeit und Wer­tig­kei­ten bringt.

Die Presse - - VORDERSEIT­E - VON TE­RE­SA SCHAUR-WÜNSCH

Ru­di Obau­er pro­du­ziert Koch­vide­os, die er ins In­ter­net stellt.

er An­ruf er­reicht Ru­di Obau­er ein paar Mi­nu­ten spä­ter als aus­ge­macht. Er nimmt es ge­las­sen. „Zeit“, sagt er, „hat jetzt eh ei­nen an­de­ren Be­griff.“Wie so vie­les, das der­zeit an­ders ist. „Und wenn die­ser Wir­bel vor­bei ist, wird sich ei­ni­ges eh än­dern“, sagt er, und da­bei schwingt lei­se Hoff­nung mit. Was Zeit be­trifft, oder Ver­kehr.

Im Fern­se­hen, er­zählt Obau­er, ha­be er ei­ne Bank­an­ge­stell­te aus dem Bur­gen­land ge­se­hen. Die spre­che mit ih­ren Kol­le­gen der­zeit mehr, als wenn sie nach Wi­en ins Bü­ro pen­delt. Da, sagt Obau­er, gä­be es durch­aus Po­ten­zi­al für mehr Kli­ma­schutz.

Vor­ab hat der Salz­bur­ger Spit­zen­koch schon per Whats­App ein paar Bil­der durch­ge­schickt. „Mein Le­se­stoff“, er­klärt er. Dar­un­ter fin­det sich „Die Sanf­te Me­di­zin der Bäu­me“, von Förs­ter Er­win Tho­ma und Ma­xi­mi­li­an Mo­ser. Die Rück­sei­te von Gior­gio Lo­ca­tel­lis „Ma­de in Ita­ly“. Und ein Re­zept für Rog­gen­brot des Lun­gau­er Bau­ern Gun­ther Nay­nar. „Mit­te bis En­de Sep­tem­ber den Pflug ein­span­nen und die Bra­che pflü­gen“, lau­tet die ers­te An­wei­sung. „Fri­schen Acker ab­trock­nen las­sen. Acker eg­gen; im (vor­teil­haf­ten) Fall der Vor­frucht Erd­ap­fel kann das Pflü­gen ent­fal­len und so­gleich ge­eggt wer­den.“Zu­be­rei­tungs­dau­er: ca. ein Jahr. „Es hat“, sagt Obau­er, „ja kei­ner mehr ei­ne Ah­nung.“

Kar­fi­ol und Knö­del­brot

Er selbst, er­zählt der 59-Jäh­ri­ge, hat ge­ra­de sei­nen ers­ten Sau­er­teig an­ge­setzt (auch da­von gibt’s ein Fo­to). Sei

Frau hat­te sich Piz­za ge­wünscht – und He­fe ist der­zeit auch in Salz­bur­ger Ge­schäf­ten Man­gel­wa­re. „Mein Spruch ist ja: Zu­rück in die Zu­kunft“, sagt Obau­er. Wie die Rog­gen-Piz­za ent­steht, das kann man on­li­ne mit­ver­fol­gen: Seit ei­ner Wo­che pro­du­ziert er mit Bru­der Karl und an­de­ren Fa­mi­li­en­mit­glie­dern Vi­de­os fürs In­ter­net.

Fil­men, das sei sonst im­mer auf­wen­dig und kom­pli­ziert. „Ich hab im­mer schon ge­sagt: Ir­gend­wann ma­chen wir ein­mal ganz was Nor­ma­les. Und jetzt müs­sen wir eh da­heim sein.“Ent­stan­den ist die Idee am Sonn­tag vor zwei Wo­chen. Mit­tags hat­te man noch Ge­schäft ge­habt. Am Abend hät­ten er und sein Sohn Bert­hold sich an­ge­schaut und ge­meint: „Wir kön­nen ja jetzt nicht wo­chen­lang nichts tun.“

Seit­her filmt, wenn in der Fa­mi­lie oh­ne­hin ge­kocht wird, Bert­hold ein­fach mit. Da gibt es dann Knö­del­brot­auf­lauf oder ge­bra­te­nen Reis (mit oder oh­ne Hendlhaxn), Kar­fi­ol­sa­lat, Ge­mü­se­sup­pe, Erd­äp­fel­dat­schi oder Pa­latschin­ken; das Sau­er­kraut-Pa­pri­kaHendl fällt da schon fast un­ter ex­tra­va­gant. „Eggs“ist Obau­ers neu­es Leit­mo­tiv, das vi­el­leicht ein­mal ein Buch wird: Ein­fach, gut, ge­sund und schnell.

Da­hin­ter steckt auch die Be­ob­ach­tung, was Men­schen zu Be­ginn der Kri­se ein­ge­kauft ha­ben: Nu­deln und To­ma­ten­do­sen. Mehl ha­be kaum je­mand ge­nom­men. „Die Leu­te wis­sen nicht, was sie da­mit tun sol­len, da­bei ist es das Wich­tigs­te, was man in der Kü­che ha­ben soll­te. Mehl, Rog­gen, ein grif­fi­ges, ein glat­tes. Salz, Zu­cker, Germ, Pflan­zen­öl, But­ter, Schmalz, Milch, Rahm, Knob­lauch, Pfef­fer, Küm­mel, Ma­jo­ran, Zimt und Eier.“

An­de­re wie­der­um hät­ten so viel ein­ge­kauft, dass Le­bens­mit­tel schon wie­der im Müll lan­den. Statt­des­sen hofft er, dass vie­le jetzt end­lich ein­mal den In­halt ih­res Kühl­schranks auf­brau­chen, und mit dem, was da ist, krea­tiv um­ge­hen. Un­se­re Ge­sell­schaft, meint Obau­er, der sich den Lun­gau­er Bau­ern, al­ten Men­schen mit Le­bens­ge­schich­ten ver­bun­den fühlt, sei nur noch Über­fluss ge­wohnt. „Wir sind in ei­ner Zeit auf­ge­wach­sen, in der es im­mer nur berg­auf ge­gan­gen ist. Aber es ist nicht so un­lo­gisch: Dass ich, wenn ich auf den Berg ge­he, auch wie­der run­ter­ge­hen muss.“Aufs Ko­chen und die Ge­sell­schaft über­tra­gen hie­ße das, „dass zu­letzt nur ge­ern­tet wur­de, man aber auf das Sä­en ver­ges­sen hat“.

Obau­er hofft, dass die Co­ro­na- se auch da­zu bei­trägt, dass Hand­werks­be­ru­fe wie­der mehr wert­ge­schätzt wer­den. Dass wie­der mehr Men­schen Koch wer­den wol­len, aber auch Flei­scher, Bä­cker oder Zimmermann. Sei­ne ei­ge­ne Mann­schaft ist der­zeit auf Kurz­ar­beit, hat sich aber auf Whats­App ver­sam­melt. In der „Fein­spitz“-Grup­pe wird ge­teilt, was je­der selbst zu Hau­se kocht. Bei den Obau­ers gibt es als nächs­tes ei­nen Obau­er-Schweins­schopf. Ein Re­zept sei­ner früh ver­stor­be­nen Mut­ter, das es nur zu Ge­burts­ta­gen gab. Ge­gen zwei wird ge­kocht, ge­gen fünf ge­ges­sen. An­sons­ten lau­tet sein Re­zept: Lie­ge­stüt­ze, le­sen, Nach­rich­ten ver­fol­gen – von Letz­te­rem „aber nicht zu viel“.

[ Obau­er]

Karl (l.) und Ru­di Obau­er la­den der­zeit zur In­ter­net-Koch­show.

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