„Kog­ler kann sich nicht durch­set­zen“

Sport­po­li­tik. Sport-Aus­tria-Prä­si­dent Hans Niessl wet­tert ge­gen den Sport­mi­nis­ter, pran­gert wei­ter­hin feh­len­de Gel­der an und glaubt an bal­di­ge Sport­events „mit Zu­schau­ern, wie in der Kul­tur“.

Die Presse - - VORDERSEIT­E - VON MARKKU DATLER

Sport-Aus­tria-Prä­si­dent Hans Niessl wet­tert im In­ter­view ge­gen den Sport­mi­nis­ter.

Die Pres­se: Sie wa­gen ei­nen Vor­stoß, der in der Kul­tur schon fi­xiert ist, auch für den Sport. Mit Events vor Zu­schau­ern, da­mit es neue Per­spek­ti­ven gibt.

Hans Niessl: Ös­ter­reichs Sport braucht drin­gend ei­ne Per­spek­ti­ve im Sin­ne ei­ner ver­ant­wor­tungs­vol­len Nor­ma­li­tät. Wenn die In­fek­ti­ons­ra­te wei­ter zu­rück­geht, sol­len Mann­schafts- und Kon­takt­sport­ar­ten doch auch wie­der ei­ni­ger­ma­ßen nor­mal, un­ter ei­nem Co­ro­naHy­gie­ne­kon­zept, trai­nie­ren, Wett­kämp­fe vor Zu­schau­ern ab­hal­ten kön­nen. Wie­so nicht? Wenn sich die In­fek­tio­nen gra­vie­rend ver­än­dern, re­vi­diert man halt al­les. Wenn sich al­le dis­zi­pli­niert dar­an hal­ten, kann man Fans zu­las­sen.

Da­für braucht es aber sehr kla­re Vor­ga­ben, wie in der Kul­tur.

Na si­cher, es kann doch al­les li­mi­tiert sein. Mit 100, 500 und ir­gend­wann 1000 oder noch mehr Zu­schau­ern, je nach Fas­sungs­ver­mö­gen. In­door wie out­door. Wenn Kon­zep­te hal­ten mit kon­trol­lier­ter Zu­schau­er­an­zahl und ei­ge­nem Si­cher­heits- und Ge­sund­heits­kon­zept, glau­be ich schon dar­an.

Ab wann, und spielt dann et­wa Ra­pid vor 1000 Zu­schau­ern?

Bei Sta­di­en soll­te man an­ders rech­nen. In das Ra­pid-Sta­di­on pas­sen rund 28.000 hin­ein. Wenn wir ei­nen Pro­be­ga­lopp er­wä­gen mit ei­nem Drit­tel, al­so rund 9300, und die or­dent­lich ver­tei­len und kon­trol­liert zu ih­rem Sitz brin­gen, wä­re das ein An­fang! Die Fans zei­gen si­cher Be­reit­schaft zu ei­ser­ner Dis­zi­plin, weil sie sonst doch kei­ne Al­ter­na­ti­ve ha­ben. Am 29. Mai gibt es kul­tu­rel­le Events mit 100 Zu­schau­ern, ab 1. Ju­li mit 250 – mit 1. Au­gust sind es 1000. Und im Sport?

Spießt es sich nicht beim Ein­tritt und dem Ver­las­sen des Sta­di­ons? Dann strö­men ja al­le, wie beim Ba­de­schluss, auf ein­mal hin­aus. Es braucht ein Kon­zept, da­mit ein ge­wis­ser Ab­stand – auch ein zeit­li­cher – er­mög­licht wird. Und die nö­ti­gen Si­cher­heits­über­le­gun­gen.

War­um gibt es im Sport kei­nen Lu­kas Re­se­ta­rits? Al­so ei­nen Ath­le­ten mit Rang und Na­men, der auch so auf den Tisch haut? Den Re­se­ta­rits des Sports gibt es of­fen­sicht­lich nicht. Den­noch den­ke ich, dass auch der or­ga­ni­sier­te Sport sei­ne An­lie­gen un­über­hör­bar vor­ge­bracht hat. Un­se­re Ver­bän­de und Li­gen ar­bei­ten in die­ser Kri­se je­den­falls sehr gut und brin­gen Ide­en ein. Wie auch Ski­ver­band und Bun­des­li­ga. Der ÖSV hat

Durch­schlags­kraft, und die Fuß­bal­ler sind die zwei­ten nach der deut­schen Li­ga, die wie­der spie­len. So krass ist es al­so nicht. Sport bie­tet auch ge­nug Emo­ti­on.

Emo­tio­nen birgt die Af­fä­re Lask. Vi­de­os, ob aus Ibi­za oder Pa­schings Wald­sta­di­on, ha­ben in Ös­ter­reich gro­ße Wir­kung.

Ei­nes vor­weg: Ich mag kei­ne Ver­na­de­rung. Man muss die­se Af­fä­re ge­nau un­ter­su­chen und prü­fen, ob es ein wo­chen­lan­ges Sys­tem gab oder nicht. Dann wis­sen wir mehr, und da­nach muss ge­han­delt wer­den. Als Prä­si­dent von Sport Aus­tria er­war­te ich mir, dass sich al­le Ver­ei­ne ( Lask leg­te an­de­re Klubs be­las­ten­des Fo­to­ma­te­ri­al vor, Anm.) an die Vor­ga­ben hal­ten. Fuß­ball hat hier ei­ne wich­ti­ge Vor­rei­ter­rol­le für an­de­re Sport­ar­ten.

Stimmt es, dass wei­ter­hin kein Cent der von Mi­nis­ter Kog­ler An­fang April ver­spro­che­nen 100 Mil­lio­nen Eu­ro För­der­geld an den Sport ge­flos­sen ist?

Das stimmt! Der Vi­ze­kanz­ler hat sich da of­fen­sicht­lich nicht beim Fi­nanz­mi­nis­ter durch­set­zen kön­nen, das ist die Wahr­heit. Aus die­sem neu an­ge­kün­dig­ten För­der­topf von 700 Mil­lio­nen Eu­ro für Kul­tur-, So­zi­al- und Sport­ver­ei­ne müs­sen 200 bis 220 Mil­lio­nen Eu­ro in den Sport flie­ßen. Die In­stal­lie­rung die­ses Topfs wird aber wohl bis Ju­ni dau­ern. Es wä­re bes­ser, wenn es ei­nen ei­ge­nen Sport­topf gä­be, den et­wa die Bun­des-Sport Gm­bH ab­wi­ckeln könn­te. Das soll­te Wer­ner Kog­ler zu­las­sen, macht er aber nicht. War­um?

Auch die Strei­chung der Turn­stun­den ist ab­surd. Aber ein wei­te­rer Be­weis da­für, wel­chen Stel­len­wert Ös­ter­reichs Sport hat. Die Be­ra­tung des Un­ter­richts­mi­nis­ters wür­de mich in­ter­es­sie­ren, vor al­lem, auf wel­cher Ba­sis da – von wem – ent­schie­den wur­de. Ei­ne kom­plett fal­sche Be­ra­tung. Es geht doch um die Ge­sund­heit un­se­rer Kin­der, und die wur­de über­haupt nicht zur Kennt­nis ge­nom­men. Mit­ten in ei­ner Ge­sund­heits­kri­se streicht man den Sport­un­ter­richt. Un­ver­ständ­lich!

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