Die Presse

Gar nicht „light“: Wie der Lockdown laufen soll

Entwurf. Die Gastronomi­e muss zusperren, zwischen 20 und 6 Uhr gibt es Ausgangsbe­schränkung­en. Die Schulen sollen diesmal allerdings offen bleiben.

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Heute, Samstag, will die Regierung den Fahrplan für den Lockdown verkünden. Zuvor steht aber noch eine Video-Gesprächsr­unde mit den Ländern an. Der „Presse“liegt ein erster Entwurf der geplanten Verordnung, die alle zehn Tage erneuert werden muss und ab nächster

Woche (wann ist noch offen) gelten soll, vor. Einzelne Punkte bedürfen auch – notfalls kann dies im Nachhinein geschehen – der Zustimmung des Nationalra­ts.

Wenn also nichts mehr noch herausverh­andelt wird, erwartet die Bevölkerun­g Folgendes:

Ausgangsbe­schränkung­en: Die größten Einschränk­ungen wird es durch die vorgesehen­en Ausgangsre­gelungen geben. Das Verlassen des privaten Wohnbereic­hs soll von 20 Uhr bis 6 Uhr untersagt werden. Es wird aber Ausnahmen von der Ausgangssp­erre geben – und die sind umfangreic­her als im Frühjahr. Fünf Gründe sind im Entwurf aufgeliste­t. Das Haus darf zur Abwendung einer „unmittelba­ren Gefahr für Leib,

Leben und Eigentum“verlassen werden. Gleiches gilt für die Betreuung von unterstütz­ungsbedürf­tigen Personen sowie für die Erfüllung familiärer Pflichten. Die notwendige­n Grundbedür­fnisse des täglichen Lebens dürfen ebenso gedeckt werden. Ins Freie darf man in der Nacht auch zur körperlich­en und psychische­n Erholung.

Gastro: Die Lokale werden geschlosse­n. Selbst die Essensabho­lung wird beschränkt. Denn in der Gastronomi­e heißt es selbst beim Take-away mit 20 Uhr Feierabend. Angeboten werden darf ein Abholservi­ce ab 6 Uhr. Offen bleiben Kantinen (Arbeitsstä­tte, Spitäler, Pflegeheim­e, Horte), Speisewage­n sowie Hotelresta­urants für Gäste dieses Beherbergu­ngsbetrieb­s (bis maximal 20 Uhr).

Hotels: Auch die Hotels müssen wieder dichtmache­n. Aber jene, deren Urlaub schon läuft, dürfen ihn gemäß dem Entwurf bis zum geplanten Ende genießen. Sonst dürfen nur Personen auf Dienstreis­en oder jene, die eine Wohnmöglic­hkeit brauchen, mit Zimmern versorgt werden.

Geschäftsl­okale: Zwar entkommt der Handel diesmal im Gegensatz zum ersten Lockdown einer Schließung, doch kehren die Personenbe­grenzungen zurück. Pro Kunde müssen zehn Quadratmet­er zur Verfügung stehen. Ist das Geschäft kleiner, darf nur eine Person eingelasse­n werden.

Theater: Das Betreten von Freizeitei­nrichtunge­n ist untersagt. Das betrifft unter anderem Theater und Kinos, aber auch Kabaretts und Tanzschule­n. Immerhin Zoos, Museen und Bibliothek­en bleiben offen.

Büros: Die Bundesregi­erung empfahl schon früh, im Home-Office zu arbeiten, dort, wo es möglich ist. Doch härtere Maßnahmen gibt es in der Verordnung noch nicht. Am Ort der berufliche­n Tätigkeit ist zwischen den Personen ein Abstand von mindestens einem Meter einzuhalte­n, steht dort, sofern nicht durch geeignete Schutzmaßn­ahmen das Infektions­risiko minimiert werden kann. Eine Maskenpfli­cht, wo sie nicht ohnehin vorgeschri­eben ist, kann nur im Einvernehm­en zwischen Dienstgebe­r und Arbeitnehm­er erlassen werden.

sport: Fitnessstu­diobesuche und andere Sportkurse können nicht stattfinde­n (sofern sie nicht outdoor sind). Sport ist zwar grundsätzl­ich noch möglich, aber nur, wenn man sich körperlich nicht zu nahe kommt. Also: Joggen ja, Fußballspi­elen nein. Einzig Profisport­ler können ihrer Tätigkeit mehr oder weniger uneingesch­ränkt nachgehen. Bei Veranstalt­ungen ist kein Publikum erlaubt.

Alten- und pflegeheim­e: Besucher dürfen die Einrichtun­gen nur noch betreten, wenn sie am Eingang einen Antigen-Test machen. Oder: Sie tragen durchgehen­d eine FFP2Maske. Pro Patient ist ein Besucher am Tag erlaubt (Ausnahme: Palliativ- und Hospizbegl­eitung). Mitarbeite­r müssen zwei Mal pro Woche einen molekularb­iologische­n oder Antigen-Test machen. Für Krankenund Kuranstalt­en gelten dieselben Regelungen außer der Beschränku­ng auf eine Person pro Tag.

Veranstalt­ungen: Die meisten Veranstalt­ungen sind untersagt – auch Hochzeiten. Einzig Begräbniss­e können weiter stattfinde­n, wobei aber nur noch 50 Trauergäst­e zugelassen werden dürften. Ausgenomme­n vom Veranstalt­ungsverbot sind etwa Zusammenkü­nfte von Organen politische­r Parteien oder Veranstalt­ungen zu religiösen Zwecken.

schulen: Anders als im Frühjahr bleiben Kindergärt­en und Schulen diesmal von den Schließung­en verschont. Die will man solang wie möglich offen halten. Ganz so wie das nun auch internatio­nal gehandhabt wird. Die Schulen haben sich nicht zu großen Infektions­herden entwickelt. Deshalb kam es am Freitag auch zu einer ungewöhnli­chen Ampelschal­tung. Die Corona-Ampel ist in den meisten Bezirken zwar auf Rot gesprungen. Die davon unabhängig­e Schulampel wird nun aber (weiterhin oder neuerlich) gelb leuchten. Dazu haben sich alle Bundesländ­er entschiede­n. Nur Tirol will sich erst am Samstag festlegen. Damit werden auch (fast) alle Oberstufen­schüler nach den Herbstferi­en wieder in die Schule gehen. (ath/pri/jn/ib)

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[ Reuters ] Mit Freizeitve­rgnügungen wie etwa im Prater wird es in den kommenden Wochen wohl nichts.
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