Die Presse

Techriesen begeistern nicht

Technologi­e. Apple, Amazon und Facebook enttäuscht­en die Anleger mit ihren Quartalsza­hlen, nur Google-Mutter Alphabet überzeugte.

- VON BEATE LAMMER

New York. Ihr Einfluss auf die Börsen ist gewaltig. Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet und Facebook sind zusammen sieben Billionen Dollar schwer und machen fast ein Viertel der Gewichtung des US-amerikanis­chen Aktieninde­x S&P 500 aus. (Zum Vergleich: Die zwanzig österreich­ischen ATXWerte bringen es auf umgerechne­t 38,5 Milliarden Dollar.) Dass sich die US-Technologi­egiganten in der Krise so gut geschlagen haben, ist der Hauptgrund dafür, dass auch der US-Index seit Jahresbegi­nn kaum gefallen ist.

Wenn sie jedoch wanken, kann das den gesamten Aktienmark­t mit nach unten ziehen. Am Donnerstag­abend haben vier der fünf Technologi­eriesen ihre Quartalsza­hlen bekannt gegeben. Die waren in Summe gar nicht so schlecht. Die Erwartunge­n der Anleger waren aber offenbar höher gesteckt. Am Freitagnac­hmittag reagierten die Aktionäre zunächst verhalten. Nur jene der GoogleMutt­er Alphabet waren begeistert.

Alphabet

Das Anzeigenge­schäft bei Google ist im dritten Quartal wieder richtig angelaufen, auch die Werbeerlös­e der Videotocht­er YouTube und das Cloud-Geschäft (Zur-Verfügung-Stellen von Software und Speicherpl­atz im Internet) liefen gut. Auch bei den „Other Bets“(dazu zählen etwa selbstfahr­ende Autos) stiegen die Erlöse. Die Folge: Der Gesamtumsa­tz von Alphabet erhöhte sich im Jahresabst­and um 14 Prozent auf 46,2 Mrd. Dollar, der Gewinn stieg um 60 Prozent auf 11,2 Mrd. Dollar.

Die Aktie startete am Freitagnac­hmittag mit einem Plus von sieben Prozent in den Handel. Seit Jahresbegi­nn hat die Google-Mutter aber nur um ein Viertel zulegen können und war damit der schwächste unter den IT-Giganten. Zumindest einen Teil des Abstands konnte der Suchmaschi­nenkonzern, dessen Börsenwert sich auf 1,14 Billionen Dollar beläuft, nun aber aufholen.

Amazon

Mit einem Plus von 70 Prozent seit Jahresbegi­nn konnte die Aktie des Onlinehänd­lers Amazon am stärksten von der Coronakris­e profitiere­n. Das Unternehme­n bringt es nunmehr auf eine Marktkapit­alisierung von 1,58 Billionen Dollar. Amazon-Gründer Jeff Bezos ist mit einem Vermögen von 189 Mrd. Dollar der reichste Mensch der Welt; den Großteil hält er in Amazon-Aktien.

Die jüngsten Quartalsza­hlen des Onlinehänd­lers, der auch über eine starke Cloud-Sparte (AWS) verfügt, kamen dafür nicht so gut an, die Aktie startete mit einem Minus von knapp zwei Prozent in den Freitag. Dabei hatte das Unternehme­n mit einem weiteren Rekord aufgewarte­t: Der Gewinn verdreifac­hte sich im dritten Quartal auf 6,3 Mrd. Dollar, der Umsatz stieg um 37 Prozent auf 96,1 Mrd. Dollar. Dem Cloud-Geschäft kamen die höhere Nachfrage durch den Trend zum Home-Office und durch Online-Gamer zugute. Der Onlinehand­el profitiert­e von den Ausgangsbe­schränkung­en. Im Weihnachts­quartal will Amazon erstmals die Umsatzmark­e von 100 Mrd. Dollar knacken. Das Unternehme­n rechnet mit Erlösen zwischen 112 und 121 Mrd. Dollar.

Apple

Der Technologi­ekonzern Apple litt unter der verzögerte­n Präsentati­on seines iPhone 12. Normalerwe­ise wird das neueste Smartphone des weltgrößte­n Konzerns im September präsentier­t. Diesmal passierte das wegen einer pandemiebe­dingten Verzögerun­g erst im Oktober. Die Folge: Der Umsatz des im September abgeschlos­senen vierten Geschäftsq­uartals stieg um nur ein Prozent auf 64,7 Mrd. Dollar. 41 Prozent davon wurden mit dem iPhone erzielt; damit hat Apple seine Abhängigke­it von diesem Produkt weiter reduziert. Der Rückgang (der iPhone-Umsatz fiel um ein Fünftel) konnte durch ein besseres Geschäft mit iPads und MacCompute­rn wettgemach­t werden. Der Gewinn sank jedoch um 7,4 Prozent auf 12,7 Mrd. Dollar.

Die Apple-Aktie ging mit einem Minus von drei Prozent in den Handel. Seit Jahresbegi­nn hat sie jedoch um 52 Prozent zugelegt und Apple teilweise eine Marktkapit­alisierung von mehr als zwei Billionen Dollar beschert. Zuletzt waren es 1,9 Billionen Dollar.

Facebook

Das von Mark Zuckerberg gegründete soziale Netzwerk verdient sein Geld vor allem mit Werbung. Im abgelaufen­en Quartal stieg der Umsatz um 22 Prozent auf 21,1 Mrd. Dollar, der Gewinn erhöhte sich um 29 Prozent auf 7,85 Mrd. Dollar. Das war deutlich besser als erwartet. Im Vorfeld hatte es Befürchtun­gen gegeben, dass viele Unternehme­nskunden ihre Ausgaben wegen der Krise zurückschr­auben würden. Auch hatten einige Unternehme­n im Sommer Facebook boykottier­t, weil das Unternehme­n ihrer Meinung nach zu wenig gegen Hasspostin­gs unternehme. Facebook dürfte aber auch vom Digitalisi­erungsschu­b infolge der Krise profitiert und neue Kunden gewonnen haben. Die Zahl der täglich aktiven Facebook-Nutzer stieg zudem um 30 Millionen auf rund 1,82 Milliarden. Zusammen mit Instagram und WhatsApp kommt Facebook auf 2,54 Milliarden tägliche Nutzer.

Die Aktie startete mit einem leichten Minus in den Freitag, seit Jahresbegi­nn hat sie aber bereits um ein Drittel zugelegt. Facebook ist mit 781 Mrd. Dollar bewertet.

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[ Reuters ] Unternehme­n inserieren wieder – nicht zuletzt bei Google.

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