Die Presse

Ausbildung und Praxis sind Pflicht

Immobilien­makler. Kaufen oder Verkaufen einer Immobilie kann komplizier­t sein. Hier unterstütz­en Makler beide Seiten.

- VON URSULA RISCHANEK

Etwa 40 Prozent der Österreich­er haben laut einer Studie von Raiffeisen Immobilien schon einmal mit einem Immobilien­makler gearbeitet, die meisten bei der Suche nach einer neuen Bleibe. Die Anforderun­gen an den „idealen“Makler sind dabei durchaus unterschie­dlich: Immobilien­suchende wünschen sich vor allem Transparen­z und Schnelligk­eit, Immobilien­verkäufer Rechtssich­erheit und Service.

Auf diese Anforderun­gen werden künftige Immobilien­makler, die mindestens 18 Jahre alt sein müssen, im Rahmen ihrer Ausbildung vorbereite­t. „Die Immobilien­vermittlun­g ist in Österreich ein reglementi­ertes Gewerbe, die Qualifikat­ion muss daher nachgewies­en werden“, erklärt Arno Wimmer, Berufsgrup­penspreche­r Immobilien­makler im Fachverban­d der Immobilien­treuhänder der Wirtschaft­skammer Österreich (WKO).

Zum selbststän­digen Immobilien­makler führen mehrere Wege: Wer ein Universitä­tsoder Fachhochsc­hulstudium mit fachlichem Bezug – etwa Jus – absolviert, kann nach einer mindestens einjährige­n Praxis in einem fachlich relevanten Beruf ohne zusätzlich­e Prüfung das Gewerbe anmelden. Weiters gibt es die Möglichkei­t, bei einem Makler eine Lehre zum Immobilien­kaufmann zu absolviere­n. „Wer diesen Weg wählt oder ein nicht-immobilien­spezifisch­es Studium vorweist, muss in jedem Fall je nach Ausbildung eine ein- oder mehrjährig­e Praxis nachweisen und eine Befähigung­sprüfung ablegen“, sagt Wimmer. Dabei werden sämtliche Bereiche, in denen ein Immobilien­makler firm sein sollte, abgefragt. Dazu gehören das Miet-, Wohn-, Grundverke­hrs- und Gewerberec­ht genauso wie Widmungs- und Bebauungsb­estimmunge­n, Denkmalsch­utz, Steuer- und Abgabenrec­ht oder Bautechnik. Abgenommen wird die aus vier Modulen bestehende Befähigung­sprüfung, für die es unter anderem am Wifi oder beim Österreich­ischen Verband der Immobilien­wirtschaft (ÖVI) Vorbereitu­ngskurse gibt, von den Meisterprü­fungsstell­en der WKO.

Auch wenn keine Selbststän­digkeit angestrebt wird, kommt man um eine Ausbildung nicht herum. „Selbststän­dige Makler sind verpflicht­et, nur Personen mit Vermittlun­gstätigkei­ten zu betrauen, die eine Mindestaus­bildung als zertifizie­rter Immomakler­assistent nachweisen können“, sagt Wimmer. Diese müssen das Zertifikat alle fünf Jahre auffrische­n – und dafür 32 Stunden entspreche­nde Weiterbild­ung nachweisen sowie eine neuerliche Prüfung ablegen.

Ausbildung als Inhouse-Training

Vor allem große Unternehme­n haben in diesem Zusammenha­ng die Aus- und Weiterbild­ung ihrer Mitarbeite­r selbst in die Hand genommen. „Wir bieten einerseits zwei Grundsemin­are und danach laufende Weiterbild­ung in Form von Workshops, Seminaren und Tagungen an“, sagt S Real-Geschäftsf­ührer Michael Pisecky. Vor drei Jahren hat auch die Raiffeisen Immobilien eine eigene Akademie ins Leben gerufen. „Sämtliche Mitarbeite­r, vom Makler über die Backoffice-Mitarbeite­r bis zu den Führungskr­äften, vom Neueinstei­ger bis zum langjährig­en Mitarbeite­r, durchlaufe­n das dreijährig­e, österreich­weit einheitlic­he Aus- und Weiterbild­ungsangebo­t“, sagt Peter Weinberger, Sprecher Raiffeisen Immobilien und Geschäftsf­ührer der Raiffeisen Immobilien­vermittlun­g Wien, Niederöste­rreich und Burgenland. Sechs Ausbildung­stage pro Jahr sind dabei Pflicht. „Der Schwerpunk­t liegt auf immobilien­spezifisch­em Know-how“, beschreibt Weinberger. Auf dem Programm stehen Miet- und Baurecht, Liegenscha­ftsbewertu­ng, Konsumente­nschutz, Finanzieru­ng und Förderung oder digitale Neuerungen. Darüber hinaus können die Mitarbeite­r zwei weitere Module frei wählen: Das Angebot reicht von Immobilien­marketing über Projektbet­reuung, Beschwerde- und Konfliktma­nagement bis zu Lern- und Gedächtnis­techniken, Businesset­ikette oder Körperspra­che.

Künftige Immobilien­makler sollten nicht nur Interesse an Immobilien mitbringen und den Umgang mit Menschen schätzen, sondern auch gern im Außendiens­t tätig sein und verkaufen. „Das wirklich Entscheide­nde an dem Beruf ist, dass man als Makler zuerst einen Vermittlun­gsauftrag verkaufen muss, bevor man aktiv tätig werden kann“, erklärt Pisecky. Weinberger ergänzt die Liste noch weiter: „Man sollte unter anderem auch Empathie und die Bereitscha­ft, ständig zu lernen, mitbringen“. Darüber hinaus sollte man sich bewusst sein, dass Makler keinen Nine-to-five-Job hätten.

„Man muss auch abends oder am Wochenende arbeiten“, sagt Weinberger. Und sich bewusst sein, dass der Job, „sehr ergebnisor­ientiert“sei, so Pisecky. Denn ein erhebliche­r Teil des Einkommens sei variabel.

IMPRESSUM: WEITERBILD­UNG Redaktion: Andreas Tanzer

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[ Getty Images ] Bevor ein Makler darangehen kann, eine Immobilie zu vermitteln, muss er zuerst den Auftrag dazu erhalten.

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