Si­sis Mo­de­ge­heim­nis­se

Geschichte - - SISI-INHALT -

Ex­klu­si­ve Mo­destre­cke: Eli­sa­beths schöns­te Klei­der, Pel­ze und Ac­ces­soires. Das Ge­heim­nis hin­ter dem Ster­nen­kleid.

Kai­se­rin Eli­sa­beth kauf­te bei den teu­ers­ten Schnei­dern und be­saß die ex­qui­si­tes­ten Klei­der ih­rer Zeit. Für ih­re gla­mou­rö­sen Auf­trit­te nutz­te Si­si sämt­li­che Mo­detricks.

Kai­se­rin Eli­sa­beth weiß, dass sie ih­re au­ßer­ge­wöhn­li­che Schön­heit durch die Wahl der rich­ti­gen Klei­der noch un­ter­strei­chen kann. Sie folgt zwar nicht blind je­dem Trend, aber sie setzt sich ernst­haft mit Mo­de aus­ein­an­der. Si­si weiß ge­nau, wel­che Schnit­te, wel­che Ma­te­ria­li­en ihr am bes­ten ste­hen. Und sie weiß, wie sie Mo­de ein­set­zen muss, um ih­ren be­rühmt gla­mou­rö­sen Auf­tritt zu ha­ben.

Nur die bes­ten Wie­ner Mo­de­häu­ser und die be­gab­tes­ten Schnei­de­rin­nen dür­fen die Kai­se­rin zu ih­ren Kun­din­nen zäh­len. Je­des ein­zel­ne von Si­sis Klei­dern, selbst die ein­fachs­ten Ta­ges­klei­der, sind Kunst­wer­ke, an de­nen meh­re­re Nä­he­rin­nen wo­chen­lang ge­ar­bei­tet hat­ten. Für ih­re gro­ßen Auf­trit­te lässt Si­si aber in Pa­ris bei Charles Worth, dem teu­ers­ten Cou­turi­er sei­ner Zeit, schnei­dern. Al­ler­dings fährt sie für An­pro­ben nie wie an­de­re Da­men in des­sen Mo­de­haus in der Rue de la Paix, son­dern Mit­ar­bei­ter des Hau­ses Worth fah­ren nach Wi­en, um Si­sis Klei­dern hier den letz­ten Schliff zu ge­ben. Dass Si­si in Pa­ris, noch da­zu beim teu­ers­ten Mo­de­schöp­fer des Kon­ti­nents, ar­bei­ten lässt, wird nicht an die gro­ße Glo­cke ge­hängt. We­der wirbt Charles Worth mit sei­ner be­rühm­ten Kun­din, noch dringt aus Si­sis Um­ge­bung et­was nach au­ßen. Denn dass die ös­ter­rei­chi­sche Kai­se­rin im Aus­land teu­re Lu­xus­mo­del­le or­dert, kä­me in der Öf­fent­lich­keit nicht gut an. Erst nach Eli­sa­beths Tod be­stä­tig­te das Mo­de­haus Worth, dass Si­si ei­ne lang­jäh­ri­ge und treue Kun­din war.

An Si­sis er­hal­te­nen Klei­dern kann man die mo­di­schen Ve­rän­de­run­gen ih­rer Zeit ab­le­sen. Als Eli­sa­beth jung an den Kai­ser­hof kam, herrscht noch die Mo­de der run­den Reif­rö­cke; durch un­zäh­li­ge Un­ter­rö­cke wird das ge­wünsch­te wei­te Vo­lu­men der Klei­der er­reicht. In den ers­ten Jah­ren ih­rer Ehe setzt sich dann die so­ge­nann­te „Kri­no­li­ne“durch: Statt ei­ner Un­men­ge an Un­ter­rö­cken, wird jetzt ei­ne Stahl­rei­fen­kon­struk­ti­on un­ter dem Kleid ge­tra­gen, die den Rö­cken das ge­wünsch­te Vo­lu­men gibt, sie brin­gen es schließ­lich auf ei­nen Durch­mes­ser von bis zu drei Me­tern. „Zwei­tes Ro­ko­ko“nennt man die­se Mo­de, die Si­si zwi­schen ih­rem 25. und 35. Le­bens­jahr trägt und von der un­zäh­li­ge Fo­tos exis­tie­ren.

Knapp nach Si­sis 30. Ge­burts­tag ver­schwin­det die Kri­no­li­ne, und die so­ge­nann­te „Tour­nü­re“kommt jetzt in Mo­de: Die weib­li­che Sil­hou­et­te wird nun schlan­ker und ge­streck­ter. Die Hüf­ten wer­den nicht mehr un­ter vo­lu­mi­nö­sen Stof­fen ver­steckt, son­dern sicht­bar ge­formt. Die Stoff­men­gen wer­den nach hin­ten ge­zo­gen, üp­pig dra­piert und en­den in ei­ner lan­gen Schlep­pe. Ge­gen En-

de von Si­sis Le­ben kom­men Klei­der im ein­fa­chen „Schnei­der-stil“in Mo­de. Die un­be­que­me Schlep­pen ver­schwin­den wie­der, die Klei­der wer­den na­tür­li­cher, we­ni­ger vo­lu­mi­nös und en­ger am Kör­per an­lie­gend.

Auch die Far­ben von Si­sis Klei­dern än­der­ten sich im Lauf der Zeit. In Eli­sa­beths Ju­gend kön­nen Stof­fe nur mit Pflan­zen­far­ben ge­färbt wer­den, dem­ent­spre­chend hell und we­nig farb­in­ten­siv ist die Mo­de. Man trägt Weiß, Bei­ge und hel­le Pa­s­tell­far­ben. 1854, im Jahr von Eli­sa­beths Hoch­zeit, wer­den Anil­in­far­ben – Teer­far­ben – er­fun­den, die Farbaus­wahl wird nun grö­ßer und Klei­der in in­ten­si­ve­ren Far­ben be­gehr­ter: Sat­te Rot-, Blau-, und Vio­lett­tö­ne wer­den nun en vogue. Si­sis Lieb­lings­far­be, veil­chen­blau, kann nun end­lich um­ge­setzt wer­den. Auch die Stof­fe än­dern sich im Lauf der Zeit. Für fest­li­che Ro­ben be­vor­zugt Si­si in jun­gen Jah­ren Tüll und Mus­se­li­ne, spä­ter ten­dier­te sie zu schwe­ren Sil­ber- und Gold­bro­ka­ten.

Die An­pro­ben dau­ern St­un­den, auch des­halb, weil Si­si schwer zu­frie­den­zu stel­len ist. Je­de ih­rer Ro­ben muss per­fekt sit­zen und Si­sis aus­ge­zeich­ne­te Fi­gur zur Gel­tung brin­gen. Selbst die Reit­klei­der muss­ten per­fekt sit­zen. Um zu se­hen, wie ein Kleid fiel, wenn Eli­sa­beth auf dem Pferd saß – schließ­lich woll­te Si­si auch bei Reit­jag­den die Schöns­te sein – stu­dier­te die Kai­se­rin den Schnitt der Reit­klei­der auf ei­nem Holz­pferd sit­zend vor ih­rem Spie­gel in den kai­ser­li­chen Ap­par­te­ments. Die Schnei­der und ih­re As­sis­ten­ten müs­sen in die­ser un­ge­wöhn­li­chen Stel­lung die nö­ti­gen Än­de­run­gen am Kleid vor­neh­men.

Kai­se­rin Eli­sa­beth war zwar kein „fa­shion vic­tim“, aber sie in­ves­tier­te viel Zeit und En­er­gie in ih­ren mo­di­schen Auf­tritt – Sie hat­te schließ­lich ei­nen Ruf zu ver­lie­ren.

Nur die bes­ten Wie­ner Mo­de­häu­ser und die be­gab­tes­ten Schnei­de­rin­nen konn­ten die Kai­se­rin zu ih­ren Kun­din­nen zäh­len.

Si­sis so­ge­nann­tes „lich­tes“Kleid, ei­nes der we­ni­gen hel­len Klei­der, das sie nach dem Selbst­mord ih­res Soh­nes trug. Wahr­schein­lich hat­te Eli­sa­beth die­ses Mo­dell bei der Hoch­zeit ih­rer Toch­ter im Jahr 1890 an.

Das Ori­gi­nal­kleid, das Si­si am Vor­abend ih­rer Hoch­zeit, am 23. April 1854, trug. Zar­te Sti­cke­rei­en wur­den in wo­chen­lan­ger Ar­beit auf hauch­fei­nem Mus­se­lin auf­ge­tra­gen. Aus kon­ser­va­to­ri­schen Grün­den darf das Kleid heu­te nicht mehr aus­ge­stellt wer­den.

Ei­ne Re­plik von Si­sis un­ga­ri­schem Krö­nungs­kleid aus dem Hau­se Worth, her­ge­stellt in Pa­ris 1867. Der Durch­mes­ser des Ro­ckes be­trägt fast drei Me­ter, das schwar­ze sam­te­ne Mie­der wur­de mit Brüs­se­ler Spit­ze und Per­len ver­ziert.

Links: Ein Ta­ge­kleid, das um 1875 her­ge­stellt wur­de. Un­ten und lin­ke Sei­te im De­tail: Ei­ne so­ge­nann­te „gro­ße Ho­fro­be“Eli­sa­beths mit Schlep­pe, um 1880. In ei­ner sol­chen Ro­be er­schien Si­si zu Au­di­en­zen.

Oben: Ein schwar­zes Samt­kleid Si­sis, das Charles Worth zu­ge­schrie­ben wird, um 1870. Klei­der wie die­ses wur­den bei Di­ners im klei­nen Kreis ge­tra­gen, für ei­nen gro­ßen of­fi­zi­el­len An­lass wä­re das Mo­dell zu sch­licht ge­we­sen.

Kai­se­rin Eli­sa­beth in ei­ner präch­ti­gen Kri­no­li­ne, um 1865. Ei­ne Stahl­rohr­kon­struk­ti­on er­mög­lich­te bei Rö­cken den ge­wünsch­ten Durch­mes­ser von zwei Me­tern.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.