Wenn Si­si auf Rei­sen ging

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Ei­ne Rei­se­kos­ten­ab­rech­nung der Kai­se­rin be­legt: Si­si gab ein Ver­mö­gen für lu­xu­riö­se Rei­sen aus.

… dann konn­te das schon vier Mil­lio­nen Eu­ro kos­ten. Denn auf Lu­xus woll­te Si­si auch in der Fer­ne nicht ver­zich­ten.

So­sehr Eli­sa­beth ih­re Po­si­ti­on als First La­dy ih­res Lan­des ab­lehnt und ih­re Re­prä­sen­ta­ti­ons­pflich­ten auf ein Mi­ni­mum re­du­ziert – an den lu­xu­riö­sen Li­fe­style, den die­se Stel­lung mit sich bringt, hat sie sich al­ler­dings ge­wöhnt. Auf die­sen Lu­xus will Si­si auch auf ih­ren Rei­sen nicht ver­zich­ten.

Im Ok­to­ber 1870 zieht es Si­si für ein hal­bes Jahr nach Meran in Süd­ti­rol. Hier will sie sich fern von der habs­bur­gi­schen Ver­wandt­schaft er­ho­len. Da ei­ne Kai­se­rin je­doch nicht ein­fach mo­na­te­lang auf Ur­laub sein kann, wird der zar­te Ge­sund­heits­zu­stand von Si­sis klei­ner Toch­ter Ma­rie Va­le­rie vor­ge­scho­ben. Die­se müs­se ih­rer zar­ten Ge­sund­heit we­gen „den Som­mer in ei­nem gu­ten Kli­ma“ver­brin­gen, so ver­mel­den es zu­min­dest die Zei­tun­gen.

Si­sis Mer­an­auf­ent­halt ver­deut­licht, wel­cher Auf­wand ge­trie­ben wer­den muss­te, wenn die Kai­se­rin ih­re Rei­se­lust be­frie­di­gen woll­te: Vor Si­sis Ur­laubs­an­tritt müs­sen Mit­glie­der der Hof­ver­wal­tung vor­aus­fah­ren, um ein pas­sen­des Quar­tier für die Kai­se­rin und ih­ren Hof­staat zu su­chen. Die Wahl fällt auf Schloss Trautt­mans­dorff, auf ei­nem Hang vor Meran ge­le­gen. Für das Ge­fol­ge wer­den zu­sätz­lich noch die na­he ge­le­ge­nen Schlös­ser Ra­metz und Ru­bein so­wie zwei gro­ße Vil­len an­ge­mie­tet.

Die Kai­se­rin wird schließ­lich mit ei­nem rie­si­gen Ge­fol­ge an­rei­sen, das aus 102 Per­so­nen be­steht: Oberst­hof­meis­ter, Hof­da­men, Se­kre­tä­re, Zo­fen, Kam­mer­die­ner, Ba­de­frau­en, Hof­kö­che, Wasch­frau­en so­wie Reit­leh­rer und Stall­knech­te; schließ­lich be­glei­ten auch 27 Pfer­de die Kai­se­rin nach Meran. Vor Ort wer­den aber noch wei­te­re 100 Hilfs­kräf­te für Ar­bei­ten im und rund um das Schloss ein­ge­stellt. Be­vor die Kai­se­rin nach Meran auf­bricht, müs­sen sämt­li­che Mö­bel aus Wi­en nach Süd­ti­rol ge­bracht wer­den, denn die kar­ge Mö­blie­rung des Schlos­ses ent­spricht nicht Si­sis Stan­dard. Au­ßer­dem wird auch sämt­li­ches Ar­beits­ma­te­ri­al für die Be­diens­te­ten – Kü­chen­aus­stat­tung, Ta­fel­ge­schirr, Werk­zeu­ge, Be­leuch­tung – aus Wi­en an­ge­lie­fert. Selbst ein neu­er Feu­er­lösch­wa­gen mit Was­ser­sprit­zen wird an­ge­kauft, um für ei­nen even­tu­el­len Not­fall ge­rüs­tet zu sein.

Die Kos­ten für die­sen Auf­wand sind ex­or­bi­tant: Al­les in al­lem wird der ge­sam­te sechs­mo­na­ti­ge Auf­ent­halt in Meran 330.000 Gul­den kos­ten (um­ge­rech­net knapp vier Mil- lio­nen Eu­ro). Al­lei­ne die Mie­ten für Si­sis Ur­laubs­re­si­denz und die Ne­ben­ge­bäu­de be­tra­gen 50.000 Gul­den (rund 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro), al­lein um 23.000 (ca. 280.000 Eu­ro) Gul­den wur­de Schloss Trautt­mans­dorff vor An­kunft der Kai­se­rin re­no­viert.

Aus die­sen lo­gis­ti­schen Schwie­rig­kei­ten hat­te der kai­ser­li­che Hof ge­lernt. Künf­tig wur­den ein­fach gan­ze Ho­tels ge­mie­tet, die Hof­ver­wal­tung konn­te da­mit auf ei­ne be­ste­hen­de In­fra­struk­tur zu­rück­grei­fen. So wur­de et­wa für Si­sis jähr­li­che Som­mer­auf­ent­hal­te in Bay­ern am Starn­ber­ger See das bes­te Ho­tel vor Ort an­ge­mie­tet. Es schloss wäh­rend die­ser Zeit sei­nen re­gu­lä­ren Be­trieb und stand aus­schließ­lich der Kai­se­rin zur Ver­fü­gung. Auch Si­si selbst gibt sich nun be­schei­de­ner, sie be­gnüg­te sich ab nun mit ei­nem fünf­zig­köp­fi­gen Ge­fol­ge und 15 Pfer­den als Rei­se­be­glei­tung.

Si­si wur­de auf Rei­sen von über hun­dert Per­so­nen be­glei­tet.

Lu­xus auch un­ter­wegs: Oben: der per­sön­li­che Rei­se­wag­gon Eli­sa­beths. Links: Tei­le des Rei­se­ser­vices.

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