TO­DES­UR­SA­CHE GEISTESVERWIRRUNG?

Geschichte - - TO DESURSACHE? -

Am 2. Fe­bru­ar 1889 wur­de ein Aus­zug des Ob­duk­ti­ons­be­rich­tes in der amt­li­chen „Wie­ner Zei­tung“ver­öf­fent­licht - Zwei­fel an des­sen Wahr­heits­ge­halt set­zen so­fort ein. Das Gut­ach­ten im Ori­gi­nal­wort­laut: 1. Sei­ne k. u. k. Ho­heit, der Durch­lauch­tigs­te Kron­prinz ist zu­nächst an der Zer­trüm­me­rung des Schä­dels und der vor­de­ren Hirn­par­ti­en ge­stor­ben. 2. Die­se Zer­trüm­me­rung ist durch ei­nen aus un­mit­tel­ba­rer Nä­he ge­gen die rech­te vor­de­re Schlä­fe ab­ge­feu­er­ten Schuss ver­an­lasst wor­den. 3. Ein Schuss aus ei­nem Re­vol­ver mitt­le­ren Ka­li­bers war ge­eig­net, die be­schrie­be­ne Ver­let­zung zu er­zeu­gen.

4. Das Pro­jek­til wur­de nicht vor­ge­fun­den, da es durch die über dem lin­ken Ohr kon­sta­tier­te Aus­schus­s­öff­nung aus­ge­tre­ten war.

5. Es un­ter­liegt kei­nem Zwei­fel, dass sei­ne k. u. k. Ho­heit sich den Schuss selbst bei­ge­bracht hat und dass der Tod au­gen­blick­lich ein­ge­tre­ten ist.

6. Die vor­zei­ti­gen Ver­wach­sun­gen der Pfeil- und Kranz­näh­te, die auf­fäl­li­ge Tie­fe der Schä­del­gru­be und der so­ge­nann­ten „fin­ger­för­mi­gen Ein­drü­cke“an der in­ne­ren Flä­che der Schä­del­kno­chen, die deut­li­che Ab­fla­chung der Hirn­win­dun­gen und die Er­wei­te­rung der Hirn­kam­mern sind pa­tho­lo­gi­sche Be­fun­de, wel­che er­fah­rungs­ge­mäß mit ab­nor­men Geis­tes­zu­stän­den ein­her­zu­ge­hen pfle­gen und da­her zur An­nah­me be­rech­ti­gen, dass die Tat in ei­nem Zu­stand von Geistesverwirrung ge­sche­hen ist. un­ter­schrie­ben: Ho­f­rat Dok­tor E. Hoff­mann, Pro­fes­sor der ge­richt­li­chen Me­di­zin. Pro­fes­sor Hans Kund­rath, Vor­stand des atho­lo­gisch-ana­to­mi­schen In­sti­tuts. Pro­fes­sor Dok­tor Her­mann Wi­der­ho­fer, K. K. Leib­arzt.

Leib­arzt Dr. Her­mann Wi­der­ho­fer

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