Frau starb: Kla­gen­ge­gen Heil­prak­ti­ker

In Bay­ern steht Heil­prak­ti­ker we­gen fahr­läs­si­ger Tö­tung vor Ge­richt. In Kärn­ten for­dert An­walt 110.000 Eu­ro für An­ge­hö­ri­ge.

Kleine Zeitung Kaernten - - Kärnten - MA­NUE­LA KALSER

Ei­ne Frau starb mit Mit­te 40 an Brust­krebs. Wä­re ihr frü­her Tod zu ver­hin­dern ge­we­sen? Die­se Fra­ge be­schäf­tigt mitt­ler­wei­le die Jus­tiz in Deutsch­land und in Kärn­ten.

Wie be­rich­tet, war die Un­ter­kärnt­ne­rin vier Jah­re lang bei ei­nem deut­schen Heil­prak­ti­ker in Be­hand­lung, ge­gen den es jetzt ei­ne An­kla­ge gibt. Die Staats­an­walt­schaft Regensburg wirft dem Mann fahr­läs­si­ge Tö­tung vor, weil er die Krebs­pa­ti­en­tin mit teu­ren ho­möo­pa­thi­schen Mit­teln und ris­kan­ten Hor­mo­nen be­han­delt hat, an­statt sie an Fach­ärz­te zu über­wei­sen.

„Er hat die ein­deu­ti­ge Krebs­dia­gno­se igno­riert, die von Schul­me­di­zi­ner zu­vor ge­stellt wur­de. Und er hat der Frau ein­ge­re­det, dass sie nur an ei­ner Brust­ent­zün­dung lei­de“, er­klärt Ernst Mai­ditsch, der An­walt der Hin­ter­blie­be­nen. In ih­rer Angst vor der Krank­heit ha­be sich die Frau an je­den Stroh­halm ge­klam­mert und dem Heil­prak­ti­ker ver­traut.

Ne­ben der An­kla­ge in Deutsch­land gibt es ge­gen den Heil­prak­ti­ker auch ei­ne Scha­dens­er­sat­zund Schmer­zens­geld­kla­ge am Lan­des­ge­richt Klagenfurt. Denn die Ver­stor­be­ne hin­ter­lässt ei­ne schul­pflich­ti­ge Toch­ter und ei­nen Ehe­mann. An­walt Mai­ditsch for­dert für die Hin­ter­blie­be­nen 111.000 Eu­ro Ent­schä­di­gung plus Haf­tung für al­le Fol­ge­schä­den.

„Der Heil­prak­ti­ker hät­te die Frau ei­nem Kran­ken­haus zu­wei­sen müs­sen. Das ist sei­ne Pflicht. Der frü­he Tod der Mut­ter wä­re zu ver­hin­dern ge­we­sen, wenn sie recht­zei­tig ope­riert wor­den wä­re“, sagt Mai­ditsch. Die Ver­hal­tens­wei­se des Heil­prak­ti­kers sei für den Tod der Frau im Jahr 2013 ver­ant­wort­lich.

„Der Heil­prak­ti­ker hat sei­ne er­wor­be­nen Fä­hig­kei­ten so­wie die Gren­zen sei­nes Wis­sens und Kön­nens be­wusst über­schrit­ten“, be­tont Mai­ditsch. Das sei al­les do­ku­men­tiert.

In der zi­vil­recht­li­chen Kla­ge be­fin­den sich sei­ten­wei­se Ho­no­rar­no­ten des Heil­prak­ti­kers. „Al­lein für Me­di­ka­men­te und Be­hand­lun­gen hat die Frau rund 27.500 Eu­ro be­zahlt.“Das Zi­vil­ver­fah­ren in Kärn­ten wur­de – bis zur Ent­schei­dung in Deutsch­land – un­ter­bro­chen. Für den Heil­prak­ti­ker gilt die Un­schulds­ver­mu­tung. Er ist un­be­schol­ten. Sei­ne An­wäl­tin war trotz mehr­ma­li­ger Ver­su­che nicht er­reich­bar. Ernst Mai­ditsch, An­walt der Hin­ter­blie­be­nen der ver­stor­be­nen Frau

„Der

frü­he Tod der Mut­ter wä­re zu ver­hin­dern ge­we­sen, wenn sie recht­zei­tig ope­riert wor­den wä­re.“

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