Ru­mo­ren in schwar­zen Län­dern

Un­ge­wohnt hef­tig ha­ben VP-Lan­des­chefs auf Vor­schlä­ge der Kurz-Ko­ali­ti­on re­agiert. Die Angst ist, zu Be­fehls­emp­fän­gern de­gra­diert zu wer­den.

Kleine Zeitung Kaernten - - Politik - Von Micha­el Jung­wirth

In den ÖVP-ge­führ­ten Bun­des­län­dern ru­mort es. Über den Bun­des­kanz­ler und ÖVP-Chef Se­bas­ti­an Kurz lässt nie­mand et­was kom­men. Der 31-jäh­ri­ge Aus­nah­me­po­li­ti­ker hat nicht nur das Kanz­ler­amt für die Volks­par­tei, die sich im Bund mit der Rol­le als ewi­ger Zwei­ter ab­zu­fin­den schien, zu­rück­er­obert. Bei den Wah­len in Nie­der­ös­ter­reich, Salz­burg

und Ti­rol hat Kurz den

schwar­zen Lan­des­par­tei­en ei­nen ge­wal­ti­gen Rü­cken­wind be­schert.

Bei dem von Kurz an­ge­streb­ten Um­bau der Re­pu­blik kom­men sich der tür­kis re­gier­te Bund und die schwarz do­mi­nier­ten Län­der zu­neh­mend ins Ge­he­ge. Bei der Zu­sam­men­le­gung der Kran­ken­kas­sen, den fi­nan­zi­el­len Im­pli­ka­tio­nen der Re­form der Not­stands­hil­fe, der Aus­ga­ben­brem­se bei den Spi­tä­lern, Aspek­ten der Fle­xi­bi­li­sie­rung der Ar­beits­zeit hat man in den schwar­zen Län­dern noch ge­schwie­gen. Kri­tik wur­de bis­her nur in­tern ge­äu­ßert – bei den re­gel­mä­ßi­gen in­for­mel­len

Tref­fen von Kurz mit den ÖVP-Län­der­chefs und bi­la­te­ral am Te­le­fon.

Um­so hef­ti­ger ist die ver­ba­le Erup­ti­on in der Fra­ge der Kin­der­be­treu­ung. Be­kannt­lich ha­ben ges­tern die Bund-Län­derVer­hand­lun­gen über neue fi­nan­zi­el­le Zu­wei­sun­gen für den Aus­bau von Kin­der­gär­ten und Kin­der­krip­pen in den Län­dern be­gon­nen. Das An­ge­bot der Bun­des­re­gie­rung sieht Kür­zun­gen (110 statt 140 Mil­lio­nen), neue Stan­dards und ei­ne Ver­knüp­fung mit dem Kopf­tuch­ver­bot vor.

Ober­ös­ter­reichs Lan­des­haupt­mann Tho­mas Stel­zer nahm sich ge­gen­über der Klei­nen Zei­tung kein Blatt vor den Mund. „Po­li­tik auf Au­gen­hö­he sieht an­ders aus.“Die vom Bund fest­ge­leg­ten Kri­te­ri­en gin­gen „an der Rea­li­tät und an den Be­dürf­nis­sen voll­kom­men vor­bei“. Das Kopf­tuch­ver­bot be­für­wor­te er grund­sätz­lich, nur: „Was hat das Geld für die Kin­der­be­treu­ung mit dem Kopf­tuch­ver­bot zu tun? Das sind zwei ver­schie­de­ne Paar Schu­he und ge­hö­ren ge­son­dert ver­han­delt.“

Stel­zer klagt auch über die selbst­herr­li­che Art der Bun­des­re­gie­rung. Oh­ne Vor­an­kün­di­gung sei „ein wei­te­res Schrift­stück“zum Con­trol­ling bei den Leh­rern ein­ge­trof­fen. „Es ist ei­ne Fra­ge des Stils, vor­her mit den Bun­des­län­dern zu re­den.“

Nicht min­der hef­tig hat auch Vor­arl­bergs Lan­des­haupt­mann Mar­kus Wall­ner re­agiert. Für ihn sei der Vor­schlag zur Kin­der­be­treu­ung „so nicht um­setz­bar“. Am meis­ten Kopf­zer­bre­chen be­rei­te ihm die lan­ge Rei­he an Kri­te­ri­en für die Mit­tel­ver­ga­be. Die­se führ­ten zu ei­ner Ver­bü­ro­kra­ti­sie­rung, sei­en „pra­xis­fern“und „hoff­nungs­los über­zo­gen“, so Wall­ner. Der Vor­ent­wurf müs­se „gründ­lich neu über­ar­bei­tet“wer­den.

Deut­lich mo­de­ra­ter im Ton hat­te sich Salz­burgs Lan­des­haupt­mann Wil­fried Has­lau­er am Di­ens­tag im ORF-„Re­port“ge­gen die Li­nie des Kanz­lers beim hu­ma­ni­tä­ren Blei­be­recht für in­te­grier­te Lehr­lin­ge mit ne­ga­ti­vem Asyl­be­scheid aus­ge­spro­chen. „Das wer­den wir mit­ein­an­der aus­dis­ku­tie­ren. Es ist das We­sen der De­mo­kra­tie, dass man nicht im­mer ei­ner Mei­nung ist.“

APA

Bürs­ten ge­gen den tür­ki­sen Strich: Wil­fried Has­lau­er, Tho­mas Stel­zer, Mar­kus Wall­ner

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