Fins­ter­nis?

Kleine Zeitung Kaernten - - Politik -

Was ich als Talk­show-Mo­de­ra­tor wirk­lich am meis­ten has­se, sind Gäs­te, die ih­re ers­te Wort­mel­dung mit dem Satz „Dar­um geht’s doch ei­gent­lich gar nicht“be­gin­nen. Trotz­dem muss ich das jetzt tun: „Auf­bruch oder Fins­ter­nis“ist wirk­lich nicht die Fra­ge. In­zwi­schen wis­sen so­gar ein, zwei „Fal­ter“-Jour­na­lis­ten, dass es sel­ten so schlimm ist, wie wir be­fürch­ten, und sel­ten so gut, wie wir hof­fen. Sie, Thurn­her, der Sie ein Dia­lek­ti­ker von Gna­den sind und ein Lieb­ha­ber des Hei­sen­berg’schen Ver­gleichs­we­sens, wür­den ver­mut­lich sa­gen wol­len: Es ist der Auf­bruch in die Fins­ter­nis. Ich fan­ge mit bei­dem nichts an und wür­de mei­nen, dass das ers­te Jahr die­ser Re­gie­rung von ei­ner Durch­schnitt­lich­keit ist, die so­wohl der Angst­lüs­ter­ne als auch der Hoff­nungs­be­dürf­ti­ge für nie­der­schmet­ternd hal­ten könn­te.

Ver­su­chen wir al­so zu dif­fe­ren­zie­ren. Zwei der drei Lang­zeit­di­lem­ma­ta der ös­ter­rei­chi­schen Po­li­tik wer­den uns von die­ser Re­gie­rung ex­em­pla­risch vor­ge­führt. Ers­tens, die po­li­ti­sche Rech­te ist nicht re­gie­rungs­fä­hig und dürf­te, wenn es mit rech­ten Din­gen zu­geht, mit die­sem Per­so­nal in kei­ner Re­gie­rung ver­tre­ten sein. Muss ich Na­men nen­nen? Spä­ter. Zwei­tens wei­gert sich die Mit­te, ihr Pro­gramm zu be­nen­nen (weil sie kei­nes hat?), und schweigt. Sie be­schränkt sich auf me­di­al ge­steu­er­te Po­pu­la­ri­tät ih­res Spit­zen­manns. Die­se lei­tet sich haupt­säch­lich da­von ab, dass er sei­nen un­mög­li­chen Part­ner mög­lich macht und da­zu nichts sagt, al­so nicht strei­tet, wo­mit er zu­min­dest Di­lem­ma eins wei­ter ver­schärft.

„Die po­li­ti­sche Rech­te ist nicht re­gie­rungs­fä­hig“ge­hört zu den Sät­zen, die bei mir das gro­ße Gäh­nen aus­lö­sen, Thurn­her. Was ge­nau soll denn das hei­ßen? Wie de­fi­nie­ren Sie Re­gie­rungs­fä­hig­keit? Die Ge­wohn­heit der wohl­le­bi­gen Lin­ken, al­les, was ih­nen äs­the­tisch nicht in den Kram passt, mit dem eri­gier­ten Moral­zei­ge­fin­ger zu be­dro­hen, hat doch die po­li­ti­sche Rech­te erst re­gie­rungs­fä­hig im Sin­ne der Mehr­heits­fä­hig­keit ge­macht. Aber dass sich die Mit­te wei­gert, ihr Pro­gramm zu be­nen­nen, ist wahr, vor­aus­ge­setzt, wir ei­ni­gen uns dar­auf, dass „die Mit­te“al­le sind. Dass sich die Po­pu­la­ri­tät Se­bas­ti­an Kurz’ haupt­säch­lich da­von ab­lei­tet, dass er die FPÖ mög­lich macht, ist ein Irr­tum, der dem am­tie­ren­den Kanz­ler sehr nütz­lich ist. Er wird sich aber bei Ih­nen nicht da­für be­dan­ken.

Al­so, lang­wei­len möch­te ich nie­man­den, nicht ein­mal Sie. The pro­of of the pud­ding is in the ea­ting. Die Re­gie­rungs­un­fä­hig­keit der Rech­ten be­steht ers­tens in ih­rer Un­fä­hig­keit und zwei­tens dar­in, dass sie sich von staats­feind­li­chen, ver­fas­sungs­feind­li­chen Ele­men­ten un­ge­nü­gend ab­set­zen oder mit die­sen ko­ket­tie­ren und sie so­gar in Po­si­tio­nen des Staa­tes hie­ven. Die al­te Sa­che mit dem Ver­fas­sungs­bo­gen. Ein In­nen­mi­nis­ter, der rechts­wid­rig han­delt, ist da­für ein Bei­spiel, falls Sie sich an die Raz­zia auf das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz und Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung er­in­nern, ei­ne der Glanz­ta­ten die­ser Re­gie­rung. Was Se­bas­ti­an Kurz be­trifft: Sein Nichts­sa­gen macht ihn po­pu­lär. Dass er sei­ne rech­ten Part­ner da­mit le­gi­ti­miert, ist nur ein Teil die­ses Pro­gramms, das er im Üb­ri­gen von Wolf­gang Schüs­sel ab­ge­kup­fert hat. Der konn­te we­nigs­tens poin­tiert schwei­gen.

Wenn je­mand der Mei­nung ist, dass der In­nen­mi­nis­ter rechts­wid­rig ge­han­delt hat, steht ihm der Rechts­weg of­fen, ich ha­be bis­her nicht ver­nom­men, dass das je­mand ge­tan hät­te. Wenn doch,

APA

Nur Licht, nur Schat­ten – oder doch da­zwi­schen? Wo steht Ös­ter­reich nach ei­nem Jahr Kur­zS­tra­che?

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