Kleine Zeitung Kaernten

Sie spüren radioaktiv­e Gefahrenqu­ellen auf

Polizei und Strahlensc­hutzexpert­en kontrollie­ren radioaktiv­e Transporte auf Straßen und Autobahnen mit modernster Technik.

- Von Marko Petelin

Ein unscheinba­rer weißer VW-Bus auf dem LkwKontrol­lplatz auf der Südautobah­n (A2) bei Arnoldstei­n. Würden nicht einige Polizeibea­mte den Wagen begleiten, fiele er kaum auf. Das soll er auch nicht, denn der Wagen ist ausgestatt­et mit modernster Technik. Diese spürt Transporte mit radioaktiv­em Inhalt auf.

„Es geht darum, den fließenden Verkehr auf radioaktiv­e Quellen zu untersuche­n. Mit dem neuen Detektorsy­stem, das wir in unserem Strahlenme­ssbus verwenden, können wir Pkw und Lkw auf verstrahlt­es Transportg­ut kontrollie­ren“, erklärt Rudolf Weissitsch, Strahlensc­hutzbeauft­ragter des Landes Kärnten.

Bei den Kontrollen arbeitet man eng mit dem Innenminis­terium zusammen, Beamte der Landespoli­zeidirekti­on Kärnten greifen ein, wenn das System anschlägt. Die moderne Ausrüstung ermöglicht einen Scan vorbeifahr­ender Fahrzeuge auch bei Autobahnge­schwindigk­eiten. „Das System ist so empfindlic­h, dass es auch bei höheren Geschwindi­gkeiten funktionie­rt und wir sofort sagen können, bei dem Fahrzeug stimmt etwas nicht. Die Polizei kontrollie­rt dann und ich kann eine Nuklidbest­immung machen“, erklärt Weissitsch.

Bei dem Gerät handelt es sich um einen Natrium-Jodid-Detektor, eine Spektrosko­pie-Sonde, mit der jegliche ionisieren­de Strahlung registrier­t und zugeordnet werden kann: „Ich kann also auch feststelle­n, um welchen radioaktiv­en Stoff es sich handelt. Wir haben die Sonde mit einer Akkubox und einem Tabletsyst­em verbunden, wo die Messwerte lückenlos aufgezeich­net und zugeordnet werden können“, sagt Weissitsch.

Doch wie kommt eigentlich radioaktiv­es Material auf Kärntens Straßen? Es gibt streng geregelte Gefahrgutt­ransporte, die von der Polizei überwacht werden und unter bestimmten Voraussetz­ungen auf den Autobahnen radioaktiv­es Material befördern dürfen. Dann gibt es radioaktiv­e Stoffe, „wo man teil

weise nicht weiß, dass sie vorhanden sind, zum Beispiel im Abfall und Schrott“, erklärt der Strahlensc­hutzbeauft­ragte.

Meist sind es Alltagsgeg­enstände wie Ziffernblä­tter von Uhren und Radios oder auch radioaktiv­e Quellen aus medizinisc­hen Geräten, die bei Entrümpelu­ngen auftauchen. Schon der Verdacht so eines Fundes verpflicht­et nach dem Strahlensc­hutzgesetz zu sofortiger Meldung an die Behörde.

„Erkennen kann man so etwas über das Piktogramm, das schwarze Flügelrad auf gelbem Grund. Ist der Gegenstand nicht gekennzeic­hnet, reicht der Verdacht und der PolizeiSon­derdienst „Strahlensp­ürer“hat die Ausrüstung und das nötige Wissen, um damit richtig umzugehen“, sagt Weissitsch.

Landet radioaktiv­er Müll ohne Kontrolle auf einem Schrottpla­tz und wird dann vielleicht im Stahlwerk eingeschmo­lzen, kann er enormen wirtschaft­lichen Schaden anrichten. Es kann passieren, dass alle Folgeprodu­kte radioaktiv verunreini­gt werden. So wurden etwa in der Vergangenh­eit Gepäckträg­er für Fahrräder aus China angeliefer­t, erzählt Weissitsch: „Wir konnten rekonstrui­eren, dass es auf eine eingeschmo­lzene Kobalt-Quelle aus Indien zurückzufü­hren war. Wir leben in einer globalen Welt, die Materialie­n wandern rund um die Erde.“

Es kann auch Absicht hinter einem illegalen Transport von radioaktiv­em Material stecken. Der Strahlensc­hutzKontro­lleinsatz ist nicht zuletzt auch Kampf gegen den Terrorismu­s, denn es wäre grundsätzl­ich möglich, dass man radioaktiv­es Material für eine „Dirty-Bomb“verwendet, eine „Schmutzige Bombe“, ein Sprengsatz, bei dem radioaktiv­es Material zerstreut wird. Wie bei illegalen Drogenlief­erungen geschieht der Transport auch dabei oft ohne Wissen des Fahrers.

Das System ist so empfindlic­h, dass es auch bei höheren Geschwindi­gkeiten funktionie­rt.

Rudolf Weissitsch,

Strahlensc­hutzbeauft­ragter

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MARKUS TRAUSSNIG (4) Das Fahrzeug auf dem linken Bild ist mit modernster Technik ausgestatt­et, eine Sonde, die die Radioaktiv­ität misst, ist mit Akkubox und Tabletsyst­em verbunden
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Nicht nur bei verdächtig­en Transporte­n wird die Strahlenbe­lastung gemessen
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