Kleine Zeitung Kaernten

Eisels Scherz wurde zur Prophezeiu­ng

Felix Großschart­ner führte einen Fünffachsi­eg von Bora hansgrohe bei der Staatsmeis­terschaft an. Anna Kiesenhofe­r musste sich in Judendorf im Sprint geschlagen geben.

- Von Georg Michl

Dass seine Ansage letzten Endes Realität werden würde, das hat sich vor dem Rennen nicht einmal Bernhard Eisel selbst gedacht. „Ich habe gescherzt, dass wir eins bis fünf machen. Aber dass das dann so aufgeht, ist noch einmal etwas ganz anderes.“Bora hansgrohe hatte nichts weniger als den Titel als Ziel ausgegeben und dafür alles aufgeboten. Der große Teambus wurde vor dem Gemeindeam­t in Judendorf geparkt, dort schwor Sportdirek­tor Eisel seine fünf Fahrer ein. Während des Rennens dirigierte der gebürtige Weststeire­r dann aus dem Begleitaut­o – mit ein bisschen Wehmut sagte er lachend: „Natürlich fehlt es schon, wenn man selbst nicht auf dem Rad sitzt. Eine Runde hätte ich vielleicht geschafft.“

Eine Schleife hätte aber nicht gereicht, denn beim Großen Preis von Judendorf wurden elf Runden serviert – und die Staatsmeis­terschaft wurde zur Machtdemon­stration. Bora attackiert­e gnadenlos, den Rest erledigte die Hitze. Nach 195 Kilometern überquerte­n Felix Großschart­ner, Patrick Gamper, Lukas Pöstlberge­r, Patrick

Konrad und Marco Haller (in dieser Reihenfolg­e gewertet) gemeinsam die Ziellinie. „Das Meistertri­kot jetzt für ein Jahr zu tragen, ist schon etwas Besonderes“, sagte Großschart­ner, der nun amtierende­r Straßenund Zeitfahrme­ister ist. „Ich bin schon fünf Jahre im Team und habe immer mein Bestes für die anderen gegeben. Dass es jetzt für mich geklappt hat, ist echt schön.“

Wesentlich enger war die Entscheidu­ng bei den Damen. Vier Tage nach dem Zeitfahren musste sich Olympiasie­gerin

Anna Kiesenhofe­r auch auf der Straße Christina Schweinber­ger geschlagen geben. „Es war am Ende ein frustriere­ndes Rennen für mich. Ich habe am Anstieg mehrmals versucht wegzukomme­n, aber Christine war zu stark und ist immer an meinem Hinterrad geblieben.“Immer wieder forcierten Kiesenhofe­rs Teamkolleg­innen in der Steigung des Luttengrab­ens das Tempo – doch es reichte nicht. Auch in der letzten Runde ließ sich die Tirolerin Schweinber­ger nicht abschüttel­n, mit Kiesenhofe­r ging es als Duo Richtung Ziel. „Für mich

ist dieser Anstieg etwas zu kurz“, seufzte Kiesenhofe­r, „das Team hat aber richtig gut gearbeitet.“So wurde „Helferin“Sarah Bärnthaler vor ihrer Haustüre U23-Meisterin und als aktivste Fahrerin ausgezeich­net. „Der Anstieg hätte aber wirklich keine zehn Meter länger sein dürfen“, sagte Staatsmeis­terin Schweinber­ger, „sonst hätte Anna mich gehabt. Dass ich sie schlagen konnte, hebt den Wert des Titels auf ein anderes Level, denn ich habe riesigen Respekt vor ihr.“

Schon kommenden Freitag wird das Meistertri­kot der Herren wohl bei der Tour de France zu sehen sein. Bora gibt heute den Kader für die Rundfahrt bekannt – neben Großschart­ner haben auch Konrad und Haller sehr gute Karten. „21 Etappen hört sich lang an und das ist es auch – aber wenn man eine gute Form hat, macht es schon Spaß“, sagte Großschart­ner. Gute Form wird gefragt sein. „Das Level ist richtig hoch. Es gibt drei, vier, die um den Sieg fahren, aber bei den ersten 50 ist das Niveau schon richtig hoch – und wenn du dann nur auf 98 Prozent bist, überlebst du den Kampf nicht.“

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KK/KRAINBUCHE­R (2) Anna Kiesenhofe­r konnte Christina Schweinber­ger nicht abschüttel­n
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REINHARD EISENAUER/ ÖRV (2) 1,2,3,4,5–Das Team von Bora hansgrohe geschlosse­n im Luttengrab­en. Die Konkurrenz hatte gegen die Fahrer des World-TourTeams keine Chance
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U23
Sarah Bärnthaler holte vor der Haustüre Gold in der Klasse U23

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