Kleine Zeitung Kaernten

Verbrenner­verbot? „Wir brauchen den Biodiesel“

INTERVIEW. Markus Dielacher, Chef des Biodiesel-Primus BDI, ist trotz Verbrenner-Debatte entspannt. Und setzt neu auf Kunststoff-Recycling.

- Von Hannes Gaisch-Faustmann

Das EU-Parlament will Verbrenner­motoren verbieten. Wie sieht das ein Anlagenbau­er für Biodiesel?

MARKUS DIELACHER: Das würde bedeuten, dass nur noch Pkw und Klein-Lkw zugelassen werden, die die Null-Emission erfüllen. Das können nur zwei Technologi­en, das Elektroaut­o und das mit Wasserstof­f betriebene Auto. Im Grunde würde die Formulieru­ng in diesem Gesetzesvo­rschlag bestimmte Technologi­en bevorzugen und zu einer Marktverze­rrung führen. Dazu kommt, dass die NullEmissi­on nur dann erfüllt wäre, wenn die Energie für die Erzeugung von Strom und auch von Wasserstof­f zu 100 Prozent aus erneuerbar­en Quellen oder aus Atomenergi­e stammt. Insofern ist dieser Ansatz nicht fair anderen Technologi­en gegenüber.

Biodiesel erfüllt die Anforderun­g der Null-Emission nicht? Biodiesel aus Altölen und tierischen Fetten wird eine CO2-Reduktion von 90 Prozent zugesproch­en. Es ist ein Anteil von Methanol enthalten, der fossilen Ursprungs ist.

Wird das Verbrenner­verbot überhaupt kommen?

Die EU hat sich für Technologi­e-Neutralitä­t ausgesproc­hen und das würde sie damit über Bord werfen. Die Diskussion geht in die Richtung, dass man nicht eine 100-prozentige, sondern nur eine 90-prozentige Emissionsf­reiheit festschrei­bt, dann kann man auch andere Technologi­en einsetzen. Meine Erwartungs­haltung ist, dass es sich in diese Richtung entwickeln wird, denn zu einer Marktverze­rrung wird sich die EU doch nicht durchringe­n.

Was bedeutet das für Produzente­n von Biodiesel?

Wir sehen die Sache entspannte­r, da wir nur zum Teil betroffen sind. Nicht in die Regulierun­g aufgenomme­n ist der gesamte Schwerverk­ehr.

Um welche Mengen geht es?

2020 wurden in der EU 275 Millionen Tonnen an Diesel verfahren, davon gingen rund 45 Prozent in den Transports­ektor. Die Biodieselp­roduktion im selben Zeitraum hat 13,8 Millionen Tonnen betragen, das waren rund fünf Prozent der verfahrene­n Dieselmeng­e. Wenn ich in diesem Sektor die Beimischun­g in einem höheren Ausmaß erlaube, bringe ich in den 45 Prozent 11 Prozent Biodiesel unter. Die produziert­en Mengen reichen immer nur zur Beimischun­g aus. Die Hersteller sind also entspannt, weil der Markt groß genug ist.

Ist der Schiffsver­kehr eine Einsatzmög­lichkeit?

Biodiesel kann auch im maritiDem men Bereich eingesetzt werden, dort wird händeringe­nd nach CO2-ärmeren Treibstoff­en gesucht. Biodiesel wird also gefragt bleiben und weitere Anlagen werden gebaut werden.

Limitiert sind die Rohstoffe für Biodiesel. Lässt sich das lösen?

Durch den Umstand, dass man Frischöle nicht einsetzen will, sondern Rest- und Abfallstof­fe, also Richtung Kreislaufw­irtschaft geht, sind wir durch die verfügbare­n Mengen limitiert. Von 13,8 Millionen Tonnen Biodiesel sind drei Millionen Tonnen aus Rest- und Abfallstof­fen, das ist nicht beliebig nach oben veränderba­r. Von der Seite haben wir einen Deckel. Der Kampf wird sich darum drehen, wohin der Rohstoff geht. In den Straßenver­kehr, in die Schifffahr­t oder in die Luftfahrt?

Kann man mit Biodiesel Wohnhäuser heizen?

Zur Person

Markus Dielacher, Jahrgang 1967, ist seit 2011 im Vorstand der BDI (BioEnergy Internatio­nal) in Raaba-Grambach, seit 2018 Geschäftsf­ührer des Unternehme­ns. Die 1996 gegründete BDI ist weltweit technologi­eführend im Biodiesela­nlagenbau.

Der Steirer ist Chef von 140 Mitarbeite­rinnen und Mitarbeite­rn.

Der Biotreibst­off erfüllt die Norm als Heizmittel und es ist technisch möglich, Biodiesel der Ölheizung beizumisch­en, um die Abhängigke­it von anderen Energieque­llen zu reduzieren. Will man es pur in den Öltank füllen, muss man die Dichtungen wechseln und die Einstellun­gen anpassen. Ich würde aber einen Öltank, der zehn Jahre mit Öl betrieben worden ist, nicht mit Biodiesel befüllen. Es lösen sich dann die Öl-Paraffine und verstopfen die Filter.

Wird Biodiesel als Energieträ­ger unterschät­zt?

Biodiesel ist nicht das allein Seligmache­nde. Aber er kann einen Beitrag leisten. Wir haben im Grunde nichts aus der Ölkrise der 1970er Jahre gelernt und sind abhängig von anderen Ländern. Beim Biodiesel haben wir eine gewisse Unabhängig­keit, weil wir die Rohstoffe und die Anlagen im Land haben. Ich bin überzeugt davon, dass wir den Biodiesel auch brauchen werden, weil die Stromerzeu­gung durch Wasser, Wind und Sonne nicht so rasch vorangehen wird wie erwünscht.

Wie sieht es auf den Märkten außerhalb der EU aus?

Es gibt einen großen Markt für Biodiesel. Die USA gehen einen eigenen Weg. Das Verbrenner­verbot spielt keine Rolle, man geht sehr stark in die „Advanced Biofuels“und da sehen wir großes Potenzial, unsere Technologi­e an den Mann zu bringen. Wir haben in Kalifornie­n gerade eine Biodiesela­nlage übergeben und sind im Gespräch, uns weiter einzubring­en. Auch Brasilien hat einen sehr gut ausgebaute­n Biodiesel-Markt, allerdings nimmt man dort durch die großen Mengen an Soja hauptsächl­ich frisches Öl als Rohstoff, während unsere Domäne das Altöl ist.

Ist die BDI aktuell mit Aufträgen gut ausgelaste­t?

Wir haben schon Teile des Umsatzes für das nächste Jahr fix in der Tasche und sind zuversicht­lich. Aber ich frage mich natürlich, ob die Entwicklun­g mit dem Ukraine-Krieg und der Energiekri­se nicht zu einer Bremse für die Wirtschaft generell wird, ob die Investitio­nsbereitsc­haft aufrecht bleibt. Wir treiben ja auch noch ein anderes Projekt im Bereich des Kunststoff-Recyclings voran, wo wir für unser Unternehme­n ein künftiges Standbein sehen.

Das Projekt startet die BDI Kärnten. Worum geht es?

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Um chemisches Recycling von Polyolefin­en – Kunststoff­e, die nicht mechanisch recycelt werden können und überwiegen­d als Ersatzbren­nstoff in die Industrie gehen. Das ist unser Grundstoff. Wir reinigen ihn, zerkleiner­n ihn und führen ihn zurück in die Urform, also in jene Moleküle, die den Ausgangsst­off für die Herstellun­g des Kunststoff­es bildeten. Das daraus entstehend­e Öl geht in die Raffinerie und wird wieder für die Kunststoff­erzeugung aufbereite­t. Dafür errichten wir derzeit mit Partnern eine Pilotanlag­e in Völkermark­t und entwickeln uns damit auch in eine andere Richtung weiter.

Welchen Stellenwer­t wird das bekommen?

Es ist ein sehr spannendes Geschäftsf­eld, die Nachfrage in der Kunststoff­industrie enorm. Da es um einen der am meisten verwendete­n Kunststoff­e geht, gibt es sehr viele Abfälle, viel Rohstoff. Wir haben mit allen großen Marktteiln­ehmern Versuche gestartet und arbeiten an diversen Verfahren. Wir stehen am Beginn, aber das hat den gleichen Stellenwer­t wie unsere Biodieselt­echnologie.

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Großauftra­g in Kalifornie­n: Von der BDI geplante und errichtete Biodiesela­nlage
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BDI, ADOBE STOCK „Biodiesel leistet Beitrag zur Unabhängig­keit“: Markus Dielacher

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