„Vor­sicht!“, ist­man­ver­sucht zu sa­gen

Kleine Zeitung Steiermark - - POLITIK -

Die Zahl der Flücht­lin­ge ist seit dem Aus­nah­me­jahr 2015 auf ein Vier­tel zu­rück­ge­gan­gen, die Rhe­to­rik aber hat sich kaum ver­än­dert. Ge­dan­ken zu Krieg, Flucht, Asyl und zum Um­gang mit ei­nem emo­tio­na­len The­ma.

Der Rück­blick auf un­se­re Ge­schich­te – in den letz­ten Wo­chen ganz be­son­ders auf den so­ge­nann­ten An­schluss vom März 1938 – hat uns not­wen­di­ger­wei­se ins Ge­dächt­nis ge­ru­fen, dass die Er­eig­nis­se die­ser Zeit auch mit gro­ßen Flücht­lings­wel­len und dra­ma­ti­schen Flücht­lings­schick­sa­len ver­bun­den wa­ren, wie sie bei­spiels­wei­se von Her­bert Lack­ner in sei­nem her­vor­ra­gen­den Buch un­ter dem Ti­tel „Die Flucht der Dich­ter und Den­ker“be­schrie­ben wur­den.

Tat­säch­lich ist ja das Phä­no­men des Flücht­lings und des Asyl­su­chen­den – wie wir al­le wis­sen – so alt wie un­se­re Zi­vi­li­sa­ti­on. Flücht­lin­ge, die sich ge­zwun­gen se­hen, Gren­zen zu über­schrei­ten, um sich aus den ver­schie­dens­ten Grün­den in Si­cher­heit zu brin­gen, gibt es, seit es Gren­zen, Krieg, Ge­walt und Dik­ta­tur gibt.

Da­bei­wur­den Frem­de mit an­de­rer Spra­che, an­de­rem Aus­se­hen und an­de­rer Re­li­gi­on im- mer schon mit Dis­tanz und Arg­wohn be­trach­tet. Der Aus­druck für die Frem­den lau­te­te in der grie­chi­schen An­ti­ke „bár­ba­roi“; die Frem­den­wa­ren eben Bar­ba­ren und die Bar­ba­ren wa­ren Frem­de. en­noch hat sich schon im Al­ter­tum ei­ne be­mer­kens­wer­te Kul­tur im Um­gang mit Frem­den und Flücht­lin­gen ent­wi­ckelt: Das Gast­recht wur­de hoch­ge­hal­ten und das Asyl­recht als hei­lig be­trach­tet.

Die Pra­xis mag sehr häu­fig hin­ter hoch­ge­steck­ten Zie­len und mo­ra­li­schen Pos­tu­la­ten zu­rück­ge­blie­ben sein, aber der Grund­ge­dan­ke des Asyl­rech­tes über­dau­er­te Al­ter­tum, Mit­tel­al­ter und Neu­zeit – ist aber noch im­mer stark um­strit­ten. Fast könn­te man sa­gen: An der Grund­ein­stel­lung zu Flücht­lin­gen schei­den sich die Geis­ter, die po­li­ti­schen Par­tei­en und die po­li­ti­schen Sys­te­me. Ein Blick in die Ver­gan­gen­heit be­stä­tigt das.

DNach dem En­de des Zwei­ten Welt­krie­ges gab es in Ös­ter­reich ei­ne rie­si­ge Zahl von Flücht­lin­gen, näm­lich Kriegs­flücht­lin­ge, DPS (dis­pla­ced per­sons), Hei­mat­ver­trie­be­ne etc. Die of­fi­zi­el­len An­ga­ben schwank­ten da­mals zwi­schen 1,4 und 1,6 Mil­lio­nen Flücht­lin­gen. Zwei Drit­tel da­von konn­ten bis En­de 1947 in ih­re­hei­mat­län­der zu­rück­keh­ren; der Rest hat we­sent­lich zum Wie­der­auf­bau un­se­res Lan­des bei­ge­tra­gen und die bei­den da­ma­li­gen Ko­ali­ti­ons­par­tei­en har­mo­nier­ten weit­ge­hend im Um­gang mit Flücht­lin­gen.

Gleich­zei­tig kehr­ten aber auch Ös­ter­rei­che­rin­nen und Ös­ter­rei­cher, die nach der Macht­über­nah­me Hit­lers in Ös- ter­reich im März 1938 ih­re Hei­mat ver­las­sen muss­ten, zum Teil – und man muss ehr­li­cher­wei­se sa­gen: zu ei­nem be­schä­mend ge­rin­gen Teil – wie­der nach Ös­ter­reich zu­rück. Es sind ih­re Er­zäh­lun­gen, ih­re Brie­fe und ih­re Bü­cher über Flücht­lings­schick­sa­le, die uns heu­te auf­wüh­len, die uns zwin­gen, die Fra­ge zu stel­len: Wie­so konn­te man in zi­vi­li­sier­ten Län­dern wäh­rend der Herr­schaft Hit­lers teil­wei­se so herz­los, ego­is­tisch und un­so­li­da­risch mit Flücht­lin­gen um­ge­hen? mge­kehrt ist es herz­er­wär­mend be­wun­derns­wert, wenn man auch Schick­sa­le ge­schil­dert be­kommt, wo ein Gast­land oder ei­ne Gast­fa­mi­lie mit Flücht­lin-

Ua­ber und

Flücht­lin­ge aus Un­garn 1956: Da­mals war die Er­in­ne­rung an Krieg und Flucht noch wach ORF

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