Im Fuß­ball wür­de man von ei­nem Ei­gen­tor spre­chen.

Kleine Zeitung Steiermark - - POLITIK - Ist Ko­lum­nist der „Welt“und „Welt­wo­che“.

Wie Sie ver­mut­lich wis­sen, ha­ben die Grü­nen in Deutschland ei­nen „gu­ten Lauf “. Bei den Land­tags­wah­len in Bayern am 14. Ok­to­ber kam die Öko-par­tei auf er­staun­li­che 17,7 %, zwei Wo­chen spä­ter in Hes­sen auf 19,8 %. Bei der Bun­des­tags­wahl 2017 blieb sie mit

8,9 % zwar ein­stel­lig, woll­te aber un­be­dingt an der Re­gie­rung be­tei­ligt wer­den, egal mit wem. Wann im­mer die lei­ten­den Ka­der öf­fent­lich das Wort ergriffen, sah man in de­ren Au­gen schon die Num­mern­schil­der ih­rer Di­enst­wa­gen auf­blit­zen. Ent­spre­chend groß war die Ent­täu­schung, als sich die Hoff­nun­gen nicht er­füll­ten.

Nun ste­hen in die­sem Jahr fünf Wahl­gän­ge be­vor, für die Land­ta­ge in Bran­den­burg, Sach­sen und Thü­rin­gen, au­ßer­dem zur Bre­mi­schen Bür­ger­schaft und dem Eu­ro­pa­par­la­ment. Ob­wohl in Thü­rin­gen erst am 27. Ok­to­ber ge­wählt wird, stell­te der Vor­sit­zen­de der Grü­nen, Ro­bert Ha­beck, be­reits ei­ne Vi­deo­bot­schaft ins Netz: „Wir ver­su­chen, al­les zu ma­chen, da­mit Thü­rin­gen ein of­fe­nes, frei­es, li­be­ra­les, de­mo­kra­ti­sches Land wird, ein öko­lo­gi­sches Land.“Es war nicht Ha­becks ers­te Fehl­leis­tung die­ser Art. Be­reits vor der Bay­ern­wahl hat­te er da­zu auf­ge­ru­fen, die Grü­nen zu wäh­len, um die „Al­lein­herr­schaft“der CSU zu be­en­den. Da­mit es „end­lich wie­der De­mo­kra­tie in Bayern“gibt. Denn übe­r­all, wo die Grü­nen nicht mit­re­gie­ren, ist die De­mo­kra­tie ent­we­der ge­fähr­det oder schon ab­ge­schafft.

Was Ha­beck im Fall von Thü­rin­gen über­se­hen hat­te: Seit En­de 2014 wird der Frei­staat von ei­ner rot-rot-grü­nen Re­gie­rung aus Link­s­par­tei, SPD und Grü­nen re­giert. Im Fuß­ball wür­de man von ei­nem Ei­gen­tor spre­chen. Für die Grü­nen war es al­len­falls ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­blem. Sie nah­men den Clip off­line, „weil vie­le ihn falsch ver­stan­den ha­ben“, was Ha­beck sa­gen woll­te, war: „Thü­rin­gen soll ein­fach noch grü­ner und öko­lo­gi­scher wer­den.“

Ja, so lus­tig kön­nen die Grü­nen sein. Und der von den Me­di­en als „Hoff­nungs­trä­ger“be­ju­bel­te Ha­beck ist der lus­tigs­te von al­len. Be­vor er die Füh­rung der Par­tei über­nahm, war er Mi­nis­ter in Schles­wig-hol­stein, zu­stän­dig für Ener­gie­wen­de, Land­wirt­schaft, Um­welt und länd­li­che Räu­me. Er selbst nann­te sich „Drau­ßen­mi­nis­ter“. Da sa­ge noch ei­ner, die Grü­nen hät­ten kei­nen Hu­mor.

Hen­ryk M. Bro­der

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.