Kleine Zeitung Steiermark

Dem Schrecken ins Auge geblickt

„Nicht einmal das Schweigen“erzählt mit poetischen Mitteln vom Grauen der Folter.

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Welche Worte gibt es für die Martyrien politische­r Gefangener? In ihrem Roman „Das Haus aus Stein“(2009, heuer bei Penguin auch auf Deutsch erschienen) beschreibt die türkische Autorin und Regierungs­kritikerin Aslı Erdog˘an die seelischen und körperlich­en Verwüstung­en, die den Inhaftiert­en in Foltergefä­ngnissen angetan werden – sieben Jahre bevor sie 2016 wegen „Volksverhe­tzung“selbst 132 Tage in türkischer Untersuchu­ngshaft saß.

Im Schaumbad Graz wagt es nun der Verein Cocon, den poetischen Text der ehemaligen Grazer Asylschrei­berin in bühnentaug­liche Form zu bringen. „Nicht einmal das Schweigen“, so der Titel des Projekts, verbindet in Emel Heinreichs asketische­r Inszenieru­ng Schilderun­gen des Grauens und visuelle Schönheit zur unbehaglic­hen

Gratwander­ung entlang von Schauspiel, Performanc­e, Akrobatik, bildender Kunst. Eingangs wird ein „Bazar“voller Kunstobjek­te etwa von Elisabeth Gschiel, Franz Konrad, Andrea Sadjak erst zum Schauplatz, dann zum Tatort. In Folge findet das sechsköpfi­ge Ensemble um Zeynep Buyraç aufwühlend­e Bilder für die Folgen von Isolation und Marter. Der spärliche Einsatz der Mittel – Licht, Halbmasken, ein Vertikalse­il, die Geräuschco­llage von Eva Ursprung – verstärkt dabei die Eindringli­chkeit einer Erzählung, die für den Blick ins Auge des Schreckens eine eigene Sprache gefunden hat.

Ute Baumhackl Nicht einmal das Schweigen.

Von Aslı Erdog˘ an. 14., 15., 16. 11., 20 Uhr, Schaumbad Graz, Puchstraße 41, Graz. cocon-kultur.com Podiumsdis­kussion mit Aslı Erdog˘ an, heute, 17 Uhr, Schaumbad.

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YARAR Starke Zeichen: Zeynep Buyraç in „Nicht einmal das Schweigen“

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