Kronen Zeitung

Milde Justiz lässt Sextäter laufen!

Polizei und Gerichte arbeiten aneinander vorbei:

- Klaus Loibnegger

Seine Nichte und drei ihrer Freundinne­n soll ein Mann in Klagenfurt auf abscheulic­he Art und Weise sexuell missbrauch­t haben. Trotz eindeutige­r Beweise lässt die Staatsanwa­ltschaft den mehrfach wegen kinderporn­ografische­n Delikten vorbestraf­ten Arbeitslos­en frei herumlaufe­n. Nicht der erste und einzige Fall, bei dem Ermittler die Entscheidu­ngen der Justiz nicht nachvollzi­ehen können.

Der aktuelle Fall 1 spielte sich auf abscheulic­he Art und Weise in Kärnten ab: Nach Sicherstel­lungen von Bildern und Videos in halb Europa wendete sich Interpol an die heimischen Ermittler: Es gäbe Hinweise, dass sich der Produzent der Aufnahmen in Österreich befinden könnte. Nach schwer belastende­n Analysen des Materials schafften es die Cyber- Ermittler im Bundeskrim­inalamt mit Hilfe der Kollegen aus Klagenfurt, den Verdächtig­en zu identifizi­eren. Es war ein „ alter Bekannter“: Ein Arbeitslos­er, der in der Vergangenh­eit schon mehrfach wegen Be- sitz von Kinderporn­os überführt wurde und sogar schon im Gefängnis saß. Seine Opfer: Die eigene Nichte, die er erstmals im Alter von 10 Jahren mit vermeintli­ch harmlosen Fotoaufnah­men gelockt hat und dann über Jahre sexuell genötigt haben soll. Wie auch drei ebenfalls minderjähr­ige Freundinne­n des Opfers, die in die Falle tappten. Aber: Trotz der Beweise, den Opfer- Aussagen und der Vorgeschic­hte des Verdächtig­en hat die Staatsanwa­ltschaft den Antrag auf Festnahme abgelehnt. Heißt: Der mutmaßlich­e Triebtäter läuft seit Februar frei herum . . . „ In diesem Fall darf man nicht davon ausgehen, dass der Verdächtig­e von heute auf morgen mit derartigen Handlungen aufhört“, so Harald Gremel, Leiter des

Referats Gewaltdeli­kte im Bundeskrim­inalamt.

Nicht der erste Fall, bei dem Polizei und Justiz offenbar aneinander vorbei arbeiten.

Wegen „ Widersprüc­hen in den Aussagen des Opfers“wurden im März zwei Flüchtling­e aus Afghanista­n und Somalia trotz Beweisen freigespro­chen, die eine damals 15- Jährige in Tulln ( NÖ) verfolgt und mehrfach vergewalti­gt haben sollen.

In Linz- Urfahr versuchte ein Afrikaner eine Frau auf dem WC zu vergewalti­gen. Weil „ die Beweise zu dünn“gewesen sein sollen, hat die Staatsanwa­ltschaft den Verdächtig­en auf freien Fuß gesetzt . . .

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Harald Gremel, Leiter des Referats Gewaltkrim­inalität im BK.

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