Kronen Zeitung

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

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Esishalt a Jammer mit de kloan Kinder“, meinte der Landwirt Franz P. „ Sobalds was liegn sehn, habens es scho im Mund. Unlängst kummt der Herr Advokat zu mir, wegn an neichn Pachtvertr­ag, und legt sei goldene Uhr aufn Tisch, damit er ja ganz genau waß, wia vül Zeit er ma verrechna kann. De Rechtsanwä­lte san ja da sehr penibel. Schenkn nix her, weils wissen, ohne sie samma aufgschmis­sn. Aber natürlich soll alles aa zeitlich korrekt sein. Keine Frage!

Der kloane Sebastian, des Enklkind, hat das gsehn und is glei zum Tisch zuwikemma. I hab eahm zwoamal weggjaugt, weil er se zwoamal sei Nasn an an Herrn Advokatn sein Ärml obgwischt hat. Aber dann, wia ma so übern Pachtvertr­ag gredt habn, hab i nimmer so genau aufpasst. Und auf oamal hat der Sebastian scho de Uhr in der Hand ghabt und hat fest einebissn. Des Kind is halt no a wengerl kloan, es hat sicher glaubt, des is was zum Essn. I hab eh glei hingriffn und hab in Sebastian de Uhr ausn Mund gnumma. Aber s Glasl war halt scho zbrochn, und der oane Zoager war ohbissn. Der Bua hat scho Zähnd wia a Eber, mit seine drei Joahr, de hat er von mir.

Der Herr Advokat hat mächtig zum Schimpfn angfangt und hat gsagt, de Uhr muass i eahm zahln. Ah, hab i gsagt, i zahl sicher nix. Hättn S es net am Tisch glegt, hab i gsagt. Des kimmt, weils so gierich sads und a jede Minutn verrechna wollts. Be- schweren is da zwecklos. A Kind is a Kind. A bisserl a Nachsicht für de nächste Ge- neration. Der Herr Advokat hat gsagt, wann i net auf der Stell de Uhr zahl, wird er mi klagn. Klagn S nur, hab i gsagt, Herr Advokat, dann nimm i mir an Advokatn, hab i gsagt, und dann werd ma ja sehn, ob der Herr Advokat gegn mein Advokatn was ausrichtn wird. Sobald der kloane Sebastian beim Tisch steht, brauchn S ka Uhr hinlegn, weil S wissen müassn, dass d Kinda alls in Mund nehma. Was glaubn denn Se, Herr Richter? Muass i de Uhr zahln?

Die Klage des Rechtsanwa­ltes wurde abgewiesen. „ Ah, des vergunn i eahm!“, triumphier­te Herr P. „ Der kloane brave Sebastian kriagt heit a Sackerl voll Süßigkeitn! Obwohl des is net gsund für de Zähnd. Es wird a Spielzeug.“

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