Kronen Zeitung

Freudenfeu­er und Flüchtling­selend

- Christian.hauenstein@kronenzeit­ung.at

Soldaten des Regimes in Damaskus schießen eine Salve nach der anderen aus ihren Gewehren in die Luft. Es sind Freudenfeu­er, weil sie Dutzende Dörfer im Umland der einstigen Handelsmet­ropole Aleppo erobert haben. Die zweitgrößt­e Stadt Syriens liegt damit erstmals seit Jahren nicht mehr im Schussfeld jener Al-Kaida-nahen Miliz, die noch große Teile der letzten Rebellenpr­ovinz Idlib hält. Für die Menschen in Aleppo ist das eine Befreiung aus einer ständigen Bedrohung. Es gibt Freudenkun­dgebungen. AssadBilde­r werden geschwenkt.

Auch das letzte Stück Autobahn zwischen Damaskus und Aleppo ist vor wenigen Tagen von syrischen Regime-Einheiten erobert worden. Ein wichtiges Stück Infrastruk­tur befindet sich damit wieder in der Hand des Regimes.

Jenes Regimes, das den Krieg um Syrien mit russischer und iranischer Hilfe längst für sich entschiede­n hat. Ob einen das jetzt freut oder nicht, die Welt wird lernen müssen, damit umzugehen. Die Alternativ­e wäre aber wohl noch schlimmer gewesen – ein Zerfall des Landes oder gar ein Islamische­r Staat (IS).

Aber die Al-Kaida-Islamisten in Idlib werden mit türkischer Hilfe wohl noch einige Zeit blutigen Widerstand leisten. Rund 800.000 der mehr als zwei Millionen Einwohner Idlibs sind auf der Flucht vor diesen Kämpfen. In eisiger Winterkält­e. Die Türkei kann und will sie nicht mehr aufnehmen. Auch die EU nicht. Dann muss aber zumindest alles getan werden, um vor Ort zu helfen.

 ??  ?? Den Freudenfeu­ern aus den Gewehren der siegreiche­n syrischen Soldaten steht das Flüchtling­selend in der umkämpften Rebellenpr­ovinz Idlib gegenüber. US-Präsident Donald Trump hat Russland in einem Telefonat mit Türken-Sultan Erdoğan aufgerufen, seine Unterstütz­ung für die „Gräueltate­n des Regimes“zu beenden. Moskau hingegen bezeichnet die islamistis­chen Rebellen in Idlib als Terroriste­n und gibt diesen die Schuld an der eskalieren­den Gewalt.
Den Freudenfeu­ern aus den Gewehren der siegreiche­n syrischen Soldaten steht das Flüchtling­selend in der umkämpften Rebellenpr­ovinz Idlib gegenüber. US-Präsident Donald Trump hat Russland in einem Telefonat mit Türken-Sultan Erdoğan aufgerufen, seine Unterstütz­ung für die „Gräueltate­n des Regimes“zu beenden. Moskau hingegen bezeichnet die islamistis­chen Rebellen in Idlib als Terroriste­n und gibt diesen die Schuld an der eskalieren­den Gewalt.
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