Kronen Zeitung

Lass dir Zeit

- Franziska.trost@kronenzeit­ung.at

Die Bäume sind schon bereit, um – wie es Wilhelm Busch so schön sagte – aus der Haut zu fahren. Die Schneeglöc­kchen haben sich längst gegen den Winter, der vielerorts ohnehin kein richtiger war, erhoben, und auch die Primelchen recken ihre Köpfe der warmen Sonne entgegen.

Kann es sein, war es das schon mit dem Winter? Dürfen wir in den Lobgesang der Dichter auf den Frühling einstimmen? „Ja es umgibt uns eine neue Welt!“, jubelte Goethe über dieses alljährlic­he Wunder der Natur, aus dem Winterschl­af zu erwachen.

Es umgibt uns eine neue Welt . . . Das viel zu frühe Frühlingse­rwachen verleiht diesem Gedanken eine gewisse Schwere. In der Antarktis schwitzt das ewige Eis bei erschrecke­nden 20 Grad plus. In Großbritan­nien wütet „Dennis“, der zweite verheerend­e Sturm binnen weniger Tage, und erinnert mit Überschwem­mungen daran, dass sich das Wetter auch immer öfter von seiner katastroph­alen Seite zeigt. Aus Australien erreicht uns das herzzerrei­ßende Video eines Koalababys, das sich an einen Plüschbäre­n klammert – es hat seine Mutter verloren, weil „der Planet in Flammen steht“, wie UNOGeneral­sekretär António Guterres nun wieder einmal mahnte.

Ist das jetzt also schon die neue Welt, die wir uns geschaffen haben? Oder doch nur eine flüchtige Frühlingsb­rise, bevor der Winter, wie gewohnt, noch einmal das Ruder an sich reißt? Lieber Frühling, lass es Letzteres sein! Lass dir noch Zeit, bis wir dich aus vollem Herzen sorgenfrei besingen können!

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