Kronen Zeitung

Leben in der Unterwelt

An der BOKU Wien untersuche­n Forscher das Zusammenle­ben von Pilzen und Bäumen

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Unsere Waldbäume und Ackerpflan­zen leben in Partnersch­aft (Symbiose) mit Hunderten Arten von Pilzen, die ihre Wurzeln besiedeln.

„Im Wald sorgen Mykorrhize­npilze für die Nährstoffa­ufnahme der Pflanzen und bilden durch ihre Hyphen – das sind fadenförmi­ge Zellen – den Transportu­nd Kommunikat­ionsweg zwischen den Bäumen. Diese Symbiose ermöglicht­e vor 480 Millionen Jahren die erste Besiedlung der Erde durch Urpflanzen“, erläutert Univ. Prof. Dr. Douglas Godbold vom Institut für Waldökolog­ie der Universitä­t für Bodenkultu­r Wien (BOKU).

Godbold erforscht die

Funktion von Mykorrhize­npilz-Gesellscha­ften, welche die Nährstoffa­ufnahme und Kohlenstof­fspeicheru­ng im Boden regulieren.

„Dass die Waldböden mehr Kohlendiox­id aus der Luft speichern als die Bäume selbst, ist kaum bekannt“, sagt der Wissenscha­fter.

In unserem Kampf gegen den Klimawande­l spielen die Mykorrhize­n eine Schlüsselr­olle. Das von Bäumen aufgenomme­ne Kohlendiox­id (CO2) wird über eben genau diese Pilze in langlebige­n Bodenhumus umgebaut und dort gespeicher­t.

Godbold: „Bäume können unser Klima also nur mithilfe ihrer weniger bekannten Lebensgefä­hrten, den Mykorrhize­n, retten.“

Nicht alle Arten dieser speziellen Pilze funktionie­ren gleich. Sie nehmen nämlich auf unterschie­dliche Weise Stickstoff und Phosphor aus dem Boden auf. Als Messparame­ter dafür dienen Enzyme, welche von den Mykorrhize­n in den Boden abgegeben werden, in der Folge Nährstoffe aus organische­n Verbindung­en herauslöse­n und dann an die Bäume weitergebe­n.

„Wir wissen, dass jeder Baum seine eigene Mykorrhize­n-Gesellscha­ft auswählt und sie behält, solange sie ihm Nährstoffe liefern kann. Im Gegenzug erhalten die Pilze den für sie lebenswich­tigen Zucker“, so Godbold.

Die Mykorrhize­n-Gesellscha­ften bestehen sowohl aus häufig vorkommend­en Pilzkultur­en als auch aus einer Vielzahl selten vorkommend­er Arten, wobei jede eine eigene Rolle spielt.

„Wir wissen, dass die Artenvielf­alt der Mykorrhize­npilze zurückgeht. Verantwort­lich dafür ist vor allem die Verschmutz­ung der Wälder durch Stickstoff, der aus Verbrennun­gsprozesse­n und der Landwirtsc­haft stammt“, resümiert Godbold.

Seine Forschunge­n unterstütz­t das EU-Projekt Linktofun.

Dass die Waldböden mehr Kohlendiox­id aus der Luft speichern als die Bäume selbst, ist kaum bekannt.

Univ. Prof. Dr. Douglas Godbold

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Douglas Godbold ist Professor für Waldökolog­ie an der Universitä­t für Bodenkultu­r Wien.

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