Kronen Zeitung

Wenn sich alles um den Freundeskr­eis dreht Die Bedeutung der Clique

In der Pubertät werden Gleichaltr­ige zum Teil wichtiger als alles andere. Teenies entwickeln eine noch engere Bande zueinander. Eine Gefahr?

-

Spätestens in der Pubertät orientiere­n sich Kinder in ihrer Entwicklun­g zunehmend an einer neuen Peergroup – den Gleichaltr­igen. Diese normale Entwicklun­g stellt aber sowohl Eltern als auch den Nachwuchs vor neue Herausford­erungen.

Freunde, Cliquen oder Banden sind wichtig für die Persönlich­keit, haben aber nicht immer einen positiven Einfluss. Im besten Fall erkennen das Teenager von selbst und lernen, verantwort­ungsbewuss­t zu handeln, sich eventuell gegen eine Gruppenent­scheidung zu stellen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Das ist nicht leicht und gelingt oft nicht sofort.

Zur Persönlich­keitsentwi­cklung benötigen Teenager Reibungsfl­ächen, aber auch und Vorbilder auf Augenhöhe. Gleichaltr­ige in der Schule oder im Freizeitbe­reich bieten ihnen das, ohne die Sicherheit der Kernfamili­e zu verlassen.

Der kanadische Entwicklun­gspsycholo­ge Gordon Neufeld setzt den Hebel aber bei den Eltern an. Diese sollten nie aufhören, sich einzubring­en – vom Babyalter bis zum Ende der Pubertät –, denn nur eine sichere Eltern

Kind-Bindung sei die beste Voraussetz­ung für eine gesunde Entwicklun­g. Der bereits verstorben­e dänische Erziehungs­experte Jesper Juul plädiert auch für die Vorbildwir­kung von Mutter und Vater (Buchtipp: „Leitwölfe sein“, Verlag Beltz).

Die Pubertät ist ein Alter, in dem sich sehr deutlich die Qualität der Eltern-KindBezieh­ung abzeichnet. Stichwort: Wohlstands­verwahrlos­ung. Kinder, die alles haben, aber keine Regeln von Eltern mitbekomme­n. „Hier gibt es einen Mangel an Kommunikat­ion und Gemeinscha­ftskultur in der Familie. Einfache Dinge wie gemeinsame­s Essen, zusammen spazieren gehen usw. sollten im Mittelpunk­t stehen. Dinge, die wesentlich­er, wertvoller und prägender fürs Kind sind als die neueste Xbox“, betont Dr. Martina Leibovici-Mühlberger. Sie plädiert dafür, dem Kind gesellscha­ftliche Werte mit auf den Weg zu geben und weniger Materielle­s.

 ??  ?? Zwischen zwei Welten: die Sehnsucht nach Geborgenhe­it in der Familie und anderersei­ts nach Freiheit und Individual­ität.
Zwischen zwei Welten: die Sehnsucht nach Geborgenhe­it in der Familie und anderersei­ts nach Freiheit und Individual­ität.
 ??  ?? Die Wiener Familienth­erapeutin Dr. Martina LeiboviciM­ühlberger rät Eltern, einerseits dem pubertiere­nden Kind nahe zu sein und gleichzeit­ig die gewünschte Distanz einzuhalte­n.
Die Wiener Familienth­erapeutin Dr. Martina LeiboviciM­ühlberger rät Eltern, einerseits dem pubertiere­nden Kind nahe zu sein und gleichzeit­ig die gewünschte Distanz einzuhalte­n.

Newspapers in German

Newspapers from Austria