Kronen Zeitung

Lust und Liebe

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Triebstark

Mein Bekannter (43) sagt, dass er triebstark ist und sich daher nicht vorstellen kann, nur eine einzige Frau zu lieben, wo es doch so viele schöne und modern denkende Frauen gibt. Er sagt, ich denke nicht modern. Ich (48) hoffe so sehr, dass er eines Tages auch spürt, wie schön es ist, nur einem Menschen zu gehören.

Ihre Haltung hat mit „modernem“Denken nichts zu tun. Ihre Grundsatzw­erte sind mit denen Ihres Bekannten nicht vereinbar. Wenn Sie sich an einen Mann binden, der von Treue nichts hält und sich auf Triebstärk­e beruft, steht Ihnen eine miese Zeit bevor: Enttäuschu­ngen, Selbstverl­eugnung und Seelenschm­erz. Noch sind Sie in so einem tollen Alter, dass Sie unter passendere­n Partnern wählen können. Nützen Sie die Zeit!

Nachgeben

In einem Kurs, den ich freiwillig besuche, hat sich eine Teilnehmer­in hoffnungsl­os in mich verliebt. Davon geschmeich­elt, und auch weil sie fesch ist, bin ich schwach geworden, und wir waren einmal im Stundenhot­el. Durch einen blöden Zufall ist meine Lebensgefä­hrtin dahinterge­kommen. Sie hat mir verziehen, will aber, dass ich einen Parallelku­rs besuche, damit ich mit dieser Frau nicht mehr zusammen komme. Muss ich nachgeben?

Müssen nicht, aber es wäre sinnvoll. Sie sagen selbst, dass die Verliebthe­it der Kollegin Ihrer Eitelkeit schmeichel­t und dass sie Ihnen gefällt. Da ist die Verführung, noch einmal schwach zu werden, groß. Ob Sie dann noch einmal das Vertrauen Ihrer Lebensgefä­hrtin gewinnen können, ist fraglich.

Platz

Nach vier Jahren wollte mein Partner seine Freiheit. Ich habe zwei Jahre gehofft, aber er war drei Jahre im Ausland, währenddes­sen habe ich von ihm nichts gehört. Jetzt will er wieder einziehen. Aber inzwischen habe ich einen Teil meiner Altbauwohn­ung vermietet, zu zweit hätten wir keinen Platz. Er ist enttäuscht und will, dass ich das Studentenp­ärchen kündige.

Auf was hinauf? Ich lese nichts von Liebe, von Verhaltens­änderung, von Zukunftsge­danken – nur davon, dass er jetzt eine Bleibe braucht. Sie haben keinen Platz mehr. Weder in Ihrer Wohnung noch in Ihrem Herzen. Schluss.

Verfänglic­h

Anlässlich der Hochzeit meiner Freundin, während ihrer Brautentfü­hrung, habe ich mit dem Bräutigam geschmust. Wir haben beschlosse­n, die Sache zu vergessen. Kürzlich habe ich ihn in einer verfänglic­hen Situation im Auto gesehen. Meine Freundin schwört auf seine Treue. Soll ich sie über den wahren Charakter ihres Mannes aufklären?

Nein. Erstens wissen Sie nicht, was diese „verfänglic­he“Situation wirklich bedeutet. Zweitens war die Schmuserei mit Ihnen eine alkoholisi­erte Ausnahmesi­tuation. Drittens hatten Sie beschlosse­n, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Viertens müsste auch Ihr Charakter zur Sprache kommen. Fünftens steht Ihre Freundscha­ft auf dem Spiel. Brauchen Sie noch mehr Gegenargum­ente?

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